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12.01.2001 - 

Vor allem etwas für professionelle Anwender

Linus Torvalds gibt den Linux-Kernel 2.4 frei

MÜNCHEN (ls) - Am vierten Tag des neuen Jahres hat Linus Torvalds die lang erwartete Version 2.4.0 des Linux-Kernels freigegeben.

Ende Dezember hatte das Online-Magazin "Wired" den ursprünglich für Frühjahr 2000 angekündigten neuen Kernel auf Platz vier der Liste "Vaporware 2000" gesetzt. Eine Woche später wischte der Schwamm der Geschichte über diese Notierung. In einer humorigen Notiz an die Kernel Mailing List schrieb Torvalds die lang erwartete Nachricht: "Kurz, 2.4.0 ist draußen." Genug sei genug, "die Dinge werden nicht besser, indem die gleichen Leute sie immer wieder testen."

Nach weiteren Tests mit ihren Installationsroutinen und Applikationen werden zum Beispiel Suse und Red Hat im Februar Distributionen mit dem neuen Kernel herausgeben. Für Privatanwender dürfte der größte Fortschritt seit Version 2.2 die Unterstützung des USB-Busses sein. Die meisten Verbesserungen aber werden professionellen Anwendern zugute kommen.

Release 2.4 ist für 32-Bit- ebenso wie für 64-Bit-Systeme geeignet. Dazu gehören der Pentium 4, Intels kommende Prozessorgeneration IA 64, IBM-Rechner der Z-Serie und S/360-Mainframes, neuere Mips-CPUs etc. Die Taktrate kann bis zu zwei Gigahertz betragen. Der Kernel unterstützt nun SMP-Systeme mit bis zu 16 CPUs. Hauptspeicher bis zu einer Größe von 64 GB sind adressierbar; die 2-MB-File-Begrenzung gibt es nicht mehr.

Auch weitere Neuigkeiten zeigen an, dass Torvalds Linux in "Mission-critical"-Umgebungen platzieren möchte, die bisher eine Domäne von diversen Unix-Derivaten sowie Microsofts Windows NT und 2000 sind. Ein System kann bis zu 16 Ethernet-Karten, zehn IDE-Controller und die neueren IO-Apics (Advanced Programmable Interrupt Controller) unterstützen. Theoretisch könnte der Kernel 4,2 Milliarden User oder Gruppen bedienen.

Komplett überarbeitet worden ist das File-System, Erweiterungen verschiedener Subsysteme zielen auf ein besseres Feintuning des Betriebssystems für anspruchsvolle Anwendungen. Allerdings gibt es wie angekündigt noch kein Journaling-File-System im Kernel, wie man es für fehlertolerante und schnell wiederherstellbare Datenbanktransaktionen bräuchte. Version 3 von "EXT", das "Reiser-FS" oder eine Mischung aus beiden möchte Torvalds erst einem der künftigen 2.4.x-Releases mitgeben. Möglicherweise wird auch IBMs Open-Source-Geschenk "AFS" eine Rolle spielen.

Feineres Tuning für große AufgabenDer neue Kernel gestattet nun auch die Nutzung der intelligenteren ISA-Plug-and-Play-Karten und der Devices mit dem PCI-Superset I2O. Auch der Anschluss von Geräten per Firewire (neben USB) ist möglich. Das SCSI- wurde ebenso wie das Raid-Subsystem fast komplett überarbeitet, beide sollen nun wesentlich durchsatzstärker und robuster sein. Neu sind ein "Logical Volume Manager" (LVM) und ein "Raw I/O Device", durch das sich in kritischen Situationen beispielsweise Daten ohne Weg über Caching-Layer direkt auf Speicher schreiben lassen. Deutlich verbessert worden sind die Möglichkeiten, Linux in unterschiedliche Netzwerk-File-Systeme und -Protokolle einzubinden.

Trotz dieser Verbesserungen hat der Kernel kaum an Volumen zugenommen. Der größte Teil des Codes besteht aus Treibern. Der Quellcode steht zum Download bereit unter www.kernel.org/pub/linux/kernel/v2.4.