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13.08.2004 - 

Open Source zieht sich durch die gesamte Unternehmens-IT

Linux gehört zum Pflichtprogramm

Den über 10 000 Besuchern der Linuxworld in San Francisco zeigten fast 200 Hersteller ihr Angebot, das sind rund 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Es geht nicht mehr um Linux in Nischen, Abteilungen oder einfachen Infrastrukturen", befand Pierre Fricke, ein Analyst von D.H. Brown. "Linux zieht sich durch die gesamte Unternehmens-IT."

Das offene Betriebssystem stützt sich auf ein breites Industriebündnis, wie sich augenfällig zeigte, als die Novell-Tochter Suse die Version 9 des Suse Linux Enterprise Server (SLES) präsentierte. Mehr als ein Dutzend Soft- und Hardwareanbieter unterstützen das System. SLES 9 ist die erste große Distribution für Server, die den Kernel 2.6 verwendet. Sie läuft auf bis zu 32 symmetrischen Prozessoren, das Dateigrößen-Limit von 2 Terabyte aus dem Kernel 2.4 ist aufgehoben. Die Performance ist gegenüber SLES 8 deutlich besser.

Suses Konkurrent Red Hat bringt ein vergleichbares Server-Linux mit Kernel 2.6 erst im nächsten Frühjahr. Das Unternehmen begab sich in San Francisco mit dem "Red Hat Application Server" in Konkurrenz zu IBM, Bea, Oracle und Jboss. Die Software basiert auf dem Open-Source-Application-Server "Jonas" (Java Open Application Server) von Objectweb. Diesem europäischen Konsortium ist nun auch der Open-Source-Datenbank-Spezialist MySQL beigetreten. Die Firma bietet ihren Kunden jetzt in Zusammenarbeit mit dem Managed-Service-Provider Rackspace auch Datenbank-Hosting an. Darüber hinaus läuft MySQL nun auf IBM-Rechnern mit Power-5-Prozessoren, also den Systemen "p5", "i5" und dem Blade "JS20".

Doch MySQL ist nicht die einzige Open-Source-Datenbank: Wie schon im Mai angekündigt, hat Computer Associates auf der Linuxworld den "Ingres"-Quellcode offen gelegt. Er steht unter der Lizenzform "CA Trusted Open Source Licence" (CA-TOSL), die verlangt, dass Codeänderungen wieder der Community freigegeben werden müssen. Gleichzeitig hat IBM der Apache Software Foundation mehr als eine halbe Million Zeilen Code der Java-Datenbank "Cloudscape", ursprünglich ein Produkt der Tochter Informix, übereignet. Unter dem Projektnamen "Derby" wird sie nun von der Vereinigung weiterentwickelt. Der Speicher- und Data-Management-Spezialist Veritas Software trat den Open Source Development Labs bei. Gleichzeitig kündigte er an, künftig nicht nur seine Web-orientierten Produkte auf Linux-Basis herausgeben zu wollen, sondern auch zentrale Entwicklungen wie "Storage Foundation" und den "Volume Replicator".

Für Aufmerksamkeit und Verwirrung gleichzeitig sorgte Sun: Chief Operating Officer Jonathan Schwartz nannte in seinem Web-Blog Novell als mögliches Ziel einer Übernahme durch sein Unternehmen. Dafür wurde er umgehend von Analysten abgekanzelt, die solche Äußerungen eher für ein Ablenkungsmanöver halten.

Die Neigung von Sun, seine Linux-Strategie zu vernebeln, kam auch in Produktmeldungen zum Ausdruck. Einerseits kündigte der Anbieter an, seine Thin-Client-Software "Sunray" laufe demnächst nicht nur mit Solaris, sondern auch mit den Linux-Versionen von Suse und Red Hat. Andererseits präsentierte man das Projekt "Janus", was zum Wechsel von Linux auf Solaris motivieren soll. Das Interoperabilitäts-Tool macht es nämlich möglich, Linux-Anwendungen ohne Anpassungen nativ unter Suns Unix-Variante zu betreiben.

Eindeutig ist hingegen die Haltung von Hewlett-Packard. 6500 Mitarbeiter zählt nach eigenen Angaben inzwischen das Linux Services Team des IT-Konzerns. Die gesamte "Integrity"-Server-Familie bis hinauf zum Highend-System "Superdome" ist jetzt Linux-fähig. Im Lowend zeigte das Unternehmen mit dem "t5515" das erste Modell einer Thin-Client-Serie, die mit dem quelloffenen System arbeitet. Hinzu kommt mit dem Rechner "nx5000" HPs erstes Linux-Notebook, das sich in drahtlosen Netzen einsetzen lässt und in zahlreichen Ausstattungsvarianten (ab rund 1200 Euro) auf den Markt gelangt.

Im Linux-Konzert der großen Player gingen Ankündigungen kleinerer Unternehmen fast unter. Hervorzuheben ist eine: Netline Internet Service aus Olpe stellt seinen "Open-Xchange Server", der den Kern von Suses Groupware "Openexchange Server" bildet, unter die General Public Licence. (ls)

Zu Linux gedrängt

Das Anwenderverhalten zwingt auch Microsoft-treue Hersteller zu Kehrtwendungen. Jüngstes Beispiel ist Unisys, dessen Server-Reihe "ES7000" bisher nur mit Windows lief. Zur Linuxworld brachte der Anbieter alle mit vier bis 32 CPUs bestückten Rechner im 32- und 64-Bit-Modus auf das quelloffene System. Offiziell ist von "steigender Nachfrage unserer Kunden" die Rede. Andere Quellen wollen wissen, Unisys-Kunden hätten sich geweigert, die ES7000 zu kaufen, wenn die Server nicht Linux unterstützten.