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10.12.2004

"Linux-Kunden müssen Patente nicht fürchten"

Red Hat will sich in Deutschland durchsetzen. Mit Paul Salazar, Marketing Director für Europa, sprach CW-Redakteur Wolfgang Herrmann.

CW: Microsoft-Chef Steve Ballmer hat kürzlich wieder einmal vor Linux gewarnt. Anwender könnten in Patentstreitigkeiten verwickelt werden. Wie ernst nehmen Sie solche Drohungen?

Salazar: Für uns und unsere Kunden ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken zu verstehen. Einerseits stellt sich die Frage, wie ernst Microsoft selbst diese Drohungen meint. Andererseits müssen wir natürlich darauf reagieren.

CW: Wie?

Salazar: Wir haben dazu unser Patent Promise formuliert. Es besagt erstens, dass wir grundsätzlich gegen Softwarepatente sind. Sie dienen nicht dem Softwareentwicklungsprozess. Zweitens aber erkennen wir die Existenz von Patenten an. Wir haben sogar selbst welche angemeldet. Damit wollen wir Technologien für Open Source sichern; das heißt, wir stellen sie der Community zur Verfügung. Zugleich dienen uns Patente auch als Verhandlungsmasse in etwaigen Rechtsstreitigkeiten.

CW: Wie können Ihre Kunden sicher sein, nicht in Patentstreitigkeiten verwickelt zu werden?

Salazar: Durch unser Open Source Assurance Program. Es garantiert Kunden, die einen Abonnementvertrag für unser Enterprise Linux abgeschlossen haben, dass wir im Fall von Patentrechtsstreitigkeiten eine Lösung finden. Beispielsweise könnte Red Hat das fragliche Patent kaufen. Ist das nicht möglich, würden wir den betreffenden Code aus der Linux-Distribution herauslösen und ersetzen.

CW: In den USA ist Red Hat der führende Linux-Distributor. Hierzulande treffen Sie mit Suse auf einen Platzhirsch, der nach der Übernahme durch Novell noch stärker geworden ist. Wie positionieren Sie sich gegen den Rivalen?

Salazar: Zunächst einmal freuen wir uns, dass die Kunden nun zwischen zwei starken Linux-Playern wählen können. Das ist gut für den Markt. Auch unsere Hard- und Softwarepartner begrüßen das. Aufgrund unserer weltweiten Abonnementzahlen und unserer Beobachtungen auf dem europäischen beziehungsweise deutschen Markt gehen wir übrigens davon aus, dass wir in Deutschland wenigstens genauso viel Umsatz machen wie Novell/Suse.

CW: Was unterscheidet Sie von Suse?

Salazar: Für uns ist Linux die wichtigste Technologie und das wichtigste Produkt. Hier investieren wir fast alle unsere Entwicklungsressourcen. Novell/Suse dagegen ist eine proprietäre Firma mit einer Linux-Strategie. Der Linux-Anteil am Gesamtumsatz ist marginal. Außerdem sehen wir uns im Open-Source-Bereich in einer Führungsposition, sowohl in technischer Hinsicht als auch bezüglich der Industriepartner, die unsere Plattform unterstützen.

CW: Welche Ziele hat sich Red Hat für den deutschen Markt gesteckt?

Salazar: Innerhalb der letzten zwölf Monate haben wir den Umsatz in Deutschland um 272 Prozent gesteigert.

CW: Diese Zahl dürfte sich aus einem relativ niedrigen Umsatz im Vorjahr errechnen.

Salazar: Das könnte man so sagen. Weltweit aber hat sich unser Umsatz immerhin verdoppelt. In Europa konnten wir viele Geschäfts- und Vertriebspartner hinzugewinnen. Genaue Umsatzzahlen oder -prognosen darf ich nicht nennen.

CW: Auf dem Desktop führt Linux bislang ein Nischendasein, in Deutschland liegt der Marktanteil bei drei Prozent. Wie beurteilen Sie die Perspektiven?

Salazar: Die Installationen werden zunehmen. Besonders in vertikalen Märkten sehen wir gute Wachstumschancen.

CW: Können Sie Beispiele nennen?

Salazar: Im Einzelhandel etwa hat sich Linux am Point of Sale bereits bewährt. Auch in der öffentlichen Verwaltung und im Finanzdienstleistungsmarkt gibt es Anwendungsbeispiele.

CW: Welche größeren Kunden haben Sie im Server-Markt gewonnen?

Salazar: Wir haben erst kürzlich einen Vertrag mit Gruner + Jahr geschlossen, ebenso mit Plus Finanzservice. Der IT-Dienstleister Rackspace wurde gerade mit über 6000 Red-Hat-Enterprise-Linux-Servern erster europäischer Advanced-Hosting-Partner. Auch Banken und Versicherungen in Deutschland gehören zu unseren wichtigsten Kunden. Hinzu kommen Unternehmen aus der Automobil- und der Transportbranche. Dazu zählt die Telekom.