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15.03.2005

Linux fasst bei ERP und CRM Fuß

Eva-Katharina Kunst
Anwender können unter immer mehr ERP- und CRM-Paketen für das quelloffene Betriebssystem auswählen. Eine Linux-fähige Version ihrer Produkte zu haben wird für Softwareanbieter zur Pflicht.

Noch vor wenigen Jahren verstauten die meisten Unternehmer Linux automatisch in die Schublade "Web-/File-Server". Als Rückgrat für unternehmenskritische Anwendungen schien es nicht einsetzbar, haftete ihm doch der Stallgeruch des Amateursystems an. Unix und Windows blieben die erste Wahl der Entscheider - und sind es auch heute noch.

Dennoch: Die traditionelle Einengung von Linux auf den Wirkungsbereich von Administratoren und Techies ist längst passé. Die Hersteller notieren ein starkes Interesse der Kunden an Linux-fähigen Business-Anwendungen. Auch die Marktforscher sagen Linux, dessen Anteil am ERP-Markt im Jahr 2004 nur dürftige zwei Prozent betrug, ein rasantes Wachstum voraus: Bis 2007 werden Peerstone Research zufolge 15 Prozent der Anwender auf Linux setzen und allmählich zu den Windows-Nutzern aufschließen.

Windows, mit 28 Prozent die Nummer zwei als Plattform für Business-Anwendungen, werde seine Stellung behaupten, so die Auguren. Die Vormachtstellung von Spitzenreiter Unix hingegen werde bröckeln. Setzten Mitte 2004 noch 65 Prozent der ERP-Kunden von SAP, Oracle und Peoplesoft auf Unix, plane inzwischen jeder fünfte Unix-ERP-Anwender, die Plattform in den nächsten drei Jahren zu wechseln.

Davon werde fast ausnahmslos Linux profitieren, von dem die Anwender annehmen, es sei den Konkurrenten technisch ebenbürtig, biete professionellen Support, sei sicherer als eine Windows-Plattform und unschlagbar in puncto Gesamtkosten (Total Cost of Ownership = TCO). Langfristig, so die Prognose der Marktforscher, führe das zu einer Pattsituation - bei der Unix, Windows und Linux den Markt zu je einem Drittel besetzten.

Diesen Trend bestätigt auch der Walldorfer Branchenprimus SAP. "Kunden setzen Linux zunehmend als strategisches Betriebssystem auf Servern für SAP-Lösungen ein", konstatiert Torsten Geers, Leiter des Global Linux Office der SAP. SAP habe keine Präferenz bezüglich eines bestimmten Betriebssystems, zu beobachten sei aber, dass sich "die Anforderungen unserer Kunden Richtung Linux verschieben". Geers spricht von "Mainstream-Akzeptanz" seitens der Unternehmenskunden. Die steigende Nachfrage nach Linux gehe dabei vor allem auf Kosten der übrigen Unix-Plattformen.

Beeindruckendes Wachstum

Knapp 3000 Linux-Installationen verbucht der Walldorfer Softwarekonzern bereits. Noch beeindruckender sind die Wachstumszahlen: Seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Linux-basierenden SAP-Systeme kontinuierlich in jedem Jahr verdoppelt.

Die Hersteller haben auf die steigende Nachfrage durch die Kunden reagiert: Ob für kleine und mittlere Unternehmen oder Großkunden, ob in Form eines speziellen Branchenmoduls oder einer umfangreichen Anwendungssuite - die Bandbreite der angebotenen Software ist enorm (siehe Kasten "ERP- und CRM-Systeme unter Linux"). Fast jeder zweite ERP-Anbieter (123 von 266) hat eine Linux-Version im Portfolio, protokolliert die Isis-Software-Datenbank der Nomina GmbH, München. Insgesamt laufen 156 der dort gelisteten 350 ERP-Lösungen unter Linux.

Im Geschäft mit dem Kundenbeziehungs-Management fällt der Anteil Linux-fähiger Software etwas geringer aus: Knapp jeder dritte CRM-Anbieter stellt seine Lösung in einer Linux-Variante zur Verfügung. In absoluten Zahlen sind dies 30 Anbieter mit 34 Softwareprodukten (insgesamt: 96 Anbieter mit 112 Lösungen). "Linux hat sich auch bei den Anbietern etabliert", kommentiert Kersten Bassow, Geschäftsführer von Nomina, die Entwicklung.

SAP macht?s vor

SAP zum Beispiel bietet unter Linux seine Lösungen "Mysap ERP", "Mysap CRM" sowie die Komplettpakete "Mysap Business Suite" und "Business One" an. Die ersten drei verwenden die "Netweaver" als Abstraktionsschicht zur Datenbank und dem eingesetzten Betriebssystem. Im Unterschied dazu benötigt "Business One" die Netweaver-Plattform nicht zwingend. Das Paket ist speziell für kleinere Unternehmen gedacht und läuft eigenständig direkt auf Betriebssystem-Ebene.

Nicht alle Hersteller sind dem Linux-Trend ähnlich früh gefolgt. So befindet sich Peoplesofts weltweites Linux-Business noch im Aufbau. Im vierten Quartal 2004 stellte der Anbieter sein Komplettpaket "Peoplesoft Enterprise" erstmals unter Linux zur Verfügung. Ob die Anwendung weiterhin entwickelt wird, entscheidet Oracle.

