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15.08.2003 - 

Große Hersteller setzen auf das Open-Source-Betriebssystem - Zielmarkt Mittelstand

Linux-World: Wachsende Unterstützung

SAN FRANCISCO (CW) - Immer mehr IT-Anbieter unterstützen Linux. Zunehmend konzentriert sich der Markt auf kleine und mittelständische Anwenderunternehmen sowie bessere Tools zur Administration der Server mit dem Open-Source-Betriebssystem.

Die US-amerikanische Linux-World Conference and Expo Anfang August in San Francisco wurde von Diskussionen über Red Hats Klage gegen SCO (siehe CW 32/03, Seite 5 und die Rubrik "Nachrichten" dieser Ausgabe) beherrscht. Doch an den Ständen der Aussteller und in den Keynote-Reden gab es durchaus interessante Entwicklungen zu entdecken, die dem nichtproprietären Betriebssystem zu weiterer Verbreitung in der IT von Unternehmen und Verwaltungen verhelfen dürften.

Agile Distributoren

Red Hat selbst kündigte an, eine komplette Infrastruktur von Open-Source-Tools und Services für die Entwicklung von Web-Applikationen zur Verfügung stellen zu wollen. Dazu ist der Distributor dem Middleware-Konsortium Object Web beigetreten. Red Hat will dessen Java Open Application Server (Jonas) mit dem Servlet-Container Tomcat von der Apache Software Foundation, deren Apache Web-Server und dem eigenen Betriebssystem zu einem Bundle verbinden. Damit könnte sich eine Open-Source-Konkurrenz zu Bea und IBMs Websphere abzeichnen.

Der zweite große Linux-Distributor, Suse, machte zum einen mit der Meldung auf sich aufmerksam, die "Common-Criteria"-Sicherheitszertifizierung "Evalua-tion Assurance Level 2+" (EAL) für das Betriebssystem Linux Enterprise Server auf IBMs Intel-basierenden Servern erhalten zu haben (siehe CW 32/03, Seite 8). Diese ist eine Vorbedingung zum Einsatz von Systemen in Regierungsbehörden und etlichen Unternehmen. IBM hat das teure Prüfverfahren finanziert und strebt nun den höheren Sicherheitslevel EAL 3 an.

Sun wird aktiver

Zum anderen hat Suse einen Kooperationsvertrag mit Sun abgeschlossen. Weltweit wird der Unix-Spezialist den Kunden seine x86-Server auch mit vorinstalliertem Betriebssystem Suse Linux Enterprise Server anbieten. Sun übernimmt den Support für das quelloffene Betriebssystem. Ähnliche "One-Shop-Support"-Verträge hat Suse mit IBM, Hewlett-Packard, Fujitsu-Siemens und SAP. Damit gewinnt der Nürnberger Distributor indirekt eine globale Präsenz.

Im Gegenzug wird Suse Lizenznehmer des Codes der "Java 2 Standard Edition" und verbreitet die Laufzeitumgebung "Java Virtual Machine" zusammen mit den eigenen Linux-Versionen. Das heißt aber nicht, dass Java quelloffen herauskäme. Darüber verhandeln Linux-Distributionen, allen voran Red Hat, und führende Köpfe der Open-Source-Community derzeit mit Sun, treffen aber auf wenig Entgegenkommen.

Genau drei Jahre ist die Ankündigung alt, jetzt hat Sun sie wahr gemacht: Mit der soeben erschienenen Unterversion 8/03 von Solaris 8 ist Gnome, Release 2, eine integrierte Benutzeroberfläche für dieses Unix-Derivat. Solaris-Anwender haben die Wahl, ob sie mit der Open-Source-Entwicklung oder Suns altem grafischen User Interface (GUI) "Common Desktop Environment" (CDE) arbeiten wollen. Bisher hat Sun Gnome nur auf einer Zusatz-CD geliefert und keine Gewährleistung für den Betrieb übernommen.

Zur Linux-World gab Sun seinen Beitritt zum Open Source Development Lab (OSDL) bekannt. In dieser Vereinigung führender IT-Anbieter, die Entwicklern Ressourcen bereitstellt und wichtige Projekte anstößt, will Sun sich vor allem in den Arbeitsgruppen für Data-Center- und Carrier-Grade-Linux engagieren. Gleichwohl bleibt Sun, so der Executive Vice President Software, Jonathan Schwartz, in seiner Keynote-Rede, bei der Ansicht, dass Linux sich am besten im unteren Leistungsbereich für Intel- und AMD-basierende Server eigne. Sparc-Server bleiben ein Solaris-Reservat.

IBM widerspricht natürlich dieser Einschränkung und präsentierte - das hat schon Tradition auf der Linux-World - neue Linux-Kunden, die das Open-Source-System für Business-Critical-Computing einsetzen. Interessanter aber ist, dass sich Big Blue zunehmend um kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) bemüht. So hat das Unternehmen in Beaverton, Oregon, ein "Linux Solution Express Center" gegründet, das typische KMU-Fertiglösungen entwickeln soll. Und im Servicebereich hat IBM inzwischen weltweit 3000 Open-Source-Spezialisten, zehnmal mehr als vor zwei Jahren.

Hinter solchen Zahlen will Hewlett-Packard nicht zurückstehen und kontert, mehr als 5000 Linux-Fachleute für Service und Support zu beschäftigen. Auf der Produktseite besteht HPs Beitrag zur Verbreitung von Linux vor allem in der Vereinfachung der Systemadministration. So gibt es das "Rapid Deployment Pack" für Proliant-Server einschließlich der Blades nun auch für Linux. Das aus einer Lösung von Altiris Inc. weiterentwickelte Tool macht es möglich, in Minuten Software-Stacks auf neue Server zu laden und schnell die Jobs zwischen mehreren Rechnern zu verschieben.

System-Tools in Massen

Eine "Openview Network Node Manager Starter Edition for Linux" überwacht in Echtzeit die Performance von Applikationen und bringt Administratoren Diagnosefunktionen. Auf Linux portiert hat Hewlett-Packard das HP-UX-Tool "Serviceguard" zur Verwaltung von Clustern mit bis zu 16 Nodes.

Die starke Ausweitung des Angebots von Administrationswerkzeugen für Linux-Umgebungen war einer der deutlichsten Trends auf der Linux-World. So haben Veritas die "Foundation Suite", Computer Associates die Backup-Software "Brightstor Arcserve" sowie BMC "Patrol Perform", "Patrol Predict" und den "Deployment Manager" auf Linux portiert. Candle kündigte an, seine Management-Angebote um Linux-fähige Produkte für 64-Bit-Umgebungen zu erweitern.

Neuer Supercomputer

Ein weiteres Highlight setzte Dell im Hochleistungs-Computing. Kurz nachdem IBM und Fujitsu von Aufträgen zum Bau von Linux-basierenden Supercomputer-Clustern der Spitzenklasse berichtet haben, zieht Dell nach. Das Unternehmen soll noch in diesem Jahr für das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) einen Rechner mit 1450 Servern bauen. Das Linux-Cluster soll eine Spitzenleistung von 17,7 Tflops bringen und wäre damit das drittschnellste System der Welt. (ls)