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05.02.1982

Lifehaftiges aus der DV-Welt

Die Datenverarbeitung steckt noch immer voller Kuriositäten und Ungereimtheiten. Ob nun der Mikrocomputer im Kfz-Diagnose-Center den fünften und sechsten Zylinder eines nur mit vier Zylinder versehenen PKWs als defekt meldet - oder durch einen Programmfehler zimmerhohe Weihnachtsbäume für nur eine Mark angeboten werden: Big Brother ist unter uns - mit all seinen (menschlichen) Fehlern und Macken. COMPUTERWOCHE-Leser Hans-Peter Stöckel, Betriebsleiter im Rechenzentrum der Fachhochschule Furtwangen, griff zum Jahreswechsel in seinen Erlebnis-Zettelkasten" und berichtet über kuriose Erfahrungen in und mit der EDV.

Plausibilitätsprüfung

Ein Supermarkt im Südwesten orderte via EDV 5000 Weihnachtsbäume, gemeint waren 500 Stück. Ein Bekannter kaufte am 24. 12. zwei zimmerhohe Tannen für eine Mark pro Exemplar.

Adressenverwaltung

Hans bekam regelmäßig Post, die er absolut nicht haben wollte. Wohlmeinende Anrufe und Zuschriften seinerseits fruchteten nicht.

Er ersann erfolgreich folgenden Ausweg:

Auf der Rückseite eines dieser wattierten Umschläge gibt es die Zeile: "Lieber Herr Briefträger ..." Hans füllte das vakante Adressenänderungsfeld aus, verzogen nach: Casa del morte, Yucatan 34, Mexico.

Mathematiker als Programmierer

Ein Prozeßrechner wurde beschafft, um als Back-up-System in Sekundenbruchteilen im Notfall die Umschaltung von Energieströmen verschiedener Umspannwerke richtig zu bewerkstelligen.

Es kam trotz allem zu einem halbstündigen "Black-out". Man schaute nach dem Rechner, der immer noch emsig arbeitete, und stellte fest: Erlöste Polynome n-ten Grades nach einem Verfahren, das nie konvergiert.

Mikrocomputer vor Ort

Bei einer Inspektion wurde der Motor meines Kfzs von einem mobilen Diagnosecenter "gecheckt". Der grün-weiß gestreifte Auswertebogen ergab, daß der 5. und 6. Zylinder keine Kompression aufwiesen. Dem "Operator" konnte ich erst durch die hinreichende Aktivität "Nachzählen der Zündkerzen im Motor" glaubhaft versichern, daß sich in meinem Fahrzeug ein simpler 4-Zylinder-Motor befindet.

Für Probleme gibt es Spezialisten

Eine computerisierte Klinik war stolz, die Intensivstation weitgehend bei der Patientenüberwachung automatisiert zu haben. Am schönsten waren auf den farbigen Monitoren im Beobachtungsraum bei Inbetriebnahme die Trendmeldungen über den Verlauf von Meßreihen. Man erfuhr mehrfarbig, mit lautem "beep-beep" unterlegt, daß sich bei Patient A die Körpertemperatur in zirka fünf Minuten von 38,27 Grad Celsius auf 38,32 Grad Celsius erhöhen würde (die Anzeige erfolgte laufend).

Mehrtägige Programmierarbeiten hatten zur Folge, daß die Körpertemperatur in etwa mit der Zeichenfolge- %/"4-dargestellt wurde.

Ein herbeigerufener Softwarespezialist löste in wenigen Stunden das Problem, indem er maximal nur eine Stelle hinter dem Komma verarbeiten ließ. Er kostete 200 Mark pro Stunde.

Die Nützlichkeit von "warnings"

Wie sich das gehört, verfuhren wir beim Auspacken eines EDV-Peripheriegerätes nach parallel mitgelieferter "unpacking procedure ". Nach gut einer halben Stunde stellte sich heraus, daß wir statt des erwarteten Druckers ein Magnetplattenlaufwerk erhalten hatten. Die richtige Aufschrift außen am Karton, daß es sich um ein Laufwerk handelt, war überklebt mit dem Gebot "use no hooks".

Späte Erkenntnis

Das Stromversorgungsteil einer Speichereinheit wurde mehrmals gewechselt, da es nach kurzzeitigem Betrieb Rauchzeichen abgab und denselben einstellte.

