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Open Source und Linux/Lufthansa Systems: Wünsche gibt es - Klagen keine

Linux besteht Bewährungsprobe im RZ

26.09.2003
Beim täglichen Einsatz im Rechenzentrum von Lufthansa Systems zeigt sich, dass sich Linux in Sachen Administration, Systemverfügbarkeit, Stabilität und Performance im Vergleich zu anderen Plattformen gut schlägt.Von Wolfgang Schek*

Im Rechenzentrum von Lufthansa Systems ist Linux primär in kleinen bis mittleren Umgebungen sowie auf dem Mainframe im Einsatz. So haben sich Linux-Systeme beispielsweise als Web-, Mail-, FTP- oder Proxy-Server in der Praxis gut bewährt. Im Client-Server-Bereich kommt überwiegend die Linux-Distribution von Red Hat zum Einsatz. Die aus den USA stammende Distribution arbeitet mit den im Rechenzentrum eingesetzten Lösungen für Backup oder Clustering gut zusammen. Außerdem war Red Hat in der Vergangenheit Unix-ähnlicher angelegt als vergleichbare Linux-Versionen.

Für Desktop-Anwendung ist Windows erste Wahl, denn der typische Office-Anwender kommt in der Praxis damit schneller zurecht. Für Systemadministratoren und Entwickler hingegen ist Linux auf dem Desktop sinnvoll einsetzbar. Die mittleren bis großen Umgebungen sind eine Domäne der Unix-Maschinen. Hier laufen typischerweise Anwendungen wie SAP R/3 sowie Application-Server wie "Websphere" von IBM oder "Weblogic" von Bea.

Eine echte Alternative zu verteilten Unix-Systemen ist Linux im Highend- beziehungsweise Mainframe-Bereich. Durch die Konsolidierung unter Linux auf dem Mainframe sparen IT-Abteilungen erhebliche Kosten in der Systemadministration und im Bereich IT-Infrastruktur. Hier haben sich in der Praxis Suse Linux Enterprise Server 7 und 8 bewährt, die insbesondere bei der Installation und der Wartung über eine sehr hohe Marktreife verfügen. Im Backend-Bereich wird es aber auch künftig weiterhin Systeme auf Basis von z/OS beziehungsweise OS/390 geben. Die Produktionsreife und die Arbeitsprozesse dieser IBM-Betriebssysteme sind im Vergleich zu Unix und Linux bisher unerreicht.

Problemlose Systemadministration

Ihre Ausbildung haben die Linux-Spezialisten direkt bei der Lufthansa Systems GmbH erhalten. Um das Know-how kontinuierlich auszuweiten, sind autodidaktisches Lernen (learning by doing), das Studieren von Handbüchern und der Besuch von externen Lehrgängen wichtig.

Den Vergleich zu Unix braucht Linux nicht zu scheuen, wenn es um die Softwarevielfalt im Bereich Systemadministration und Fehlersuche geht. Die dafür notwendigen Werkzeuge sind kostenlos in Linux enthalten. Die Systemdiagnose erfolgt über die Bordmittel "sar" oder "vmstat", und auch zur Performance-Kontrolle sind die notwendigen Tools bereits vorhanden.

Wem das nicht reicht, der greift bei Mainframes auf das Angebot von Drittherstellern wie IBM oder Computer Associates zurück. Diese bieten unter anderem Programme zur tief greifenden Analyse der Auslastung, zum Aufspüren von Performance-Engpässen oder eventuellen Softwarefehlern an. Für die Performance-Überwachung werden auf dem Mainframe die vorhandenen Werkzeuge von Linux eingesetzt. Unter zVM gibt es dafür mit "FCON/ESA" ein spezielles Tool von IBM.

Im Backup-Bereich kommen im Rechenzentrum Lösungen von Veritas oder der "Tivoli Storage Manager" zum Einsatz. Bei der Unterstützung von SAN-Lösungen ist Linux allerdings noch ausbaubar. Die Skalierbarkeit von verteilten Anwendungen wird im Client-Server-Umfeld durch Cluster-Lösungen von Veritas erreicht. Hier sind die von Linux gebotenen Möglichkeiten ebenfalls noch ausbaufähig.

Für das Operating steht eine zentrale Automation zur Verfügung, die zLinux für das Operating vollständig transparent erscheinen lässt. Hierbei definieren Administratoren Regeln für Systemzustände. Falls eine Regel zutrifft, wie zum Beispiel "System Webserver01 antwortet seit fünf Minuten nicht", lassen sich entsprechende Maßnahmen einleiten, so ein Verlagern des Dienstes oder eine Warnmeldung an die Systemadministratoren. Für den Operator ist die Bedienung immer gleich, da er mit Ressourcen und Regeln umgeht - ganz gleich, ob diese auf AIX, zLinux oder anderen Umgebungen laufen.

