Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.11.2006

Linux und Windows in einem Boot

Die beiden ungleichgewichtigen Kampfhähne Microsoft und Novell haben sich darauf geeinigt, künftig in Sachen Windows und Suse Linux zusammenzuarbeiten.

Von Wolfgang Leierseder

Wie Steven Ballmer, Microsofts CEO in San Francisco ankündigte, werde der Software-Riese künftig als Wiederverkäufer von Novells Open-Source-Betriebssystem "Suse Linux Enterprise Server" (SLES) agieren, des Weiteren mit Novell für die Interoperabilität der beiden Betriebssysteme sorgen. "Linux spielt eine bedeutende Rolle bei Unternehmen", gestand er zu. Um dem Rechnung zu tragen, haben Microsoft und Novell sich auf eine weitreichende Kooperation geeinigt: Sie betrifft sowohl technische Zusammenarbeit, gemeinsames Marketing als auch den Verzicht auf gegenseitige Patentklagen.

Das Abkommen, das zudem ein gemeinsames Entwicklerzentrum verspricht, könnte für Novells Bemühungen, dem Rivalen Red Hat Paroli bieten zu können, den Durchbruch bedeuten.

Novell-CEO Ron Hovsepian erklärte, das Abkommen entspreche dem Wunsch der Kunden, sowohl Windows als auch Linux in einer gemeinsamen virtuellen Serverumgebung laufen lassen zu können. "Wir haben uns den Kundenwünschen angenähert."

Die drei Schwerpunkte der technischen Zusammenarbeit definierten beide Unternehmen so: 1. Virtualisierung: Sie soll dafür sorgen, dass Suse und Windows als gegenseitige virtuelle Systeme auf einem Server zusammenarbeiten. 2. Web Services: Beide Firmen versprechen, ihre Serversysteme für SOA (Service-oriented architectures) und Web Services einzurichten. Das heißt, sie garantieren nicht nur die Interoperabilität ihrer Betriebssysteme, sondern auch die gemeinsame Verwaltung von Web-Services und die Zusammenarbeit der beiden Verzeichnisdienste Active Directory und Novell eDirectory bei SOA-Anforderungen. 3. Übereinstimmung der Dokumentformate: So soll es künftig Konverter zwischen Microsofts Open Office XML und dem Open-Document-Format (ODF) geben. Damit könnten unterschiedliche Office-Anwendungen problemlos Dokumente austauschen und in Datenbanken hinterlegen.

Reseller Microsoft

Der Schwerpunkt der Kooperation bei der Vermarktung von Suse Linux ist: Microsoft bezieht von Novell bis 2012 70.000 Berechtigungsscheine pro Jahr, um ein volles Jahr Suse-Support von Novell zu gewährleisten. Die Einschränkung, die Microsoft macht, lautet: Nur "gemeinsame Kunden, die daran interessiert sind, ein virtualisiertes Windows auf SLES oder einen virtualisierten SLES auf Windows zu betreiben", kommen in den Genuss dieser Unterstützung.

Umgekehrt verspricht Novell, Microsoft bis zumindest 2012 einen festen Prozentsatz seiner Open-Source-Einnahmen als Kommission zu zahlen.

Des Weiteren wird Microsoft aktiv die Vermarktung von Suse Linux betreiben. "Wir wollen unbedingt, dass Kunden, die Windows und Linux kombinieren wollen, die Suse-Produktlinie wählen", sagte Steve Ballmer. "Dahinter stellen wir unser Marketing."

Dazu versprach Microsoft, keine Patentklagen gegen Novells Linux-Kundschaft und gegen freie Linux-Entwickler anzustrengen.

Novell versprach seinerseits, keine Patentklagen gegen Windows-Kunden zu erheben. Beide Firmen besitzen eine Reihe von Patenten, die ihnen diese Klagen erlauben würde, und vor allem Microsoft hatte in der Vergangenheit damit gedroht.

Verletzt Novell "General Public License"?

Zu diesem Punkt war aus der Open-Source-Gemeinde Kritisches zu hören. Man frage sich, so der in den USA bekannte Linux-Anwalt Bruce Perens, wie Novell die grundlegende Software-Bestimmung für Linux, die GNU General Public License (GPL) garantieren könne, wenn es zugleich exklusiv an Microsoft Lizenzgebühren abführen werde. Perens befürchtet, dass Microsoft zwar nicht Suse Linux, dafür andere Linux-Distributionen mit Klagen attackieren könnte. Der Deal könnte in die Richtung gehen: "Wenn du nicht die von Microsoft lizenzierte Linux-Distribution von Suse kaufst, dann droht dir eine Patentklage."

Linus Torvald gab sich dagegen in einer kommentierenden E-Mail optimistisch: "Ich ziehe die Ansicht vor, dass nicht jeder ein Feind sein muss. Lasst uns abwarten, ob es gut läuft."