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08.05.1981

Liegt Augsburg im US-Staat Ohio?

Es ist nicht ohne Plausibilität, wenn man nachzuweisen versucht, daß die deutschen Ableger amerikanischer Computer-Hersteller wenig Bewegungsspielraum haben.

Ex-IBM-Executive Rolf-Dieter Leister hat wohl etwas Derartiges andeuten wollen, als er seinen Weggang vom Marktführer damit begründete, daß er für eine "Macher"-Funktion im Gesamtkonzern den falschen Paß in der Tasche habe.

Es gibt Beispiele genug, die deutlich machen, wie in hiesigen Zentralen von "US-based companies" der Hase läuft.

Da ist die deutsche NCR GmbH durch Management-Querelen ins Gerede gekommen. Die Branche hat wieder etwas zu munkeln.

NCR-Kunden klagen über mangelhafte Unterstützung. Die Wettbewerber reiben sich die Hände.

Ob ihre verkäuferischen Leistungen in den Augen der gestrengen Daytoner Mutter zufriedenstellend waren, wissen nur die Augsburger. Nachprüfbar ist, daß das NCR-Universalrechner-Geschäft hierzulande seit geraumer Zeit nicht sonderlich gut läuft. Man studiere nur die Diebold-Rechnerstatistik.

Sicher stimmt auch, daß der Exodus namhafter NCR-Führungskräfte (vergleiche Seite 1: "US-Abhängigkeit verschreckt NCR-Management") etwas mit der unbefriedigenden Auftragssituation zu tun hat.

Irgendwie kommt einem die Geschichte bekannt vor. Im Mai 1977 verließ überraschend der damalige Generaldirektor Friedrich-Franz Herzog nach 25 Jahren die NCR GmbH.

Sein Entschluß, sich nach so langer Bindung von dem Unternehmen zu trennen, wurde auf ein "zunehmend frostigeres Verhältnis" zur NCR-Mutter in Dayton/Ohio zurückgeführt. Die Augsburger Allgemeine wußte von einer "zunehmend stärker werdenden Gängelung der Landesfürsten durch die US-Bosse" zu berichten. Jetzt, so scheint es, wiederholt sich das Spiel.

Als Herzog-Nachfolger Kurt W. Hackel vor vier Monaten seine Augsburger Residenz in Richtung Fürth verließ- der Ex-IBMer und spätere "Freiberater" übernahm eine leitende Funktion bei Grundig - roch dies zwar stark nach einer Entscheidung "aus persönlichen Gründen", zumal ihm kurz danach NCR-Finanzchef Dr. Ferdinand Eiffe mit einem Grundig-Vertrag in der Tasche folgte - doch Insider wußten es besser.

Auch der Ex-IBMer, so sagt es ein Hackel-Anhänger, habe letztlich vor der starren Haltung des amerikanischen NCR-Managements kapituliert.

Dabei konnte der smarte Unternehmer für sich in Anspruch nehmen, in drei Jahren das erreicht zu haben, was sein Vorgänger auf dem deutschen NCR-Thron nicht geschafft hatte: Das Registrierkassen-Image weitgehend wegzupolieren und der NCR den Touch des astreinen Computerherstellers zu verschaffen.

Nun haben auch der erst vor kurzem zum stellvertretenden Geschäftsführer ernannte Georg Kirchmann und Vertriebsdirektor Dieter Gallist das Handtuch geworfen. In Augsburg stehen die Stühle locker.

Die Hackelsche Ära ist zu Ende, weil der "Kassen-Killer" ohne Unterstützung seitens der Amerikaner blieb. Hackel wußte, daß Augsburg nicht in Ohio liegt.

Seit Jahresbeginn regiert mit dem gebürtigen Australier Angus ein Mann, der Daytoner Luft geschnuppert hat. Bleibt abzuwarten, ob er über die gleichen Geographie-Kenntnisse verfügt.

_AU:Dieter Eckbauer