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09.01.1976 - 

Anwenderbericht: Werner Schulze, Nahrungs- und Genußmittel, Kiel

Listen sind gut - Terminals wären besser

Wohl alle EDV-Anwender in Handelsunternehmen arbeiten mit Lagerbewirtschaftsmodellen, die eine Mischung zwischen höherer Mathematik und Praxisanforderungen darstellen. Hierfür sind erhebliche Aufwendungen bei Datenspeicherung und Pflege der Dateien nötig, denn die Qualität der Vorhersage ist primär von der Güte der vorhandenen Daten abhängig. Handelt es sich um Artikel, die einen relativ gleichbleibenden Nachfrageverlauf oder eine Nachfrage mit auf- oder abwärts gerichteten Trend (...)en, so ist die Bedarfsvorhersage, qualitativ gut. Bei Saisonartikel oder auch bei stark wetterabhängigen Artikeln (beispielsweise Erfrischungsgetränke) ist die Vorhersage zu ungenau. Völlig unmöglich ist eine Prognose bei den neuen Artikeln. Sonderangebote führen selbst dann noch zu ungenauen Angaben, wenn man die Mengen prozentual zu berichtigen versucht. In unserem Falle kommt noch hinzu, daß wir unsere Waren über mehrere, verschiedenartige Vertriebswege verkaufen, die unterschiedlicher Absatzpolitik huldigen.

Psychologische Barriere

Bisher waren unsere vom Computer ausgedruckten Dispositionslisten so aufgebaut, daß die Einkäufer aus den angeführten Daten den Dispositionsvorschlag nicht selbst errechnen bzw. nachrechnen konnten. Wir hatten hier eine psychologische Barriere aufge(...). Die Disponenten fühlten sie der Maschine ausgeliefert, waren mit dem Bestellvorschlag nicht immer einverstanden und gaben abweichende Bestellungen auf - obwohl sich bei einer Nachkontrolle häufiger herausstellte, daß der maschinelle Vorschlag der bessere war.

Alle Mathematik weggelassen

In Zusammenarbeit mit unserer Einkaufsleitung erarbeiteten wir ein anderes Konzept unter Wegfall aller Bisherigen mathematischen Rechenmodelle. Dieses für uns neue Verfahren hat zudem den Vorteil, daß

die Dateien weniger Speicherplatz benötigen und zudem auch den Zwecken des Vertriebes angepaßt sind.

Zweimal wöchentlich eine Liste

Zweimal in der Woche stellen wir unseren Disponenten die abgebildete Liste zur Verfügung. Sie ist sortiert nach Einkaufsbereich, ban-Hauptgruppe (Artikel-Numerierung) und Lieferant und je Artikel aufgeteilt in drei Blöcke:

- Links sind die Lagerausgangsmengen der letzten zehn Wochen aufgeführt, wobei die aktuelle Woche evtl. eine noch nicht volle Woche beinhaltet.

- Der Mittelteil enthält Lagerdaten wie Platz-Nummer, Bestand, Wareneingangsmenge und -datum sowie den Mindestbestand, eine vom Disponenten über den Artikelstammdatenänderungsdienst frei gestaltbare Position, auf die er auch - wie im Beispiel - verzichten kann.

- Rechts stehen die Artikelstammdaten die der Disponent für seine Arbeit benötigt.

Aus den zehn Wochenabgangswerten ersieht der Disponent auf einen Blick, wie der Artikel läuft, auch Sonderangebote fallen sofort auf. Da zudem auch heute noch der Mensch in der Kombinationsmöglichkeit einer Maschine überlegen ist - und auch hoffentlich überlegen bleibt -, kann der Einkäufer auch wichtige Einflußgrößen, die nicht in konkrete Daten faßbar sind, mit für seine Bestellung berücksichtigen.

Wir können - nur sechs Monate nach Einführung dieses Dispositionsverfahrens - schon folgendes Fazit ziehen:

- Die Disponenten sind mit dem neuen Verfahren sehr zufrieden. Ihre Arbeit wurde wieder aufgewertet.

- Die Einkaufsleitung ist ebenfalls zufrieden. Der Lagerbestand wurde um über 20% gesenkt; die Lieferbereitschaft hat sich wesentlich verbessert (es gibt kaum noch Fehlartikel); ein höherer Lagerumschlag wurde erreicht.

- Uns vom Rechenzentrum macht es einfach mal Spaß, wenn man feststellen kann, daß Menschen auch mit Freude mit EDV-Ausdrucken arbeiten.

Selbstverständlich sind unter diesen Umständen die Firmenleitung und der Finanzchef zufrieden, aber auch der Vertrieb, der sich nicht mehr so häufig über Fehlartikel ärgern muß.

Die Vorteile eines Bildschirmes

Wir überlegen zur Zeit, ob wir nicht Bildschirmarbeitsplätze installieren sollen, von denen wir uns folgende zusätzlichen Vorteile versprechen: Die Daten werden noch aktueller, der Disponent kann die Bestellung auch selbst erfassen (heute wird der Auftrag von Schreibkräften geschrieben), die Bestellungen wären sofort dem Wareneingang bekannt, denn oft genug kommt es heute vor, daß die Ware angeliefert wird, bevor der Wareneingangsschein (Kopie des Auftrages) im Wareneingangsbüro ankommt.

Langsamdreher schnell erkannt

Mit den vorhandenen Daten können wir sowohl Langsamdreher als auch Ladenhüter leichter als früher feststellen. Im übrigen haben wir auch die selben Daten von den vielen Streckenlieferungen (bis zu 60% der Wareneingänge in unserer Supermarktkette WESKA), so daß wir den gleichen Überblick wie über unser Zentrallager auch über jeden Streckenlieferanten haben können.

Noch einige technische Daten über die Anwendung:

Gesamtprogrammieraufwand: Etwa sechs Mannmonate. Zeitbedarf für einen Lauf: Rund eine Stunde bei ungefähr 6000 Artikeln Speicherbedarf (außer dem schon vorhandenen Artikel- und Lieferantensatz) für die Lagerausgangsdaten bzw. Wareneingangsdaten der Filialen: Rund 330 Bytes je Artikel.