Generell sind Betreiber von Rechenzentren bestrebt, plattformübergreifende Werkzeuge zur Systemüberwachung einzusetzen. Der Aufwand wäre einfach zu hoch, für jedes Betriebssystem die eigenen Mittel für Management und Überwachung einzusetzen. Bei Lufthansa System läuft das System-Management über Computer Associates'' "Operations" für Mainframe z/OS und z/Linux sowie Hewlett-Packards "Openview" für verteilte Unix-Systeme. Hier wird derzeit untersucht, wie sich beide Überwachungssysteme vereinen lassen. Für Linux existieren gesonderte Client-Pakete, die sich leicht in die Linux-Systeme integrieren lassen. Diese laufen stabil und verlässlich.

Ausreichend skalierbar

Für die Softwareentwicklung und den Systembetrieb bietet der Open-Source-Bereich eine breite Palette von Werkzeugen an. Zur Implementierung von Web-Services geeignet ist beispielsweise Lamp, ein Kürzel, das für die Kombination von Linux, Apache, MySQL und PHP steht. Für Application-Services wird unter anderem "Tomcat" erfolgreich eingesetzt. Mit der Portierung auf die Enterprise-Plattform Z-Series kommen immer mehr auch unterstützte Enterprise-Application-Server wie IBM Websphere und BEA Weblogic ins Gespräch. An Programmiersprachen im Linux-Umfeld haben sich Perl, Unix-Shellskripte, PHP, Java und C etabliert.

Mittlerweile ist Linux so weit verbessert, dass es hauptsächlich auf die optimale Hardwareunterstützung ankommt, um höchstmögliche System-Performance zu erreichen. Im kleineren bis mittleren System-Umfeld ist eine Rechenleistung von mehr als acht Prozessoren, wie sie der Linux-Kernel derzeit maximal unterstützt, erfahrungsgemäß nicht nötig. Falls die Umgebung dennoch mehr Leistung notwendig macht, kann die Skalierung horizontal durch zusätzliche Server erfolgen. Eine Weiterentwicklung des Linux-Kernels zur Unterstützung von noch mehr Prozessoren ist daher nicht zwingend notwendig, wäre aber als Alternative interessant.

Im Mainframe-Bereich, beispielsweise beim Einsatz von zLinux unter zVM, ist Linux von den tatsächlichen Prozessoren abgekoppelt. Die Anzahl der physikalisch zugeteilten Prozessoren im System spielt daher in der Gesamt-Performance eine Rolle und ist bei der Systemplanung zu berücksichtigen. Eine ständige Performance-Analyse des Gesamtsystems (zVM mit allen virtuell laufenden Linux-Gästen) im Betrieb ist aus diesem Grund unabdingbar und hat einen dementsprechend hohen Stellenwert bei den System-Administratoren.

Die im Rechenzentrum bei Lufthansa Systems gesammelten Erfahrung mit Linux sind durchweg positiv. Die Stabilität und Performance der eingesetzten Systeme ist sehr gut, und im Vergleich zu Unix- und Windows-Servern verzeichnet Linux eine deutlich geringere Ausfallrate. Abstürze aufgrund eines Fehlverhaltens im Betriebssystemkern von Linux sind eine sehr seltene Ausnahme.

Und wenn dann doch einmal Probleme auftreten, liegt es an fehlerhafter Hardware (bei Mainframes seltener), fehlerhaften Treibern von Drittherstellern oder mangelhaft konfigurierten Systemparametern. Hier hilft es, sich streng an Zertifizierungen und Freigaben der Hardware- und Softwarehersteller zu halten. Generelle Kritik an Linux als Betriebssystem gibt es daher auch nicht. Treten einmal Probleme auf, finden sich im Internet oder mit Hilfe der immer sehr engagierten Linux-Community rasch Lösungsvorschläge. (ls)

*Wolfgang Schek ist Director Integrated Solutions bei Lufthansa Systems in Frankfurt.

Angeklickt

Der IT-Dienstleister Lufthansa Systems arbeitet seit einigen Jahren mit Linux und Open-Source-Software. Die Betriebshardware reicht dabei von Intel-basierenden Umgebungen bis zu Mainframes. Die Erfahrungen haben zu einer zunehmenden Nutzung quelloffener Software geführt. Dabei war es den Verantwortlichen wichtig, dass die neuen Linux-Umgebungen nicht zu zusätzlichem Aufwand bei Management und Administration der Systeme führen dürfen.