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12.09.2008

Linux-Gemeinde reagiert skeptisch auf Chrome

In der deutschen Open-Source-Szene stößt Googles Browser auf ein geteiltes Echo.

Die Open-Source-Community schwankt in Sachen Google Chrome zwischen Sorge und Begeisterung. So zumindest lassen sich Aussagen einiger Protagonisten interpretierten. Einerseits ist Google selbst einer der größten Linux-Nutzer und hat Chrome als quelloffenes System veröffentlicht. Andererseits sehen auch die Linux-Unterstützer die wachsende Marktmacht des Suchmaschinenkonzerns mit großer Skepsis.

"Google kann eines Tages durch eine zu starke Vormachtstellung die Vielfalt und die freie Entfaltung im Web behindern, quasi ein Online-Microsoft werden", kommentiert Peter Ganten, Chef des Bremer Open-Source-Softwarehauses Univention. Elmar Geese, Vorsitzender des Linux-Verbands LIVE, sieht eine andere Bedrohung: "Problematisch wird es eher, wenn die vergleichsweise wenigen Riesen einen großen Teil des Internet-Kuchens aufteilen. Wenn Google, Ebay und Amazon zusammengehen, dürfen wir uns richtig Sorgen machen."

Daten über das Nutzerverhalten bleiben das größte Problem

Das dominierende Thema im Zusammenhang mit Google bleibt indes auch in der Open-Source-Szene das gewaltige Wissen über die Web-Nutzer, das sich der Konzern bereits angeeignet hat. Mit Chrome weitet Google seine Bemühungen aus. "Das Misstrauen verstärkt sich, dass Google seinen schicken Browser als Trojanisches Pferd verwenden könnte, um noch komfortabler Daten über das Nutzerverhalten im Internet zu sammeln", erklärt Rafael Laguna, Chef des Softwareanbieters Open Exchange dazu.

Auf der Website des Linux-Verbands stellt der freie Journalist Ludger Schmitz zudem die Frage, ob nicht am Ende Mozilla Fire-fox Opfer eines "Kollateralschadens" im Machtkampf zwischen Google und Microsoft werden könnte. Der Suchmaschinenanbieter habe zwar artig den Hut gezogen und sich bei den Entwicklern von Firefox bedankt, so der Autor. Hinzu kam die Verlängerung des Kooperationsabkommens mit der Mozilla Foundation bis zum Jahr 2011. Damit bleibt Google der wichtigste Geldgeber für die Firefox-Basis Mozilla. "Eine Rechnung ist damit aufgegangen", schreibt der Linux-Prota-gonist: "Es ging kein Aufschrei der Empörung durch die Open-Source-Szene." Aber trotz alledem erwächst nicht nur Microsofts Internet Explorer, sondern gerade auch dem bislang stärksten Open-Source-Rivalen Firefox mit Chrome eine ernst zu nehmende Konkurrenz im Browser-Markt.