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24.07.1987 - 

Vorstand entscheidet sich für Branchenlösung auf Siemens-Rechnern:

Löwenbräu geht mit Unix auf Anti-IBM-Kurs

MÜNCHEN - Der Name "Löwenbräu" wird künftig auf der Kundenliste der IBM fehlen: Dem langjährigen DV-Lieferanten des Münchner Bierriesen wies jetzt der neue Vorstandsvorsitzende Paul Greineder die Tür. Der Vorstandslöwe setzt nun mit zwei Siemens-Rechnern der Klasse MX500 auf das Betriebssystem Unix. Greineder: "Für mich eine simple Geschichte der Kostenrechnung."

Mit der radikalen Abkehr von der IBM-Welt, so wollen Insider wissen, werde eine siebenstellige Summe an bislang getätigten DV-Investitionen abgeschrieben; nicht eingerechnet die aufgelaufenen Kosten für eigene Manpower. Dagegen sieht Greineder, der im November 1986 seinen Posten beim Würzburger Hofbräuhaus gegen den Vorstandssessel in der bayerischen Metropole eintauschte, sein Unternehmen künftig auf der sicheren Seite: "Wir wollten ein System haben, das unseren Anforderungen am besten entspricht. Die IBM hat uns aber letztlich weder bei der Hardware noch bei der Software das Gewünschte bieten können." So installierte der Löwenbräu-Chef Mitte Juni den ersten der beiden als Verbundsystem geplanten MX500-Mehrplatzcomputer unter dem Betriebssystem Sinix (Unix-Derivat von Siemens) - in der höchsten Ausbaustufe als Modell 60 mit 24 angeschlossenen Bildschirmen ein Kauf, der mit rund 400 000 Mark zu Buche schlägt. Derzeit werden die Programme und Daten für Logistik und Auftragsverarbeitung, die bislang auf einer geleasten IBM 4341 M02 liefen, auf den neuen Sinix-Rechner konvertiert.

Anfang Oktober sollen dann das gesamte Rechnungswesen und die Buchhaltung auf der zweiten Siemens-Maschine implementiert werden; ebenfalls ein Modell 60 mit 36 angeschlossenen Arbeitsplätzen (Limit nach offiziellen Siemens-Angaben: 32 Bildschirme). Bei weiterer Software will Greineder das Angebot an branchenspezifischen Programmen nutzen, die von der Landestreuhand Weihenstephan entwickelt wurden.

Mit der Entscheidung für diese Gesamt-Installation griff der oberste Gerstenbrauer nicht nur auf eine DV-Lösung zurück, wie sie in ähnlicher Konfiguration bereits an seinem früheren Arbeitsplatz, dem Würzburger Brauhaus, in Zusammenarbeit mit der bayerischen "Bierakademie" Weihenstephan eingeführt wurde. Er warf damit auch einen Fünfjahresplan seines DV/Org. Leiters Georg Stauber über den Haufen. Verteidigt sich Stauber: "Mein Konzept basierte auf einer konsequenten Weiterentwicklung mit IBM-Equipment. Dies wurde seinerzeit auch von Vorstand und Aufsichtsrat abgesegnet."

Der Organisationschef, der 1984 die Regie in der Datenverarbeitung bei Löwenbräu übernahm, ersetzte als erstes die gekaufte IBM 4331 durch eine geleaste 4341 und orientierte sich mit seinen Plänen an einer IBM-Installation unter VM/DOS/ VSE der Bavaria Brauerei, Hamburg. So kaufte Stauber beispielsweise nach dem Vorbild seiner Hamburger Kollegen die Datenbank "ADR/Datacom". 1985 übernahm er auch das Warenwirtschaftssystem der Bavaria, das seine DV-Truppe über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr auf die Bedürfnisse der Löwen-Brauerei zuschneiderte und das nun im Oktober 1987 planmäßig zum Einsatz gekommen wäre. Stauber: "Da kamen insgesamt schon einige Märker zusammen. Jetzt landet alles auf dem Müll."