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07.04.2006

Linuxworld: Virtualisierung im Mittelpunkt

Außerdem dominieren Software-Stacks die Bostoner Kongressmesse.

Dass Virtualisierung ein heißes Thema auf der diesjährigen Linuxworld in Boston werden würde, war abzusehen. Es hatte Schlagzeilen gemacht, dass Novell-Suse und Red Hat Virtualisierungstechnik in ihre Linux-Distributionen integrieren werden. Sie arbeiten dazu mit Intel und AMD zusammen, deren Chips künftig ebenfalls Virtualisierung unterstützen werden. Und das Open-Source-Produkt Xen gilt als absehbarer Konkurrent gegen VMware.

"Linux ist fett geworden"

Auf der Kongressmesse Linuxworld hat Nicholas Negroponte (Foto) die Code-Aufblähung von Linux beklagt. Der frühere MIT-Forscher sitzt der Stiftung One Laptop Per Child vor, die für Entwicklungsländer einen Computer für 100 Dollar entwickelt. Das geplante Gerät - ein Prototyp wurde bereits präsentiert - soll Linux als Betriebssystem verwenden. Aber das ist wegen der minimalistischen Ausstattung des Rechners leichter gesagt als getan. "Die Leute denken nicht mehr an kleine, schnelle und dünne Systeme", warnte Negroponte in seinem Linuxworld-Vortrag. "Plötzlich ist das wie ein sehr dicker Mensch, der die meiste Energie darauf verwendet, das Fett zu bewegen. Und Linux macht da keine Ausnahme. Es ist auch fett geworden."

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www.computerwoche.de/go/

574369: Microsoft verschärft Kurs gegen Linux;

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569069: Bericht von der deutschen Linuxworld 2005.

Wer setzt Standards?

Doch nicht Xen, sondern die Alternative "Virtuozzo" von SWsoft sorgte für die Überraschung. Die Linux-Version des Produkts wurde in der Kategorie "Best Vir- tualization Solution" als beste Lösung ausgezeichnet. Aufgeschreckt von der zunehmenden Konkurrenz, reagierten die Anbieter proprietärer Lösungen.

Nachdem die EMC-Tochter VMware eine kostenlose Einstiegslösung ihres Virtualisierungsprodukts angekündigt hatte, konterte Microsoft: Der "Virtual Server 2005" kommt mit Release 2 kostenlos. Außerdem veröffentlichte Microsoft das eigene "Virtual Hard Disk Format" unter einer gebührenfreien Lizenz. VMware legte einen Tag später nach und sein "Virtual Machine Disk Format" offen, das den Aufbau virtueller Maschinen definiert. Es ist nun kostenlos. Der Kampf um Standards ist entbrannt.

Somit war reichlich Gespächsstoff vorhanden, aber davon ließen sich andere "Big Names" der Linux-Szene nicht die Butter vom Brot nehmen. IBM machte den Auftakt. Gemeinsam mit Novell stellte das Unternehmen ein Paket an Basissoftware vor, das vorkonfiguriert mit den 32- und 64-Bit-Rechern der xSeries von dem international tätigen IT-Reseller Avnet vertrieben wird. Es richtet sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen.

Die als "Integrated Stack for Linux" bezeichnete Offerte umfasst als Betriebssystem den "Suse Linux Enterprise Server" in Version 9, die Community Edition des Websphere Application Server (WAS CE 1.1) sowie die kürzlich kostenfrei gestellte DB2-Variante Express-C. Bei WAS CE handelt es sich um den quelloffenen Applikations-Server "Geronimo", den IBM im vergangenen Jahr zusammen mit Gluecode übernommen und kräftig überarbeitet hat. Novell trimmt die mit dem Betriebssystem gebündelte Konfigurationssoftware "Yast" auf die IBM-Komponenten, so dass sich diese leichter installieren und verwalten lassen.

Angebot für kleinere Firmen

Die Aufgabe von Avnet ist es, die Rechner mit dem Softwarepaket auszustatten. Auf Kundenwunsch erweitert der Händler den Stack um das Management-Tool "Likewise" der Firma Centeris. Dies kommt Windows-Anwendern entgegen, denn Likewise erlaubt es in solchen Umgebungen, Linux-Server in das Active Directory einzubinden und von Windows aus zu administrieren. IBM selbst bietet seinen Partnern den Integrated Linux Stack kostenlos auf DVD an. Eine Variante des Stacks läuft unter der Bezeichnung "Integrated File and Print for Linux" und richtet sich an jene Unternehmen, die in ihrem Windows-Netz Linux-Server nur für Druck- und Dateidienste verwenden wollen.

