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14.06.2005

Linux bereitet Microsoft Sorge

Die deutsche Tochter argumentiert gegen das Open-Source-Betriebssystem sachlicher.

Noch sind Linux-PCs eine Ausnahme, aber Microsoft stellt sich auf ein Verteidigungsgefecht um das bisher komfortabel dominierte Desktop-Geschäft ein. Auf einer Veranstaltung des Unternehmens in München über den Client-Markt war die quelloffene Alternative das beherrschende Thema. Dabei beträgt der Linux-Anteil an Desktops in Deutschland gerade einmal 3,4 Prozent, wie die Marktbeobachter von Techconsult im Februar dieses Jahres bei einer Befragung unter 240 Anwenderunternehmen festgestellt haben. Insgesamt würden sieben Prozent dieser Firmen Linux-Desktops verwenden oder evaluieren. Im Vergleich zu älteren Befragungen sei die Zuwachsrate für das quelloffene System sogar abgeflacht.

Barrieren behindern Linux

Andreas Zilch, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Techconsult, Kassel, hält die Windows-Dominanz derzeit für völlig ungefährdet. Erst wenn Linux auf dem Desktop einen Marktanteil von zehn bis zwölf Prozent erreiche, könnten die Barrieren fallen. Und die beständen in erster Linie aus zwei Faktoren. Erstens verfügten die Unternehmen über zu wenig Linux-Know-how. Zweitens gebe es nicht genug branchenspezifische Anwendungen. Microsoft profitiere hier von einem Teufelskreis, in dem sich Desktop-Linux befinde: Für den zu kleinen Markt entwickelten Softwarehäuser keine Programme, und das Fehlen von spezifischen Applikationen lasse Anwender wiederum von Linux Abstand nehmen.

Offenbar wiegen solche Ausführungen Microsoft nicht in Sicherheit. Im Gegenteil, die Auseinandersetzung wird gesucht. Dabei folgt Microsoft Deutschland nicht dem Mutterkonzern, dessen Kampagne "Get the Facts" sich auf gekaufte und folglich kaum glaubwürdige Studien stützt. Die deutsche Tochtergesellschaft, die es mit einem im weltweiten Vergleich besonders Linux-freundlichen Markt zu tun hat, argumentiert mit den Befunden unabhängiger Marktuntersuchungen.

Argumente von Unabhängigen

So hat Gartner laut Microsoft-Manager Alfons Stärk in einer noch nicht veröffentlichten Nachfolgestudie über "Linux-Mythen" unter anderem festgestellt, dass quelloffene Desktop-Umgebungen keineswegs kostenlos seien, sondern Migrationsaufwand mit sich brächten und auf teure Spezialapplikationen nicht verzichten könnten. Diese Programme seien für Linux oft nicht vorhanden. Auch befreie Linux nicht vom Upgrade-Zwang, dieser gehe vielmehr von den Hardwareansprüchen der Anwendungen aus. Im Betrieb verursache ein Linux-Desktop - anders als bei Servern - gleich hohe Aufwendungen und Kosten wie eine Microsoft-Umgebung.

Auch in der Sicherheitsfrage sieht Microsoft Windows im Vorteil und zieht als Beleg die Forrester-Research-Studie "Is Linux More Secure Than Windows?" heran. Die argumentiert mit einer Zeitskala für Sicherheitsprobleme. Sie reicht von der Veröffentlichung eines Programms über die Entdeckung einer Sicherheitslücke, deren Bekanntwerden, der Verfügbarkeit eines Bugfix und seiner Verbreitung bis zur fehlerfrei überarbeiteten neuen Anwendung.

Die sicherheitskritische Zeit reiche vom Bekanntwerden einer Schwäche bis zur Verbreitung eines Bugfix. Die "days of risk" betrügen bei Microsoft 25 Tage, bei Red Hat und Debian 57 und bei Suse 74 Tage. Doch die Forrester-Zählerei hat einen entscheidenden Haken: Microsoft sagt üblicherweise monatelang nichts über entdeckte Schwachstellen, sondern bekennt sich erst in dem Moment dazu, wenn Fixes verfügbar sind. Die Risikophase ist also auf dem Papier denkbar kurz, kann aber tatsächlich um einiges länger sein, falls Hacker die Schwäche bemerkt haben. In der Open-Source-Welt sind hingegen gefährliche Lücken sofort allgemein bekannt; die Risikotage beginnen eher. Und ein Bugfix wird nicht irgendwann verbreitet, sondern sobald er vorliegt. Dafür gibt es bei den Linux-Distributoren Push-Verfahren, das bekannteste ist das Red Hat Network. Mithin errechnet sich der Risikozeitraum bei Linux ganz anders als bei Microsoft. Forrester hat Äpfel und Birnen verglichen.

Immerhin bleibt anzumerken, dass Microsoft in Deutschland mit Daten aus seriöseren Quellen arbeitet als in anderen Ländern. Das Unternehmen nimmt Linux auch in Sachen Desktop nicht mehr auf die leichte Schulter und bereitet sich auf Konkurrenz vor. (ls)