Oracle zieht mit

Wie bei den Walldorfern ist Linux auch bei Oracle eine feste Größe. Sämtliche Oracle-Kernprodukte, darunter die Datenbank "10g" und die betriebswirtschaftliche Produktfamilie "Oracle E-Business Suite", laufen auf dem quelloffenen Betriebssystem. Mit dem Lösungspaket "Oracle E-Business Suite Special Edition" wendet sich der Softwarekonzern speziell an kleinere und mittlere Unternehmen.

Ein festes Standbein im ERP-Markt hat der Linux-Pionier Abas Software AG. 1995 installierte das Karlsruher Unternehmen erstmalig das hauseigene ERP-Paket (damaliger Name: "Abas-eks") auf Linux. Nach einer zögerlichen Nachfrage in den Jahren 1996 und 1997 mit jeweils unter zehn Linux-Installationen kam Ende der 90er Jahre der Durchbruch. Bis heute haben sich 1280 Unternehmen mit 32 000 Bildschirmarbeitsplätzen für die Allianz aus ERP und Linux entschieden.

Für mittelständische Unternehmen avancierte die Business-Software zu einer der gefragtesten Lösungen. Eigenen Angaben zufolge macht der Anteil der Linux-Installationen 80 Prozent des Gesamtgeschäftes von Abas aus; bei Neuinstallationen beläuft er sich gar auf 95 Prozent. 2005 sollen weitere 200 Neuinstallationen folgen.

Linux als dominierende Plattform im ERP/CRM-Business eines Herstellers ist allerdings eine absolute Ausnahme. Bei Bäurer ("b2") setzen aktuell zehn Prozent der Kunden auf Linux. Unter den Neuinstallationen beträgt der Anteil von Linux gegenüber anderen Betriebssystemen aber bereits 50 Prozent, Tendenz steigend.

Infor Global Solutions ("infor: com") meldet hingegen erst vereinzelt konkrete Anfragen nach Linux-Lösungen im ERP-Geschäft. Der US-amerikanische Softwarehersteller beziffert den Anteil der Neuinstallationen unter Linux auf derzeit vier Prozent (Windows: 95, andere: ein Prozent).

Linux-Varianten sind Pflicht

Wolfgang Grandjean, Leiter Marketing und PR der Ulmer Wilken GmbH bemerkt erstaunliches: "Unsere Kunden gehen wie selbstverständlich davon aus, dass ein ERP-System einen Linux-Server unterstützt. Könnte es dies nicht, fiele es bei der Auswahl glatt durch." Zwölf Prozent der - sämtlich plattformunabhängigen - ERP-Anwendungen liefert Wilken derzeit unter Linux aus. Mit "Openshop WWS" bietet das Ulmer Softwarehaus darüber hinaus eine Lösung an, deren Warenwirtschaftskomponente auf dem Open-Source-Projekt Compiere basiert. "Die herkömmlichen Gründe für Linux - ?einfacher, günstiger, sicherer? - sind bekannt", so Grandjean. "Wir glauben aber auch, dass die Kunden geradezu nach einem standardisierten Unix-Betriebssystem gieren." Seit Anfang 2005 sei das Open-Source-System die am weitesten verbreitete Unix-Plattform bei Neuinstallationen.

Vor allem der Mittelstand vertraut auf Linux und hält den Markt in Bewegung. So auch bei Siebel Systems. "Unsere Kunden interessieren sich immer häufiger für Linux-relevante Themen", bemerkt Stefan Sonntag, Channel Manager bei Siebel Systems Deutschland.

Aufgeschlossener Mittelstand

Während Großkunden die Unterstützung des Web-Servers durch Linux ins Auge fassten, fragten Mittelständler vor allem nach den Anwendungen für das Management von Kundenbeziehungen. Das allerdings bisher vergebens: Siebels CRM-Lösungen sind unter Linux noch nicht verfügbar. Das Unternehmen will abwarten und den Markt beobachten.

Im Rennen um die Gunst der Anwender von Business-Applikationen wird Linux immer öfter ins Spiel gebracht, sind sich die Softwareanbieter einig. Das Open-Source-System wird ernst genommen als preiswerte, offene und sichere Alternative für Unternehmen jeder Größe. "Linux wird sich zu einem führenden Betriebssystem für betriebswirtschaftliche Anwendungen entwickeln", glaubt daher Dieter Roskoni, Director Marketing der Peoplesoft GmbH Deutschland.

Die Linux-Anhängerschaft beschränkt sich dabei nicht auf den öffentlichen Bereich. Zwar registriert Roskoni viele Anfragen von Behörden nach Finanz- und CRM-Software unter Linux. Doch das Interesse von kleinen, mittleren und großen Firmenkunden, bei letzteren speziell auf Niederlassungsebene, sei gewachsen. Auch Oracle meint, dass insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen Linux-Lösungen im ERP- und CRM-Umfeld favorisieren.

Eindeutiger Trend

Der Grund: Mit Linux bietet sich gerade den nicht so großen Unternehmen die Chance, die unternehmensweiten Anwendungen auf kostengünstiger Hardware abzubilden und in eine neue Systemwelt einzusteigen. "Kunden wechseln ihr ERP-System nicht über Nacht, deshalb tritt ein Plattformwechsel mit Zeitverzögerung ein", glaubt Wilken-Manager Grandjean. Allerdings sei der Trend zu Linux gerade bei Neuinstallationen eindeutig. Die hohen Zuwachserwartungen bei Linux-basierenden betriebswirtschaftlichen Anwendungen überraschen keinen mehr. (ls)