"Wir haben die Erfahrung gemacht", berichtet IBMs weltweiter Chef für Linux- und Open-Source-Software Scott Handy, "dass kleine und mittelgroße Firmen für die eine oder andere Aufgabe gerne Linux-Server einführen wollen, eine weit reichende Migration ihrer Windows-Server auf Linux aber erst zu einem späteren Zeitpunkt erwägen."

Auch Hewlett-Packard geht in Richtung kompletter Linux-Lösungen, die sich mit Windows- und HP-UX-Umgebungen gemeinsam betreiben lassen. Der Oberbegriff heißt "Open Source Integrated Portfolio" (Osip), in dessen Rahmen es neue "Open Source Middleware Stacks" (OSMS) gibt. Darunter sind "Open Source Building Blocks", die den "Application Server" und die "Enterprise Middleware Suite" von Jboss und "Connexitor Directory Services", die OpenLDAP-Distribution von Symas Corp., umfassen. Darüber hinaus offeriert HP "Open Source Blueprints" mit Beispielen von Workload-spezifischen Lösungen auf Linux-Basis. Außerdem hat der Anbieter insgesamt 6500 Mitarbeiter umfassende Open-Source-Beratungsteams gebildet.

Red Hat ist an einer anderen Flanke der Linux-Offensive aktiv. Zusammen mit Intel hat der Linux-Distributor ein neues Programm aus der Taufe gehoben, das es Softwarehäusern und Anwenderunternehmen erleichtern soll, ihre Applikationen an Linux anzupassen. An weltweit 17 Red-Hat-Standorten, darunter auch München, entstehen im Rahmen des Solution Acceleration Program neue Linux-Zentren. Wer Programme auf Linux bringen will, kann online auf die Kapazitäten der Zentren zugreifen, dort seine Applikationen testen und gegebenenfalls Unterstützung erhalten.

Migrationsoffensive

Zur Ausstattung der Zentren gehören Server mit Intels Itanium- und Xeon-Prozessoren, Desktops mit dem Pentium 4 und Notebooks mit Centrino-Mobiltechnik sowie Intel-basierende Speichersysteme. Softwareseitig gibt es Red Hat Linux und vom Distributor zertifizierte Open-Source-Software-Stacks. Lösungs- und Servicespezialisten von Intel und Red Hat stehen bereit.

Das Angebot der Zentren ist sehr breit gestreut. Es beginnt mit Schulungen, Erfahrungsberichten von Projekten und Referenzlösungen. Die Zentren unterstützen "Proof-of-concept"-Projekte und stellen zertifizierte Lösungspakete aus Soft- und Hardware zur Verfügung. In diesen Umgebungen können Interessenten ihre Applikationen portieren und testen. Komplette Lösungspakete werden zusammengestellt, die auf den Vertrieb durch den Channel und auf bestimmte vertikale Märkte zugeschnitten sind. Außerdem sollen in den Zentren Pilotprojekte zum Einsatz der Virtualisierungstechnik Intels und des Xen Hypervisor laufen. Die Nutzung der Migrationshilfen ist kostenlos.

Oracle beruhigt MySQL

An einem Punkt, über den es in der Open-Source-Welt in letzter Zeit Verunsicherungen gab, hat sich die Lage beruhigt: MySQL hat zu nicht genannten finanziellen Konditionen mit Oracle einen Vertrag geschlossen, wonach das schwedische Unternehmen die Datenbank-Engine "InnoDB" langfristig als Grundlage von MySQL verwenden darf. InnoDB war mit der Übernahme des finnischen Unternehmens Innobase in Oracle-Besitz gekommen. Daraufhin kursierten Befürchtungen, der Datenbankriese könnte dem Open-Source-Konkurrenten die Luft abdrehen. MySQL hat darüber hinaus in Boston angekündigt, man werde in Kürze eine neue Transaktions-Engine vorstellen. (ls)