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06.02.2004 - 

Open Source Development Labs übernehmen richtungsweisende Vorarbeiten

Linuxworld: Revival auf den Desktops

MÜNCHEN (ls) - Jahrelang haben Open-Source-Aktivisten ebenso engagiert wie erfolglos versucht, eine Desktop-Alternative zu Windows am Markt zu etablieren. Jetzt bekommen sie Unterstützung im Kampf gegen Microsoft.

Novell hat die Debatte um Linux-Desktops wieder belebt. Erst übernahmen die Netzwerker mit Ximian ein auf Linux-Desktops und besonders die Benutzeroberfläche Gnome spezialisiertes Unternehmen. Dann kauften sie sich mit Suse den wichtigsten Förderer der alternativen Oberfläche KDE. Eine Prognose von Novell-Chef Jack Messman auf der letzten Linuxworld in New York fiel auf: Er erwarte, dass sich Linux in diesem Jahr auf Servern durchsetze. "Und wenig später werden Business-Anwender - nicht nur die technischen User - mit der Umstellung auf Linux-basierende Desktops beginnen."

Das Thema beherrschte plötzlich das New Yorker Treffen der Open-Source-Interessierten. Noch vor kurzem hätten das nur wenige erwartet. Als sich im Juni vergangenen Jahres ein Linux Desktop Consortium (LDC) formierte, empfahl ein Suse-Mitarbeiter noch, "das Thema lieber nicht so hoch zu hängen". Auf der ersten LDC-Konferenz im November 2003 sorgte der Linux-Evangelist Bruce Perens für eine erste Überraschung. Er kündigte für Mitte 2004 das Erscheinen eines PC-basierenden "User Linux" an, das auf der Distribution Debian aufbauen werde.

Das war schon ziemlich erstaunlich, denn etwa gleichzeitig gab Red Hat die an Einzelanwender gerichtete Desktop-Version seiner Distribution auf und überließ die weitere Entwicklung dem Open-Source-Projekt Fedora. Zur Begründung hieß es, die Variante sei unrentabel. Tatsächlich beklagt auch Suse hohe Vertriebskosten bei der Desktop-Distribution, hält aber an ihr aus strategischen Überlegungen fest.

Darauf sind auch andere gekommen. Der US-amerikanische Anbieter Lindows.com ist nicht gerade durch ein überzeugendes Angebot aufgefallen. Aber sein exzentrischer Chef Michael Robertson hat durch spektakuläre Marketing-Aktionen das Thema Linux-Desktop in den Schlagzeilen gehalten. Die Firma Xandros wird aktiver. Bisher hatte sie sich mit der 2001 von Corel übernommenen Linux-Distribution samt einigen Desktop-Anwendungen vor allem an Privatnutzer gerichtet. Seit der letzten Linuxworld offeriert sie auch einen KDE-basierenden "Xandros Business Desktop" zum Preis von 129 Dollar für geschäftliche Anwendungen.

Auch Sun scheint sich im Linux-Desktop-Geschäft einiges zu versprechen. In New York propagierte das Unternehmen - neben "Star Office" - sein "Java Desktop System" (JDS). Eigentlich handelt es sich dabei um Gnome, dem eine Java Virtual Machine beigepackt wurde und das in künftigen Versionen immer mehr Management-Tools erhalten soll. Derweil verfolgt Hewlett-Packard eher eine Thin-Client-Strategie. HP hat sich das Linux Terminal Server Project (LTSP) auf die Fahnen geschrieben.

Die Vorstöße sind nicht gern gesehen. Der eher schwachen Desktop-Community drohen Zersplitterung und proprietäre Ansätze. Derlei ist den Open Source Development Labs (OSDL) und insbesondere dem dort angestellten Linux-Vater Linus Torvalds ein Dorn im Auge. Wenn sie die Desktop-Varianten schon nicht verhindern können, so wollen sie ihnen wenigstens einen Rahmen der Interoperabilität geben. So ist bei den OSDL eine Desktop Linux Working Group entstanden, in der unter anderem HP, Novell und Suse, IBM, Red Hat sowie Intel vertreten sind. Die Gruppe will bis Mitte dieses Jahres erste Spezifikationen erarbeiten. Und zwar wird kein Desktop-Linux definiert, sondern es sollen Profile für sechs Desktop-Umgebungen entstehen: Einzelanwender, "Knowledge Workers", Client-Server-Setups, Point of Sale, Helpdesk- und Call-Center-Installationen.

Kommentar

Immer schön auf dem Teppich bleiben!

Seit der Linuxworld Mitte Januar in New York muss man wieder auf die Bremse treten. Wieder einmal füllt das Thema Linux-Desktop die Schlagzeilen. Nicht zum ersten und wohl nicht zum letzten Mal, denn so schnell wird es nichts mit einer ernsthaften Konkurrenz zu Microsofts Windows. Die tollen Zuwachsraten von Linux-Desktops beziehen sich auf ein sehr niedriges Niveau. Linux spielt nur am Rande eine Rolle, auf Augenhöhe mit Apples Mac-OS.

Doch das Thema ist wieder in - und zwar, wenn man genauer hinschaut, für Büroanwendungen mit eng definierten Standardaufgaben, für Help-Desks und Call Center. Gründe gibt es genug: Microsofts Lizenzpolitik lässt Unternehmen über Alternativen diskutieren. Die Linux-Benutzeroberflächen und die darauf basierenden Büroanwendungen wie der Browser Mozilla und die Pakete Star Office und Open Office haben die notwendige Qualität erreicht. Nicht zuletzt nährt Novells Eintritt ins Linux-Geschäft Hoffnungen auf eine starke Konkurrenz. Noch trauen sich nur Pilotanwender auf das neue Feld. Wenn sie gute Erfahrungen machen, werden die Karten neu verteilt. Bis dahin gilt es, Linux weiter zu standardisieren, seine Installation und Anwendung wirklich kinderleicht zu machen. (ls)