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20.01.1978

Litanei im Hauptwaschgang

Am Beispiel einer überdimensionierten Waschmaschine entwickelt Heinzgünther Klaus, "PR-Referent in einer großen EDV-Vertriebsgesellschaft", wie hart und schmerzlich ein wirtschaftlich denkender Zeitgenosse vom Kostensog einer unverschuldeten Investition gebeutelt werden kann. Klaus' Waschküchenerfahrung ist als Leseprobe seiner satirisch-heiteren Sammlung "Strichweise Computer mit Aufheiterungen" entnommen. Erschienen bei Basten international (Aachen), 28 Mark.

"Oh, hätte ein ajaxweißer Wirbelwind mir die Kontaktschalen verblasen, daß ich des maximalen Monstrums von Waschmaschine nicht ansichtig geworden wäre, die mir der schnöde Mißbrauch deiner Schlüsselgewalt in den dreifach getünchten Vorkeller gestellt hat! Weib! Hausfrau! Zur Hüterin der Zugewinngemeinschaft wurdest du erkoren. Als Vergeuderin meiner Überstunden hast du dich entpuppt! Einem pickeligen 11-Uhr-Jüngling von Berater bist du auf den listigen Leim gekrochen, hast ihm die hochwertige Ganzaluminiumtür unseres Eigenheims lüstern geöffnet und in maßloser Verkennung unserer Vermögensverhältnisse einen Fünfjahres-Mietvertrag abgeschlossen: über ein rolls-royce-teures Schwabbelsystem mit hundert Programmen und tausend Befehlen, das wir nie und nimmer nutzen können.

Unmut über den Verkäufer

Unselige Tat einer Verschwendungssüchtigen! Trickreiche Invasion eines lukrativen Beschwätzers waschwütiger Weiber! Ich wünsche ihm Ameisen ans Gesäß und so kurze Arme, daß er sich nicht kratzen kann! Beim unbefleckten Tischtuch des heiligen Abendmahls: Was soll dieser verchromte Alptraum, diese höllische Hardware entfesselter Persil-Vorstellungen in unseren unzureichenden vier Wänden? Woher nimmt und wie produziert ein Zweipersonen- Haushalt tonnenweise den textilen Schmuddelkram, den die edelstählerne Waschtrommel faßt? Vorwäsche, Einweichprogramm, Schonprogramm, Thermo-Exakt-Steuerung, Laugentemperaturkontrolle - bist du dir klar, was das bedeutet? (du bist es nicht.) Das bedeutet Systemschulung für dich und Frau Weber, deine breithüftige Tagesputzhilfe, die wir ausbilden lassen müssen, bei vollem Gehalt, worauf sie sich Senior Operator betiteln wird, die Verdoppelung ihrer Bezüge verlangt, zwei zusätzliche Hilfskräfte anfordert (weil sie die Doppelkammer- Waschmittelspülung und den virtuellen Flusenfilter alleine nicht schafft) und dann wöchentlich ihren Tarifvertrag kündigt.

Zusatzbelastung ist absehbar

Das bedeutet auch - SYSTEMS steh' uns bei! - die ungebündelte Software für sämtliche vermaledeiten Spül-, Rubbel-, Schrubb- und Trockenroutinen. Oder glaubst du vielleicht, törichtes Opfer zielgruppennaher Marketingstrategien, daß uns der Hersteller das hurtige Omo, das tiefenwirksame Dash und das wasserschonende COBOL in den nächsten Jahrzehnten gratis vor die Waschküche karrt? Mitnichten! Das muß geblecht und hingeblättert werden, denn du willst dir ja nicht die Seifenflocken selbst raspeln wie weiland Bismarcks Witwe im Sachsenwald.

Ha! Und die Wartung! Hast du dem Vertrag einen service-relevanten Blick geschenkt? Was wird mit unseren steckerkompatiblen Zentrifugen an der Peripherie dieser inflationären Planschmaschine? Wird dein Aufdringling von heute morgen die Wartung jener Fremdgeräte übernehmen, ohne daß ich vorweg beim Kartellamt einen Prozeß gegen ihn anstrenge, ihm einen Benutzerverein auf den Hals hetze?

Das Problem der Pflegewartung

Ach du heiliges Kanonenrohr von Sindelfingen! Wenn ich jetzt noch einen Techniker anheuern muß, um die vorexistente korrosionsgesicherte Schleuder (mit dem unsichtbar in die Bedienungsblende versenkten Zuleitungskabel) zu pflegen und periodisch zu inspizieren - gegen diese Kostenexplosion wird sich jede Benzinpreiserhöhung wie ein pompöses Werbegeschenk der Mineralölgesellschaften ausnehmen! Und erst die Installation: Ich meine die baulichen Veränderungen im selbstverputzten Souterrain dieses vom harten Geld meiner Schwarzarbeit so fintenreich finanzierten Anwesens. Vergegenwärtige dir die kolossale Klimatisierung der unterirdischen Heißmangelei! Die Entdampfungskanäle, Notstromaggregate, den massiven Monitor zur Überwachung der automatischen Knopfzählvorrichtung mit Zwischensummenspeicher, das Taschentuch-Schieberegister...

O du unglückselige Ignorantin wirtschaftlicher Quasi-Stagnation! Warum mußtest du die tausendfach bewährte 14108 retournieren, die uns die vielen Jahre so qualitätstreu gedient hat und deren sonntägliche Entrostung mir seit dem Notverkauf unseres hinfort ohnehin untragbaren Automobils zum liebsten Hobby geriet? War dir das solide Sparmodell, das meine Großmutter Anno 45 aus den Trümmern des zerbombten Frankfurter Goethemuseums barg, nicht mehr gut genug? Wähntest du durch überstürzte Anmietung des multidimensionalen Protz-Prozessors einen Prestigegewinn zu erscheffeln, um den Imagedefekt infolge unserer Entmotorisierung auszubügeln? Du einfältiges Küchengemüt! Nun stehen wir voll auf dem Abluftschlauch deiner konsumwilden Extravaganz. Drei Cadillacs - vollgetankt! - mit schrägliegenden Kardanwellen und Überfallstromwergaser kämen uns summa summarum billiger als die kellerfüllende Orgie des elektronisch gesteuerten Sockenreinigers.