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26.05.2000 - 

Eine Vielzahl von Betriebssystemen bei IBM

"Linux wird das populärste Unix"

Mit Irving Wladawsky-Berger, Vice President Technology and Strategy von IBMs Enterprise System Group, sprach CW-Redakteurin Kriemhilde Klippstätter.

CW: Wie will IBM die schwachen Umsätze im Server-Geschäft steigern?

Wladawsky: Die Server-Verkäufe waren Ende 1999 ein bisschen niedriger wegen der Jahr-2000-Umstellung. Wir hoffen aber, dass das hinter uns liegt.

Wladawsky: Wir würden beispielsweise einem schnell wachsenden Startup-Unternehmen entweder zu einer Unix-basierten RS/6000-Maschine raten oder zu einem Intel-basierten Netfinity-Server, der Windows- und immer mehr Linux-Applikationen verarbeiten kann.

CW: Welches Betriebssystem empfehlen Sie diesem Kunden?

Wladawsky: Wenn Sie die maximale Skalierbarkeit anstreben, dann fällt die Wahl auf Unix.

CW: Das bedeutet AIX?

Wladawsky: Als ausgereiftes System. Aber seit kurzem kann das mit Linux ergänzt werden. Seit Anfang des Jahres hat IBM eine integrierte Unix-Strategie entwickelt, in der Linux für den unteren Leistungsbedarf, also für PC-Server, eingesetzt wird und AIX für besser skalierbare Unix-Rechner.

CW: IBM engagiert sich aber auch im Monterey-Projekt ...

Wladawsky: ... das ist AIX.

CW: Aber das soll doch für die 64-Bit-Intel-Rechner sein.

Wladawsky: Richtig. Für die meisten Kunden ist die Software entscheidend, nicht die Hardware. Linux entwickelt sich weltweit immer mehr zum populärsten Unix. AIX ist heute verfügbar auf der Power-PC-Architektur, und es wird auch auf der IA-64-Plattform verfügbar sein.

CW: Zusätzlich zu Monterey?

Wladawsky: Nein, Monterey ist AIX.

CW: Ist es nicht eine Kombination aus AIX und Unixware?

Wladawsky: Nein. Alle Verbesserungen, die wir gemacht haben, um AIX auf IA 64 laufen zu lassen, sind Verbesserungen von AIX auf der Power-Architektur. Es ist eine fast identische Codebasis, die entweder auf den Power- oder den zukünftigen Intel-Prozessoren abläuft.

CW: Für die IA-64-Plattform bieten Sie dann Monterey an, für den Risc-Chip Power PC dagegen AIX. Aber es gibt doch auch ein Linux für den Power PC.

Wladawsky: Ja, aber die Mehrheit der Linux-Programme läuft auf Intel-Rechnern.

CW: Die derzeit aber nur 32-Bit-Maschinen sind.

Wladawsky: Wenn IA 64 kommt, werden die Linux-Programme auch darauf laufen. In unseren Forschungslabors arbeiten wir daran, Linux-Applikationen voll kompatibel unter AIX ablaufen zu lassen.

CW: Auf welchen Rechnern?

Wladawsky: Auf allen. Nehmen wir an, jemand hat eine Linux-Anwendung auf einem Netfinity-PC-Server, dann soll sie unter Monterey auf Intel binärkompatibel ablaufen und quellcodekompatibel unter AIX auf der Power-PC-Plattform. Da müsste dann allerdings kompiliert werden, um sie von der Intel- auf die Risc-Maschine zu bringen. Wir streben die völlige Kompatibilität zwischen AIX beziehungsweise Monterey und Linux an. Das soll bis Ende dieses, Anfang nächsten Jahres passiert sein. Also: Linux für das untere Leistungsende, AIX und Monterey für die leistungsstärkeren Applikationen.

CW: Wieso Linux auf dem Großrechner?

Wladawsky: In Böblingen wurde die Technik entwickelt, Linux in einer logischen Partition innerhalb des S/390-Mainframes ablaufen zu lassen. Das ist notwendig für Anwendungen, die hauptsächlich in einem Frontend-Unix-System benutzt werden und ab und zu auf die Datenbank des Mainframes zugreifen müssen. Erfolgt dabei der Datentransfer über ein LAN, dann kann es zu Leistungseinbußen und Problemen mit der Verfügbarkeit kommen. Die Kunden wünschten sich die Möglichkeit, Frontend-Unix- oder Windows-Applikationen direkt auf dem Mainframe laufen zu lassen. Denn dann lässt sich auf die Datenbank des Großrechners mit viel größerer Bandbreite zugreifen, und der Datentransfer erfolgt viel schneller. Die Anwendung lässt sich ganz einfach vom Unix-System auf den Großrechner bringen, wo sie im Linux-LPAR abläuft. Von dort kann sie jetzt auf die Datenbank und die Transaktionen in OS/390 schnell zugreifen. LPAR-zu-LPAR-Kommunikation ist schneller und sicherer als über ein LAN.

CW: In der Vergangenheit konzentrierte sich IBM stark auf Java. Man hatte den Eindruck, dass Java für IBM eine Art Kitt ist, der alle Betriebssysteme, Applikationen und Plattformen des Hauses zusammenhält. Jetzt vermittelt IBM den Eindruck, dass Linux diese Rolle spielen soll.

Wladawsky: Beides ist richtig, allerdings auf verschiedenen Ebenen. In der Realität sieht es so aus, dass für das Erreichen von Konnektivität und Integration, die das Internet oder E-Commerce fordern, Standards gebraucht werden. Beispielsweise hat sich auf der Netzwerkebene TCP/IP als Standard etabliert. Für das Internet gibt es HTTP, das im Open-Source-Web-Server "Apache" integriert ist. Für den Informationsaustausch hat sich HTML als Standard herauskristallisiert. Und jetzt hat sich XML als die beste Art und Weise herausgestellt, um Inhalte so zu versenden, dass sie von Programmen interpretiert werden können. Java ist der Standard für Programme, für die Geschäftslogik. Ein Java-Programm kann auf jeder Plattform ablaufen, die über eine Java-Virtual Machine verfügt. Linux gibt uns den Standard für alle Dienste der Betriebssysteme wie Netzunterstützung, Plattenzugriffe, Prioritätssteuerung usw. Das ist ein Standard auf einer allgemeineren Ebene als Java.

CW: Wird IBM Linux auf anderen Rechnern als den Netfinity-Servern vorinstallieren?

Wladawsky: Derzeit nicht. CW: Wenn Intel die IA-64-Prozessoren liefert und das Monterey-Projekt abgeschlossen ist, dann hat IBM eine Fülle von Systemen mit unterschiedlichen Betriebssystemen: 32-Bit- Netfinity-Server mit Microsoft- und Linux-Betriebssystemen, 64-Bit-Netfinity-Rechner mit Linux, Monterey und Windows 2000, Linux-Mainframes...

Wladawsky: ... das gibt dem Kunden die größtmögliche Wahlfreiheit bei der Suche nach dem für ihn besten System.

CW: Dann gibt es ja noch das "Trillion"-Konzept, das ein Linux mit 64 Bit vorsieht. Also noch ein weiteres mögliches Betriebssystem für die Netfinity-Server.

Wladawsky: Ja, der Kunde wählt dann das System, das für seine Applikationen am besten geeignet ist.