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01.12.2000 - 

Hoffnung auf einen Geldgeber in letzter Minute

Linux-Berater ID-Pro leidet unter Liquiditätsproblemen

MÜNCHEN (CW) - Die ID-Pro AG, Bonn, ein auf Linux spezialisiertes Beratungs- und Dienstleistungshaus, hat beim Bonner Landgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen ist jedoch zuversichtlich, bis zur Eröffnung des Verfahrens Kapital auftreiben zu können.

Den Stein ins Rollen brachte die Hamburger Venture-Capital(VC-)Gesellschaft Pre-IPO AG, die mit 1,2 Millionen Euro oder 5,72 Prozent an ID-Pro beteiligt ist. Sie teilte mit, sie habe den ersten "nennenswerten Ausfall" in ihrem Portfolio zu verzeichnen. Es gehe um den Linux-Spezialisten ID-Pro, mit dessen Insolvenzantrag man an der Elbe aber schon länger gerechnet habe. Deshalb, so verteidigt sich das börsennotierte VC-Unternehmen, sei das Engagement im Jahresabschluss 1999/00 (Ende: 30. September) bereits vollständig wertberichtigt worden. Grund für den Insolvenzantrag sei eine nicht abgeschlossene Kapitalerhöhung gewesen.

Das ID-Pro-Management um Vorstandssprecher Daniel Riek bestätigt den Vorgang, hat aber die Hoffnung noch keineswegs aufgegeben. Bereits im Spätsommer 2000 sei ein Kapitalzufluss erwartet worden, der jedoch wegen Streitigkeiten unter den Kapitalgebern und wegen deren Neubewertung der Marktsituation aufgrund der negativen Entwicklung an den Technologiebörsen nicht zustande gekommen sei. Deshalb befinde sich ID-Pro trotz eines guten operativen Geschäfts in Liquiditätsengpässen. Eine erfolgreiche Kapitalakquise sei jedoch nach wie vor möglich.

Verhandlungen mit Doherty & Co.Derzeit laufen nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Verhandlungen mit der amerikanischen VC-Gesellschaft Doherty & Company. Das Unternehmen halte bereits 4,5 Prozent am Unternehmen und denke nun daran, seinen Anteil zu erhöhen. "Die Bedingungen wären natürlich relativ hart - wie immer in so einer Situation -, aber es würde dazu führen, dass ID-Pro weitermachen kann", erklärt Riek. Nach wie vor halte man an dem Ziel fest, das Unternehmen im vierten Quartal nächsten Jahres zum Breakeven zu führen. Bis dahin wäre die Kapitalisierung mit Hilfe der US-Investoren nach Meinung des Unternehmenssprechers gesichert.

Weniger zuversichtlich ist jedoch Felix Goedhart, Vorstandsmitglied bei Pre-IPO. In einer Presseerklärung äußert er sich wie folgt: "Weitere Kapitalgeber konnten trotz des sehr positiven Linux-Marktumfeldes von den Erfolgsaussichten des Geschäftsmodells von ID-Pro nicht überzeugt werden. Ein weitergehendes Engagement der Pre-IPO AG war nicht zu rechtfertigen. Daher konnten und wollten wir im Sinne unserer Shareholder-Value-Verpflichtung keine weiteren Risiken eingehen, haben konsequent gehandelt und die Kapitalerhöhung ebenfalls nicht begleitet."

Über diese Aussagen ärgert sich ID-Pro-Sprecher Riek, der das Geschäftsmodell, im Kundenauftrag große Linux-Projekte abzuwickeln und entsprechende Services anzubieten, als erwiesenermaßen tragfähig bezeichnet. Zum einen gebe es eine Reihe von Unternehmen, die in diesem Markt erfolgreich agierten, zum anderen sei ID-Pro bisher kaum von seinen Planzahlen abgewichen. Eine Reihe von Verhandlungen mit potenziellen Kunden zeige überdies, dass die Perspektiven gut seien.