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16.01.2004 - 

Ein harter Kern aus fünf Millionen Zeilen Code

Linux-Kernel 2.6: Prozesse verbessert

MÜNCHEN (CW) - Von etlichen Eigenschaften des neuen Linux-Kernel 2.6.0 werden vor allem Anwender großer Server und Cluster sowie Notebook-Besitzer profitieren. Doch bis man ihn in Linux-Distributionen finden wird, dauert es noch etwas.

Für den Linux-Erfinder Linus Torvalds ist wieder ein Kapitel abgehakt. Mit der Freigabe des Kernel 2.6.0 beginnt für ihn die Arbeit an der Entwicklerversion 2.7. Um die künftigen Versionen des neuen Linux-Kerns kümmert sich - quasi als Entwicklungschef - ab sofort Andrew Norton. Torvalds will nur noch beratend dabei sein, bis einige noch bestehende Bugs ausgeräumt sind: "Wir arbeiten zusammen, aber Andrew ist der Boss."

Norton hat viel zu überblicken. Fünf Millionen Programmierzeilen umfasst der Kernel 2.6.0. Selbst komprimiert ist das Paket noch 32 MB groß. Gleichwohl könnte sich der Download von der Website www.kernel.org oder einer deutschen Mirror-Site für etliche Anwender lohnen. Allerdings sollten sie Erfahrung mit dem Kernel haben und seine neue Version aufgrund diverser Bugs eher zu Testzwecken verwenden.

Der Kernel zeichnet sich nicht so sehr durch neue Features aus, vielmehr hat die Entwicklergruppe Wert auf die Verbesserung diverser Eigenschaften gelegt und einige Prozesse neu implementiert. Vom Ergebnis dieser Arbeiten dürften insbesondere Anwender hochperformanter Systeme profitieren. Von einem aber haben alle was: Der komplett neu geschriebene Scheduler verwaltet die Prozesse deutlich eleganter als im alten Kernel, was sich in einem besseren Laufzeitverhalten von Applikationen niederschlägt. Eine feingradig abgestufte Priorisierung schafft fast Eigenschaften eines Echtzeitsystems. Durch Preemption lässt sich laufender Kernelcode sicher gesteuert abbrechen, um Prozesse neu zu ordnen. Spinlocks blockieren nur noch wenige Codeteile.

Für den Leistungshunger professioneller Anwender ist vorgesorgt. Der Kernel 2.6.0 unterstützt bis zu 32 symmetrische Prozessoren. Der TCP/IP-Stack zeigt auch unter hoher Last guten Datendurchsatz. Das Dateigrößen-Limit von 2 TB aus dem Kernel 2.4 ist aufgehoben. Ebenso entfällt die Begrenzung auf bisher maximal 256 Speichersysteme. Ein überarbeiteter Volume Manager macht es möglich, Speicher zu- und abzuschalten oder neu zu gruppieren. Das I/O-Subsystem ist deutlich schneller.

Von solchen Vorteilen werden Privatanwender nichts bemerken. Für sie ist es beispielsweise wichtiger, dass der Kernel jetzt USB 2.0 besser unterstützt und die Sound-Wiedergabe fließend ist. Vor allem jene, die Linux auf dem Notebook verwenden, werden vom neuen Kernel profitieren. Denn er unterstützt den Standard Advanced Configuration and Power Interface (ACPI) nicht nur wie bisher in puncto Zusammenspiel der Hardwarekomponenten. Nunmehr verfügt Linux auch über ein ausgefeiltes Power-Management, über das sich Systeme, die mit der Stromversorgung durch die Akkus geizen müssen, in verschiedene Schlafmodi schalten lassen.

Bis der neue Kernel in handelsübliche Distributionen eingeht, wird jedoch einige Zeit verstreichen. Die entsprechenden Anbieter verwenden vorerst nur ausgewählte Teile des Kerns. Red Hat hat angekündigt, einen 2.6-Kernel in Enterprise Linux 4 einbauen zu wollen, das erst 2005 auf den Markt kommen soll. Suse will eine Version des Kernel 2.6 in den Suse Linux Enterprise Server 9 integrieren, der im Sommer dieses Jahres erscheinen wird. (ls)