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Der Weg zum Lösungsanbieter bleibt steinig

Lob und Kritik für Suns Softwarepläne

26.09.2003
MÜNCHEN (CW) - Mit dem neuen Lizenzmodell für seine Java-Softwarepakete meldet sich Sun Microsystems nach langer Durststrecke im Markt zurück. In das Lob vieler Analysten und Marktbeobachter mischen sich jedoch auch kritische Stimmen. Angesichts zahlreicher fehlgeschlagener Initiativen der Vergangenheit bleiben Zweifel, ob es der Server-Company gelingt, die Metamorphose zum Lösungsanbieter zu bewältigen.

"Das ist eine historische Ankündigung für die Industrie." Mit diesen Worten läutete Suns Softwarechef Jonathan Schwartz anlässlich der Vorstellung der neuen vorkonfigurierten Softwarepakete eine neue Ära ein (siehe CW 38/03, Seite 1). Mit dem Java Enterprise System (JES) schnürt die Company von Scott NcNealy ein Bündel mit Infrastruktursoftware für ihre Server-Welt. Das Java Desktop System (JDS), das die Übermacht des Erzfeindes Microsoft im Desktop-Segment brechen soll, umfasst ein Linux-Betriebssystem, den Mozilla-Browser, einen Mail-Client sowie das Star-Office-Büropaket.

Neu ist das Pricing-Modell. Sun rechnet nach Kundenmitarbeitern ab. So kostet JES pro Person 100 Dollar. JDS schlägt mit weiteren 50 Dollar zu Buche. Diese Kampfpreise werden eine Schockwelle in der Branche auslösen, glaubt Ted Schadler, Analyst von Forrester. Suns Botschaft sei unmissverständlich: Wettbeweber wie IBM oder Microsoft verlangten viel zu viel für ihre Software.

Damit stellt sich jedoch zwangsläufig die Frage, wie Sun mit seiner Softwarestrategie Geld verdienen will. In diesem Segment agierte die Company in der Vergangenheit eher unglücklich. Versuche, mit Jini oder Jiro eine Brücke zwischen Hardware und Software zu bauen, schlugen fehl. Von beiden Kampagnen spricht heute keiner mehr. Auch mit der Sun-eigenen Java-Technik sei es nie gelungen, neue Einnahmequellen zu erschließen, kritisieren Alan Perez-Sharpe und Neil Macehiter von Ovum.

Das soll sich jetzt ändern. Allerdings scheint das Modell noch längst nicht in trockenen Tüchern. So gibt es beispielsweise unterschiedliche Informationen darüber, wie mit Großunternehmen abgerechnet werden soll. Aus den USA verlautete, es würden maximal 120000 Mitarbeiter berechnet. Der deutsche Marketing-Chef Martin Häring spricht dagegen von Legal Entitys als Berechnungsgrundlage. Dabei würden alle Mitarbeiter von Firmen-Divisions, die zu einer separaten Bilanzlegung verpflichtet seien, für die Bestimmung der Lizenzkosten gezählt. Unklar ist bislang auch die Preisfindung für Behörden.

Auch die notwendigen Partner für seine Softwareinitiative kann Sun bislang nicht präsentieren. Da die Company mit ihren Paketen Services und Support anbietet, muss ein möglichst weltweit agierender Dienstleister gewonnen werden, der diese Aufgaben übernehmen kann. Darüber werde momentan verhandelt, sagt Häring. Das dürfte angesichts der Kampfpreise und der daraus resultierenden knappen Margen nicht einfach sein. Auch für sein Desktop-System hat Sun bislang keinen PC-Hersteller gefunden, der das Paket im Bundle anbietet. Hier besteht die Gefahr, dass wohl die meisten Anbieter einen Konflikt mit Microsoft scheuen und deshalb auf die Sun-Offerte nicht eingehen.

Manche Beobachter meinen, Sun habe seine Kampagne überhastet gestartet. Ursache dafür könnte der Druck sein, der auf der Company lastet. Seit Jahren gehen die Umsätze kontinuierlich zurück. Vor allem das angestammte Geschäft mit Highend-Unix-Servern lahmt. Dem versucht Sun mit Sparmaßnahmen zu begegnen. So kündigten Verantwortliche an, weitere 1000 Stellen abzubauen. Danach wäre die Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren von rund 43000 auf 35000 geschrumpft.

Firmenchef Scott McNealy will sich davon nicht bange machen lassen. Er predigt weiter das hohe Lied der Technik, verspricht große Aufwendungen für die Forschung und schwärmt von der nächsten Generation der Sparc-Chips sowie den Möglichkeiten des Throughput-Computings. Zum notwendigen Wandel in Richtung Lösungsanbieter will das allerdings nicht so recht passen. So steht McNealy auch zusehends allein mit seiner Vision eines technikzentrierten Unternehmens. Die alten Mitstreiter wie Ed Zander oder Bill Joy haben das Schiff mittlerweile verlassen. Von den Granden des goldenen Sun-Zeitalters ist nur noch der Firmenchef übrig. Analysten empfehlen mittlerweile offen, McNealy solle seine Vendettas mit Microsoft, IBM oder Dell beenden und den CEO-Posten räumen. Wie die Beispiele von IBM und Hewlett-Packard bewiesen haben, wäre dies das Beste für Sun, argumentiert Nick Gall von der Meta Group.

Die nachrückende Generation der Sun-Manager drängt derweil auf Veränderung. Zeichen dafür ist beispielsweise die Rollenverteilung auf der jüngsten Network World. Zwar eröffnete McNealy in gewohnter Manier die Konferenz, die Vorstellung des neuen Modells übernahm jedoch Softwarechef Schwartz. Der Altmeister sollte lediglich die Neugier des Publikums anstacheln.

Sun hat mit seiner Softwarekampagne die erste Karte ausgespielt. Nun bleibt abzuwarten, welche Trümpfe die Konkurrenz zieht und ob die Kunden bereit sein werden, das Spiel mitzuspielen. (ba)