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26.09.2003 - 

Open Source und Linux/Rasante Entwicklung

Linux dringt in Unix-Bastionen ein

Die öffentliche Wahrnehmung der Leistungsfähigkeit von Linux, beispielsweise im direkten Vergleich mit den "großen" Unix-Brüdern, hinkt seit Jahren hinter der technischen Realität her. Das Open-Source-Betriebssystem entwickelt sich weit schneller, als es die einstigen Vorbilder jemals erlebten.Von Jürgen Geck*

Immer noch attestieren die Analysten von Marktforschungsunternehmen den Unix-Derivaten im Vergleich zu Linux einen Vorsprung in den Bereichen Skalierbarkeit und Performance sowie Management und Administration. Alles Schnee von gestern! Wer heute Supercomputing finanzieren möchte, setzt auf die horizontale Vernetzung von standardisierten Industrie-Servern unter Linux. So baut IBM für das japanische National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) einen Linux-Cluster mit mehr als 2500 AMD-Opteron-Prozessoren - Platz drei auf der Top-500-Liste der weltweit leistungsstärksten Supercomputer.

Klassische Ammenmärchen

Rasante Fortschritte gibt es auch beim symmetrischen Multiprocessing für Intel-Prozessoren. Im 32-Bit-Bereich liefern Unisys-Rechner des Typs "ES 7000" unter Linux eine lineare Skalierbarkeit bis zu 32 Prozessoren. Im 64-Bit-Segment hat Silicon Graphics angekündigt, noch in diesem Jahr die Altix-3000-Systeme mit bis zu 64 Itanium-2-Prozessoren pro Node zu unterstützen; in einem Shared-Memory-Cluster lassen sich die Nodes dann zu Systemen mit bis zu 128 Prozessoren verknüpfen. Im Frühjahr 2004 soll die Kapazität auf 128 64-Bit-Prozessoren pro Knoten anwachsen, die zu Clustern mit bis zu 2048 Prozessoren und 16 TB Speicher verschaltbar sein sollen. Damit dringt Linux endgültig in die letzten Unix-Bastion der rechenintensiven Visualisierungsaufgaben und Simulationen vor.

Wichtige Voraussetzung hierfür ist auch die Verbesserung des Hyperthreading-Verhaltens bei Linux. Der Durchbruch ist hier in der Kombination der "New Posix Threads Library" (NPTL) mit dem Linux-Kernel 2.6 zu erwarten. Mit der offiziellen Freigabe von Kernel 2.6 durch Linux-Begründer Linus Torvalds kann noch in diesem Jahr gerechnet werden. Kernel 2.6 sorgt für schnelleres asynchrones I/O, einen besseren Umgang mit großen Massenspeichern, einen schnelleren IP-Stack sowie neue, verbesserte Scheduler und Speicherverwaltung.

Auch die häufig zitierte 4-GB-Hauptspeichergrenze für Linux erweist sich bei genauerem Hinsehen als Ammenmärchen. Richtig ist, dass Linux auf der x86-Hardware seinen Siegeszug in der Server-Welt angetreten hat. Vorwiegend als Brot- und Butter-Rechner für File- und Print-Dienste, für E-Mail- und Web-Server - und dafür reichen in der Regel 4 GB RAM allemal. Doch bereits seit drei Jahren unterstützt Linux Arbeitsspeicher mit bis zu 2 TB - anfänglich auf Compaq Alpha, seit mittlerweile mehr als einem Jahr auf Intels Itanium-CPUs sowie IBMs Power-PC-Prozessoren und Z-Series-Mainframes.

Womit wir schon bei einem der wirklichen Alleinstallungsmerkmale von Linux sind: der umfangreichen Hardwareunterstützung. Dadurch wird Linux zum "Universalkleber" zwischen Hardware und Middleware beziehungsweise Applikationen. Linux unterstützt nahezu jede Hardwarearchitektur, von Microsofts X-Box bis hin zu IBM-Mainframes. Relevanter für den Unternehmenseinsatz jedoch ist, dass Linux-Versionen für alle verbreiteten Server-Prozessoren - Intels x86er und 64-Bit-Itanium, AMDs x86-64, IBMs Power PC sowie Suns Sparc - verfügbar sind. Dies ist eine ideale Ausgangsposition, um eine heterogene Server-Landschaft effizient zu konsolidieren.

Das Konsolidierungssystem

Je nach Unternehmensgröße und IT-Umfeld bieten sich dafür unterschiedliche Szenarien an. Bestehende Unix-Anwendungen beispielsweise aus dem CAD/CAM-Umfeld lassen sich wesentlich kostengünstiger auf x86-basierenden Systemen als auf großen Unix-Maschinen betreiben. Cluster- und Blade-Technologien sorgen hier für Performance und Flexibilität. Nicht nur die x86-Standardhardware bringt Kostenvorteile, auch das Betriebssystem Linux selbst samt Service und Support entlastet die IT-Budgets der Anwender. Erste Erfolge, auch auf x86-Rechnern logische Partitionen darzustellen, machen x86/Linux perspektivisch zu einer attraktiven Konsolidierungsplattform für Anwendungen, die nicht extrem hohen Anforderungen hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit genügen müssen.

