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23.11.2001 - 

Umfrage zu geplanten IT-Ausgaben

Linux-Euphorie hält sich in Grenzen

23.11.2001
MÜNCHEN (CW) - In Krisenzeiten könnte man annehmen, dass Firmen verstärkt auf Linux setzen, um Geld zu sparen. Doch an das Kostensenkungspotenzial des Open-Source-Systems scheint kaum jemand so recht zu glauben: Bei den für das kommende Jahr geplanten IT-Ausgaben steht Linux ganz unten auf der Prioritätenliste.

Der Bericht von Goldman Sachs, für den 100 der 1000 größten US-Unternehmen zu ihren Investitionsplänen befragt wurden, überrascht durch das zumindest in den USA vergleichsweise geringe Interesse an Linux: Rund 65 Prozent der Befragten haben nicht vor, das Open-Source-Betriebssystem in den nächsten zwölf Monaten einzusetzen. 24 Prozent wollen es zusätzlich zu ihren Windows- und Unix-Installationen implementieren, und nur drei Prozent der US-Firmen betrachten Linux als ihr primäres Server-Betriebssystem (60 Prozent nannten hier Windows). Damit steht Linux - zusammen mit Supply-Chain-Management-(SCM-) Software - in der Liste der geplanten IT-Ausgaben ganz unten, während Windows 2000 oder XP sowie Sicherheitssoftware und Unix-basierte Server die Spitzenplätze einnehmen.

Der schlechte Wert für SCM ist nachvollziehbar: Angesichts der überall von oben verordneten Sparmaßnahmen werden viele SCM-Projekte momentan aufgeschoben, weil sich die Einsparungen, die ihr Einsatz bringt, nur längerfristig erzielen lassen. Bei Linux ist jedoch bereits die Anschaffung extrem günstig, und auch nach der Migration kann das Betriebssystem - zumindest theoretisch - einen verhältnismäßig schnell sichtbaren Beitrag zum Kosten-Management leisten.

Dennoch sind die meisten IT-Manager skeptisch, was das Einsparpotenzial des Systems betrifft. Zu Recht, meint George Weiss, Analyst bei Gartner. Seiner Erfahrung nach hängt es von diversen Faktoren ab, ob sich mit dem Betriebssystem tatsächlich Kosten senken lassen: unter anderem von den Linux-Kenntnissen der Mitarbeiter, von der Komplexität der Anwendungen, die auf dem Server laufen, sowie vom Migrationsaufwand. Das größte Rationalisierungspotenzial erziele Linux, verglichen mit anderen Betriebssystemen, wenn das System dediziert für eine Funktion eingesetzt werde - etwa als Web- oder Proxy-Server. Bei komplexeren Anwendungen nehmen dagegen die Kostenvorteile nach Ansicht von Weiss ab - unter Umständen könne der Einsatz von Linux sogar teurer werden als der eines Unix-Servers.

Viele Linux-Projekte kommen daher kaum über das Anfangsstadium heraus - bei unternehmenskritischen Anwendungen verlassen sich die IT-Leiter lieber weiter auf ihre traditionellen Unix-Systeme oder auf Windows-basierte Server. Beim Linux-Referenzanwender Amazon läuft die wichtigste Anwendung, sprich: die Datenbank, nach wie vor auf Hewlett-Packards Unix-Version HP-UX. Und selbst IBM, einer der laut Goldman Sachs "treuesten Linux-Anhänger", räumt ein, dass das Open-Source-Betriebssystem seine Grenzen habe.

Chad Robinson, Analyst bei der IT-Beratungsfirma Robert Frances Group, glaubt dennoch, dass Linux einen besseren Ruf genießt, als der Goldman-Sachs-Report suggeriert. "Natürlich schieben viele Companies in der gegenwärtigen Situation ihre Projekte nach hinten, doch das Interesse an Linux ist nach wie vor groß", so der Experte. Vor allem Branchen, die neuen Technologien aufgeschlossen gegenüberstehen - etwa Finanzdienstleister - verfolgten zum Teil sehr aggressive Linux-Strategien. (sp)