Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.08.1987 - 

Siemens will neuer Verfahrenstechnik die Wartungskosten eindämmen, denn:

Lifecycle wird zur Geißel der SW-Entwicklung

MÜNCHEN (CW) - Für die Einbindung der Softwareerstellung in ein umfassendes Informations-Engineering hat die Siemens AG die integrierte Verfahrenstechnik "Domino" vorgestellt. Das neue Lösungskonzept mit einheitlicher Benutzeroberfläche soll den Anwender von der Problemanalyse bis zum fertigen SW-Produkt unterstützen.

Nach den Worten von Rudolf Duschl, Leiter des Fachbereiches Anwenderprogramme im Unternehmensbereich Datentechnik des Münchner Elektrokonzerns, hilft das "in sich geschlossene System aus Methodik, Tools und Sprache" dem Anwender, die Qualität seiner eigenen DV-Lösung zu steigern, einzelne Programmkomponenten mehrfach einzusetzen sowie die angestrebte SW-Portabilität zu erreichen.

Bindeglied zwischen den einzelnen Anwendungsbausteinen "Oecos" für adäquates Organisations-Engineering bei der Büroautomatisierung, "Secos" für System-Engineering bei der technischen Projektierung komplexer Systeme und "Case" für computerunterstütztes Software-Engineering bei der Rationalisierung der SW-Entwicklung ist die von Siemens entwickelte grafische Sprache "Grapes". Sie soll zusammen mit einer neuen objektorientierten Modellierungstechnik alle Phasen der SW-Entwicklung durch Bilder und Symbole verständlich und transparent gestalten. Domino arbeitet mit den Betriebssystemen BS2000 und Sinix, soll aber nach den Plänen der Münchner auch in anderen Umgebungen, zum Beispiel auf IBM-Systemen, eingesetzt werden können.

Siemens entwickelte die Verfahrenstechnik vor allem auch unter dem Aspekt der immens angewachsenen Wartungskosten bei Software.

Fehlerbehebung in der Einsatzphase ist zu teuer

Allein die Aufwendungen für die Pflege bestehender Programme verschlingen Siemens-Angaben zufolge im Durchschnitt bis zu 60 Prozent der Investitionssummen; für die notwendige Neuentwicklung verbleibe somit ein Rest von 40 Prozent. Dies führe zu unsachgemäßer Entwicklungsplanung und zu Fehlerbehebungskosten, die in der teuren späteren Einsatzphase etwa hundertmal höher seien als in der frühen, noch überschaubaren Entwurfsphase.

Hinzu komme, daß der Wartungsaufwand für ein Programm mit einer Lebensdauer von zehn Jahren rund 200 Prozent der Entwicklungskosten betrage.

Es sei heute unstrittig, erläuterte Duschl, die Softwareherstellung in der Phasenfolge "Aufgabendefinition", "technische Realisierung" und "Einsatz" zu organisieren. Dabei entstünden in der Aufgabendefinition die exakten Leistungsvorgaben, nämlich die Anforderungen des Anwenders hinsichtlich seiner gewünschten Lösung. Diese mündeten nahtlos in ein DV-Konzept ein, in dem die technischen Eigenschaften einer Lösung, wie etwa Dialogmasken und Transaktionsfunktionen, festgelegt würden.

Das DV-Konzept wiederum sei die vertraglich genau definierte Vorgabe an den Produkthersteller für die technische Realisierung. Mit dem Design der Softwarekomponenten, der Codierung, der Integration, dem Test und dem Tuning entstehe das Produkt, das nach erfolgter Kundenabnahme zum Einsatz komme. "Wir wissen jedoch aus der Praxis", gibt Duschl zu bedenken, "daß die an uns gestellten Produktanforderungen des Anwenders in vielen Fällen nicht mit dem übereinstimmen, was er eigentlich bräuchte."

Die Rückkopplung aus der Einsatzerfahrung führe zu mehrmaligen Durchläufen im Lifecycle; vor allem dann, wenn der reale Einsatz nicht mehr den ursprünglichen Anwendervorgaben entspreche oder der Einsatzzweck während der Produktherstellung "unbemerkt abgedriftet" sei. Duschl: "Der Lifecycle erweist sich zunehmend als Geißel der Softwareentwicklung."

Reverse-Engineering soll Kostenspirale stoppen

Für nahezu alle Anwender gelte es deshalb, ihr umfangreiches Software-Investment zu erhalten. Eine Grundvoraussetzung sei es jedoch, die bestehenden Anwendungsprogramme in die neuen Systemstrukturen und in ihre grafische Repräsentation einzugliedern. Diese Funktion erfülle "Domino" in der Vorgehensweise des "Reverse Engineering". Damit würden für den Anwender frühere Software-Investitionen wieder rentabel.