Gerade Großunternehmen, aber auch kommunale Rechenzentren, die ein Maximum an Sicherheits- und Recovery-Funktionalitäten benötigen, haben in den vergangenen Jahren Linux auf IBM-Mainframes als Konsolidierungsplattform entdeckt. Sie zentralisieren heute weniger kritische Web-Anwendungen, aber zum Beispiel auch SAP-Installationen auf dem Großrechner. Und dabei profitieren sie ohne große Mehrkosten von der Robustheit der Mainframes. Kleine und mittelgroße Unternehmen finden eine vergleichbare Konstellation auf IBMs Power-PC-basierenden p- und iSeries-Maschinen. Auf der Allround-Plattform lassen sich dank entsprechender Virtualisierungsfunktionen problemlos ERP-System, Datenbanken sowie Internet- und Intranet-Dienste parallel betreiben.

Bei allen drei skizzierten Szenarien senken die Anwender durch die Konsolidierung auf Linux Administrations-, Trainings- sowie Supportkosten. Das wiederum führt zu einer signifikanten Reduzierung der Total Cost of Ownership.

Softwarehäuser ziehen nach

Die Fähigkeit von Linux, verschiedene Hardwarearchitekturen zu unterstützen, bietet auch auf der Applikationsseite die Perspektive zur Konsolidierung. Softwareplattformen von IBM, Oracle, SAP, Veritas und vielen anderen sind auf Linux verfügbar und bilden die Basis für Programme von weiteren Anbietern, die deren Dienste benötigen. Die Unterstützung für Linux durch die überwiegende Mehrheit der Softwarehäuser ist greifbar nahe.

Dafür gibt es genügend gute Gründe: Linux bietet neben einer einheitlichen technologischen Basis auch eine unvergleichliche Offenheit gegenüber Entwicklern. Es ist einsehbar, an Standards orientiert, läuft auf einem breiten Hardwarespektrum, unterstützt alle denkbaren Sprachen und kann auf ungezählte Projekte als Programmierbeispiele verweisen. Es gibt praktisch kein Feld der Softwareentwicklung, in dem es nicht schon Projekte auf Linux gibt - von geografischen Informationssystemen (GIS) bis hin zur Automatisierung im Wohnumfeld.

Hersteller wie IBM und SAP entdecken zunehmend die Flexibilität des quelloffenen Systems - und nutzen Linux als Entwicklungsplattform für ihre Produkte. Damit werden die Anwender Innovationen künftig immer häufiger zuerst auf Linux nutzen können. Schließlich können die Softwarehersteller mit einem einzigen Linux-basierenden Angebot den gesamten Markt abdecken.

Eine Sicht auf die Systeme

Zu den unbestrittenen Stärken der traditionellen IT-Industrie gehören die Werkzeuge für System-, Datenbank- und Transaktions-Management. Anders als in herkömmlichen Umgebungen steht im Linux-Umfeld eine weitgehend standardisierbare Hard- und Softwarelandschaft zur Verfügung. Ein einheitliches Betriebssystem, das sich gleichwohl für alle Einsatzanforderungen anpassen lässt, bietet die notwendige Umgebung, um ein wirklich vereinheitlichtes Betriebskonzept zu unterstützen.

Die Unabhängigkeit von Hardwarearchitekturen, die Linux mit sich bringt, ist nicht nur per se für Softwareanbieter attraktiv. Sie bildet darüber hinaus die Grundlage für Betriebskonzepte, die eine einheitliche Sicht auf die IT-Infrastruktur eines Unternehmens anstreben. Anwender sind nicht länger bereits mit der Wahl einer Soft- und/oder Hardware auf bestimmte System-Management-Tools festgelegt. Vielmehr sind sie in der Lage, ihre Linux-basierenden Lösungen mit dem Werkzeug ihrer Wahl zu warten. Mit einer breiten Basis einheitlich verwaltbarer Systeme kann sich die IT-Industrie wieder darauf konzentrieren, die Lösungen ihrer Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Linux unterstützt den Ansatz von höherwertigen Lösungsangeboten, indem es das Zusammenspiel von Soft- und Hardware vereinheitlicht - genau das, wofür Betriebssysteme ursprünglich entstanden sind.

Mit einer einheitlichen System-Management-Sicht auf Linux-Installationen zeichnet sich ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung offener Systeme ab. Damit wird die Grundlage für etwas gelegt, was die IT-Industrie lange schon verspricht und bisher nur in Einzelfällen leisten kann: einfach zu bedienende, leistungsfähige Maschinen und Lösungen. Was in der Automobilindustrie seit dem Einzug von Servolenkung und Bremskraftverstärker schon lange möglich ist - dass heute Fahrzeuge jeder Art leicht zu bedienen sind - ist in der IT immer noch ein Versprechen, das es einzulösen gilt. Linux wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. (ls)

*Jürgen Geck ist Chief Technology Officer bei der Suse Linux AG in Nürnberg.

Angeklickt

Weil Linux für alle Hardwareplattformen erhältlich ist, bringt es den Softwarehäusern die Möglichkeit, Programme für ein breiteres Maschinenspektrum zu entwickeln. Schon deshalb, so der Autor, werden die Innovationen in Zukunft zuerst für dieses Betriebssystem erscheinen. Zugleich bietet es sich wegen seiner Einheitlichkeit als Bindemittel zur Konsolidierung der bisher heterogenen Systeme an. Und aus dem gleichen Grunde könnte es unter dem Aspekt des System-Managements die Grundlage für eine einzige Sicht auf die Einzelelemente der Systeme bilden. Das wäre die Voraussetzung dafür, ein altes Versprechen der IT wahr zu machen: einfach zu bedienende Maschinen.