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22.02.2007

Löchrige Roadmap für Windows und Suse Linux

Komplette Interoperabilität der beiden Betriebssysteme Windows und Suse ist das Ziel der Allianz von Microsoft und Novell. Der Fahrplan zeigt vier schwer wiegende Themen - und einige Löcher.

Von Wolfgang Leierseder

Seit dem 3. November 2006 sitzen Microsoft und Novell in einem Boot, und beide erachten das als eine wegweisende und für Kunden grundlegende Entscheidung. "Ein Vertreter kommerzieller Software arbeitet mit einem Open-Source-Anbieter rechtssicher zusammen - das ist im IT-Umfeld absolut neu", lobte Andreas Hartl, Leiter Plattformstrategie bei Microsoft Deutschland, diesen Aspekt der neuen Allianz. Und er kündigte an, Microsoft sei bereit, "Teile des Windows-Codes zur Verfügung zu stellen". Das ist bei Kooperationen unvermeidlich.

Dennoch sagt dieser Satz wenig aus. Nur so viel: Microsoft wird weiterhin Code geheimhalten, und es wird dem Gutdünken des Redmonder Software-Riesen vorbehalten bleiben, an welche Schnittstellen IT-Anbieter andocken beziehungsweise welche DRM-kompatible Software sie schreiben können.

Unabhängig davon waren sich Novell und Microsoft einig: Ihre Liaison beinhaltet - neben dem rechtlichen Aspekt, den beide Unternehmen zwar betonen, aber eher vernebeln denn aufklären - auch technologische und Channel-Aspekte. Um mit Letzteren anzufangen: Laut Holger Dyroff, Vice President Product Management Suse bei Novell, wurde bis heute noch kein Coupon indirekt verkauft. Die von beiden Unternehmen gemeldeten "großen Abschlüsse" (Dyroff), unter anderem mit dem US-Retail-Riesen Wal-Mart und der Deutschen Bank, erfolgten direkt. Dazu sagte der Suse-Manager: "Wir sind mit Channel-Partnern im Gespräch. Sie müssen zertifiziert und qualifiziert werden - dann können sie beginnen." Einen konkreten Zeitpunkt konnte Dyroff nicht nennen.

Allerdings unterstrich er, dass der "äußerst erfolgreiche Couponverkauf" - die Hälfte der 70.000 Coupons habe Microsoft schon eingelöst - zeige, wie wichtig der juristische Nichtangriffspakt für Kunden sei. Dass sich diese Materie in Deutschland anders darstellt - hierzulande besagt das Patentrecht, dass Anwender wegen Urheberrechtsverletzungen des Herstellers kaum belangt werden können - , bestritt Dyroff nicht. Doch selbst wenn Michael Grözinger, seit Oktober 2006 National Technology Officer von Microsoft Deutschland, zu dieser Debatte beisteuerte, dass das Abkommen zunächst bis zum Jahr 2012 reiche und "nichts dagegen" spreche, "solche Agreements zu verlängern", blieb offen, welche Patente gemeint sind, welche die beiden Unternehmen aus der Schusslinie genommen haben, und wie sie mit anderen Linux-Anbietern verfahren werden.

Technologische Zusammenarbeit

Offensichtlich wurde auch, dass beide Unternehmen lieber etwas zu den gemeinsamen technologischen Projekten sagen wollten - und genauer. So wollen beide die Virtualisierung von Windows- und Linux-Systemen beschleunigen, damit diese in heterogenen Umgebungen, ebenso in Rechenzentren mit gemischten Servern, Dienst tun können.

Laut Dyroff werden Ende 2007 Adapter kommen, die auf dem jeweiligen Host-System und Hypervisor aufsetzen. Novell wird Xen nutzen, Microsoft den Virtual Server, der Bestandteil von "Longhorn" sein wird. Erste Beta-Versionen seien ab Mitte 2007 verfügbar. Ob der Novell-Adapter als Open Source oder in einer anderen Form veröffentlicht wird, sei noch nicht entschieden, sagte Dyroff.

In diesem Zusammenhang erwähnten beide Unternehmen die Zusammenarbeit mit Intel. Der Chipanbieter habe bereits Virtualisierungstreiber für seine Hardware geschrieben. Was AMD angeht, sei man "im Gespräch" und hoffe, die Gespräche "erfolgreich in diesem Mai abschließen zu können", so Microsoft-Manager Hartl.

Auch bei den Verzeichnisdiensten "Active Directory" (Microsoft) und Samba und Kerberos (Suse Enterprise 10) werde man zusammenarbeiten. Allerdings müsse eine konkrete Roadmap erst ausgearbeitet werden. Die Stichwörter "Verzeichnisdienste" und "Identitätsmanagement" seien dabei entscheidend.

Immerhin kündigte Dyroff an, dass künftig Novells "eDirectory" über Microsofts SharePoint zugreifen können soll wie umgekehrt Linux-Anwendungen über Active Directory. Konkreteres werde die Roadmap beinhalten, die wahrscheinlich auf der CeBIT vorgestellt wird.

Bei Web Services versprachen beide Unternehmen ein gemeinsames Systemmanagement für Windows und Linux. Ebenso wollen sie "spätestens 2008" einen Konverter anbieten, der OpenXML (Microsoft) und ODF (Suse) zusammenführt. Am 2. Februar hatte Microsoft einen Konverter zwischen Open XML und dem Open-Office-Dateiformat ODF für Word ab Version XP veröffentlicht. Die entsprechende Software für die "Novell Edition" von OpenOffice.org sei in Arbeit.