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28.02.2003 - 

Messe-Rundgang: Betriebswirtschaftliche Lösungen für Open-Source-Server

Linux-Pakete entwachsen der Nische

HANNOVER (wh) - Betriebswirtschaftliche Softwarepakete sind in der Open-Source-Welt Mangelware, lautet ein verbreitetes Vorurteil. Ein Blick auf die verfügbaren Produkte zeigt, dass sich die Marktsituation zugunsten Linux-basierender Plattformen verändert hat.

Für die meisten betrieblichen Funktionen wie Buchhaltung, Warenwirtschaft oder Kundendatenverwaltung sind mittlerweile alternative Softwaresysteme auf Open-Source-Basis erhältlich, beobachtet Carlo Velten vom Kasseler Marktforschungsinstitut Techconsult. Allerdings mangele es vielen Produkten noch an der nötigen Marktpräsenz. "Vielfach fehlt den Softwareanbietern die kritische Größe, um ein aggressives Marketing zu betreiben und sich gegen die Topanbieter, die das Thema ebenfalls besetzt haben, zu profilieren", so Velten.

So haben Branchengrößen wie SAP ihre Lösungen auf Linux portiert, adressieren allerdings vornehmlich größere Unternehmen. Anders Sage KHK Software (Halle 5, Stand E48), das mit dem Softwarepaket "Sage Line 500" vor allem kleine und mittelständische Betriebe ins Visier nimmt. Das Produkt beinhaltet unter anderem Funktionen für Finanzen, Vertrieb, Produktion und Service. Eine Linux-Version offeriert der Hersteller aus Frankfurt am Main für IBMs Informix Dynamic Server auf Intel-basierenden Servern. IBM vermarktet die Programme auch als Teil eines integrierten Pakets aus Hardware und Software.

ERP und E-Business

Als "IT-Spezialist für den Mittelstand" positioniert sich auch das Karlsruher Softwarehaus Abas (Halle 5, Stand A18). Laut eigenen Angaben liefert der Hersteller seine ERP-Lösung bereits seit 1995 mit Linux als Server-Betriebssystem aus. Zum Programmpaket Abas Business Software gehören Module für ERP, PPS, Warenwirtschaft und E-Business. Besonders mittelgroße Betriebe könnten damit ihre Geschäftsprozesse verbessern, so das Versprechen, vom Ein- und Verkauf über Fertigung und Materialwirtschaft bis hin zum Rechnungswesen und Controlling. Mit "Abas-eB" steht zudem eine E-Business-Plattform zur Verfügung, die unternehmensübergreifende B-to-B- und B-to-C-Geschäftsprozesse wie E-Shop oder Auftragsverfolgung über das Internet unterstützen soll.

PPS- und ERP-Funktionen für die mittelständische Fertigungsindustrie zeigt Infor Business Solutions (Halle 5, Stand D48) mit seinem Produkt "Infor:COM". Integriert ist dabei ebenfalls eine E-Business-Komponente, die etwa den schrittweisen Einstieg in das Supply-Chain-Management ermögliche. Infor unterstützt neben Linux auch Windows-Server, Unix und das IBM-System OS/400. Als SQL-Datenbanken stehen Oracle, Microsoft SQL Server und IBM DB2 zur Auswahl.

Auf Fertigungs- und Handelsunternehmen hat sich Parity Software (Halle 7, Stand B27) spezialisiert. Die betriebswirtschaftliche Standardsoftware "Parity ERP" besteht aus einem Basissystem mit Grundfunktionen für Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung sowie optionalen Zusatzmodulen. Die datenbankbasierende Software fußt auf einem plattformübergreifenden Systemkonzept, so der Hersteller. Dadurch werde die Verfügbarkeit auf Microsoft-Systemen (NT, Windows 2000, XP) ebenso garantiert wie auf Linux.

Die Grenzen traditioneller ERP-Systeme durchbrechen will der fränkische Anbieter Pentaprise (Halle 6, Stand A52). Er positioniert seinen "Enterprise Solution Server" (ESS) als "ERP-II-System". Gemeint ist damit eine Lösung, die sowohl interne betriebliche Funktionen abdeckt als auch Prozesse mit externen Partnern wie Zulieferern oder Kunden steuern kann. ESS besteht aus der Java-Entwicklungsumgebung Jade, dem eigentlichen ERP-System und einer E-Business-Plattform.

Eine Komplettlösung für den Mittelstand zeigt auch Pro Alpha (Halle 3, Stand C17) mit dem gleichnamigen Softwarepaket. Neben klassischen PPS-Funktionen unterstützt das System die Unternehmensbereiche Warenwirtschaft, Finanzwesen, Kosten- und Leistungsrechnung sowie Personalwesen. Zum Lieferumfang gehört laut Hersteller eine Online-Integration aller gängigen CAD-Systeme, ein durchgängiges Dokumenten-Management und eine Workflow-Komponente.

Speziell auf Industriekunden zugeschnitten ist das integrierte ERP-Paket von CSB-System (Halle 5, Stand D04). Außer den Grundfunktionen stellt der Anbieter aus Geilenkirchen etwa ein Qualitätssicherungsmodul nach DIN/EN/ ISO 9000ff. zur Verfügung. Auch die Anbindung an PPS- und CIM-Systeme sei vorgesehen.

Eine Komplettlösung für den Groß- und Außenhandel bietet die Hamburger Ventas AG. Die gleichnamige Software ist für eine Multitier-Architektur konzipiert, bestehend aus Datenbank, Applikation und grafischer Oberfläche. Anwender können über verschiedene GUI-Clients (Graphical User Interface) oder via Browser auf die Programmodule zugreifen. Neben der Software offeriert Ventas Implementierungsdienstleistungen, Wartung, Support und Beratung. Zu sehen ist das System auf dem Stand der Suse Linux AG (Halle 3, Stand E45).

Ein Linux-basierendes Paket für die öffentliche Hand präsentiert die österreichische Firma Fabasoft (Halle 11, Stand A40). Dabei stehen Electronic Government und Verwaltungsmodernisierung im Vordergrund, so das Unternehmen. Die "eGov-Suite" eigne sich beispielsweise für die elektronische Papier- und Schriftgutverwaltung, elektronische Vorgangsbearbeitung für behördeninterne und -übergreifende Prozesse sowie als Content-Management-System für den Web-Auftritt.

Bedienung via HTML-Client

Das Programmpaket ist laut Hersteller vollständig Web-basiert; die Bedienoberfläche laufe auf handelsüblichen Browsern (HTML-Clients). Fabasoft hat dafür diverse Zertifizierungen erhalten, beispielsweise gemäß dem Domea-Konzept der Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung.

Neben den Angeboten kommerzieller Anbieter gibt es inzwischen auch frei verfügbare quelloffene Standardsoftware. Ein Beispiel ist das freie Softwareprojekt Compiere (www.compiere.org). Die gleichnamige ERP- und CRM-Software ist nach Angaben des Projektteams speziell für kleine und mittelgroße Handels- und Serviceunternehmen konzipiert. Noch in der Entwicklung befindet sich GNU Enterprise (www.gnuenterprise.org). Das Client-Server-basierende System soll im Gegensatz zu Compiere eher mit dem breitgefächerten ERP-Portfolio von SAP konkurrieren. Als reine Open-Source-Software stellten die Entwickler das Paket unter die GPL-Lizenz (General Public License).