Nach erfolgreicher (vorläufig letzter) Reparatur fanden wir nach Abreise des Wartungstechnikers einen aus einer Zigarettenschachtel ausgeschnittenen Hinweis auf die Frontseite des Gerätes aufgeklebt: "... smoking will be hazardous to your health."

Maschine kaputt

Wir mußten den Benutzern unserer Rechenanlage mitteilen, daß wegen eines Defektes das System für voraussichtlich einen Tag nicht zur Verfügung steht.

Das Schlimmste für unseren Operator (in der ersten Minute der Verzweiflung) war die Tatsache, daß er von der Operatorkonsole aus nicht die Möglichkeit hatte, die Crash-Information "an alle" einzugeben.

EDV Ist eine saubere Sache

Als Lehrling hatte man vor etlichen Jahren auf die Frage "Was sehe ich, wenn ich die Rückwand eines Fernsehgerätes abschraube" zu antworten: "Staub!" Dies erzählte ich einem Wartungstechniker, als er gerade die Rückwand einer Zentraleinheit der "zweiten Generation" abschraubte.

Erschrocken meinte er: "Bei unseren Produkten gibt es so etwas

nicht. "

Dialog mit dem Chef

Der rechtzeitige Monatsabschluß eines mittelständischen Unternehmens war gefährdet durch den Ausfall des Computers.

Das 3-Mann/Frau-Team war rund um die Uhr zusammen mit einem Servicespezialisten des Herstellers bemüht, die Lage zu verbessern. Der Chef der Firma besuchte zu später Stunde die "Aktiven" und stellte fest, daß der Boden des Rechnerraumes übersät war mit Handbüchern, Kaffeetassen, Bierflaschen und sonstigem "EDV-Zubehör". Seine Frage, was denn hier los sei, wurde quittiert mit der Bemerkung: "Wenn das hier mal läuft, sehn Sie uns nie wieder!"

EDV für Newcomer

In einem Einführungslehrgang sollten auch die "Nichttechniker" mit der EDV Tuchfühlung bekommen. Das Faszinierende für einen teilnehmenden Philosophen war die Tatsache, daß auf seine Eingabe am Terminal (in deutscher Prosa) ein englischer Text als Antwort "cannot find ... vom Computer übermittelt wurde.

Die EDV ist ihrer Zeit voraus

Auf einer internationalen Tagung über den Computereinsatz in der Medizin erklärte ein vortragender Kollege, mit welch grandiosem mathematischen Einsatz er bestimmte Gehirnwellen auswertet.

Auf die Frage eines anwesenden Mediziners nach der "pathophysiologischen Relevanz" der ermittelten Parameter erklärte er: Das sei nicht gegeben, da man die Zusammenhänge aus medizinischer Sicht noch nicht genügend beschreiben könne.

"Real-world"

Eine in Englisch gehaltene Vorlesung eines Informatikprofessors trug die Präambel "information-systems deal with some models of the real world". Ich beobachtete, wie mein Vorlesungsnachbar derweilen in einem amerikanischen Playboy-Magazin blätterte.

Verständigungsschwierigkeiten

Auf dem Messestand eines namhaften Computerherstellers war als "letzter Schrei" der Anschluß eines Tomographen an den Computer mit Darstellung auf einem Farbmonitor vorgestellt worden.

Auf meine scherzhaft gemeinte Anfrage, ich möchte das Ganze nochmals in Betrieb sehen, wo ich denn das Markstück einwerfen solle, erboste sich der Moderator, "....ob ich denn wisse, was die CPU-Zeit des Systems koste...."

Überall EDV

Einem ortsansässigen Lebensmittelhändler, der auch ein paar Zeitungen verkaufte, wurde die EDV immer unheimlicher. Er stellte fest, wenn er für die folgende Woche zehn Exemplare einer bestimmten Zeitung bestellte, für die darauffolgende jedoch nur fünf, daß er in der nächstfolgenden Woche überhaupt kein Exemplar mehr bekam. In aufsteigender Tendenz war der umgekehrte Effekt festzustellen.

Auf Anfrage bei seiner Zulieferzentrale "wieso?" - und im übrigen sei bei ihm das Zeitschriftengeschäft saisonabhängig - bekam er zur Antwort, . . . der Computer könne schließlich nicht sämtliche Gegebenheiten berücksichtigen. Der Händler ist nach Aufgabe seines Geschäftes als Angestellter in einem Großmarkt für die Warendisposition (via EDV) zuständig.