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20.08.1999 - 

"Die Linux-Industrie muß erst krabbeln, bevor sie versucht zu gehen"

Linux braucht Feinschliff statt neuer Funktionen

MÜNCHEN (IDG) - Auf der zweiten offiziellen Linux-Großveranstaltung, der Linuxworld, skizzierte Linus Torvalds die Pläne rund um das Open-Source-Betriebssystem. Dabei fielen die Worte des Linux-Urvaters nicht allzu euphorisch aus.

Relativ ernüchternd dürften die Worte des prominentesten Open-Source-Anhängers auf manchen Linux-Enthusiasten gewirkt haben: Die Chancen, daß Linux Windows im Desktop-Segment den Garaus machen könnte, seien nicht allzu hoch. Es sei ungemein schwierig, in den Markt einzudringen, der von einem einzigen Betriebssystem gänzlich kontrolliert werde: "Kein Geld dieser Welt kann diesen Umschwung erleichtern", erklärte Torvalds vor Hunderten von Linux-Anhängern im kalifornischen San Jose. IBM habe mit OS/2 bereits die schmerzliche Erfahrung machen müssen, daß der Wechsel der Betriebssystem-Basis für die meisten Anwender eine Qual sei.

Dies sei der primäre Grund, weshalb sich Linux trotz des Engagements seitens der Industrie mit grafischen Benutzeroberflächen und einfacheren Installationsroutinen nur sehr selten auf dem Desktop durchsetze. Ernstzunehmende Chancen in kleineren Betrieben oder gar im Heimbereich räumt der Finne dem Open-Source-Produkt erst ein, wenn Hersteller wie etwa Corel mit eigenen, speziell für den Endanwender entwickelten Linux-Distributionen auf den Markt kommen. Strategien, wie die zwischenzeitlich bestätigten Gerüchte, wonach der japanische Elektronikriese Sony mit der Portierung von Linux auf Playstation-Konsolen begonnen hat, seien jedoch für die Verbreitung von Linux auf dem Desktop äußerst förderlich.

Gleichzeitig nutzte Torvalds die Aufmerksamkeit des Auditoriums, um über kommende Versionen des Unix-Ablegers zu informieren: "Die Entwicklung für das Release 2.2 dauerte viel zu lange. Viele Anwender waren äußerst frustriert", sagte der bei der kalifornischen Transmeta Corp., Santa Clara, tätige Programmierer. Um das Release 2.4 noch bis Ende des Jahres freigeben zu können, habe er Pläne über neu zu implementierende Funktionen kurzerhand ad acta gelegt. Wichtiger für die nächste Kernel-Version sei momentan die Verbesserung bestehender Funktionalität.

Geplant seien zunächst einmal ein überarbeitetes symmetrisches Multiprocessing (SMP) sowie die Verbesserung des Supports für den Universal Serial Bus (USB) - eine laut Torvalds "relativ große Herausforderung". Darüber hinaus wolle man sich um intelligentere Ein/Ausgabe-Standards (I2O) sowie um eine verbesserte Unterstützung für PCMCIA-Steckkarten kümmern.

Fehlen sollen dem Release 2.4 hingegen Features, die das weltweite "Linux-Team" bereits seit längerem fest eingeplant hatte. So sei etwa das "Journaling-Dateisystem", das ähnlich wie unter Windows NT und Unix die Änderungen am Betriebssystem aufzeichnet und so für eine leichtere und schnellere Restaurierung nach Abstürzen sorgen soll, wieder in weite Ferne gerückt. Ebenso erscheinen die Unterstützung für den kommenden Intel-Chip "Merced", das Source-Control-System sowie Clustering-Eigenschaften nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste. Diese Verbesserungen sollen erst in "ein oder zwei Jahren" mit der Version 3.0 folgen.

Warten müssen Interessenten nach Torvalds Worten auch auf den Support der Digital Versatile Disk (DVD). Der Einsatz dieses relativ jungen Speichermediums werde erst mit der Version 3.0 des Kernels möglich sein.

Trotz allem hält das Engagement für das Pinguin-Betriebssystem bei Herstellern an. Während der texanische Hardware-Anbieter Dell in den nächsten Monaten seine "Optiplex"-Desktop- und "Poweredge"-Server-Rechner optional auch mit "Red Hat Linux 6.0" anstatt mit Windows 98 beziehungsweise NT ausstatten will, hat Motorola angekündigt, das Open-Source-Betriebssystem auch in neuen Personal Digital Assistants (PDAs) nutzen zu wollen.

Zwischenzeitlich hat IBM eine Vereinbarung mit der Linuxcare Inc. getroffen, wonach das Unternehmen den gesamten technischen Support sowie das Training für Linux auf IBMs RS/6000-Systemen übernehmen soll. Dazu gehören spezielle Kurse zur Sicherheit oder Administration der beiden ab Oktober angebotenen IBM-Rechner "F50" sowie "43P 150".

Eine klare Stellungnahme zu Linux gab indes der Datenbankhersteller Sybase auf der Linuxworld ab. Das Unternehmen hat zusätzlich zu seinen existierenden Linux-Produkten "Adaptive Server" und "SQL Anywhere" eine Portierung von "Adaptive Server Enterprise 11.9.2", "Enterprise Application Server 3.0" sowie "Replication Server 4.0" versprochen. Wayne Caccamo, Leiter der Linux-Abteilung bei Hewlett-Packard faßt den Tenor der zweiten Linux-Veranstaltung zusammen: "Linux ist ganz sicher keine vorübergehende Erscheinung. Aber die Linux-Industrie muß erst lernen zu krabbeln, bevor sie versucht zu gehen.