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25.10.2002 - 

Konsolidierung im IT-Servicesektor setzt sich fort

Logica und CMG bündeln ihre Kräfte

MÜNCHEN (wh) - Von der Übernahme des Konkurrenten Computer Management Group (CMG) erhofft sich Logica eine stärkere Marktstellung. Doch mit Ausnahme des Mobile-Messaging-Segments bleibt es für den britischen IT-Dienstleister schwierig, sich gegen IBM, EDS oder CSC durchzusetzen.

Manchmal behalten Analysten eben doch recht. Nach der spektakulären Übernahme von Pricewaterhouse Coopers Consulting (PWCC) durch IBM prognostizierten etliche Marktbeobachter eine Konsolidierungswelle. Gerade kleinere und mittlere IT-Serviceanbieter müssten sich nun entscheiden, kommentierte etwa Pascal Matzke von der Giga Information Group: Entweder sie konzentrieren sich auf lukrative Marktnischen, oder sie expandieren. Logica scheint sich zu Letzterem entschlossen zu haben.

Auf den ersten Blick erscheint eine Fusion mit dem britisch-niederländischen Rivalen CMG durchaus sinnvoll: Beide Unternehmen offerieren eine breite Dienstleistungspalette, die von Management-Beratung über Systementwicklung und -integration bis hin zu Outsourcing-Services reicht. Und beide sind spezialisiert auf den Markt für Mobile-Messaging-Systeme, wie sie vor allem von Betreibern mobiler Netze nachgefragt werden. Legt man die Aktienkurse vom 8. Oktober zugrunde, hätte das Gemeinschaftsunternehmen einen Börsenwert von rund 1,5 Milliarden Euro.

Dass Logica mit der Übernahme eine Verbreiterung seines Angebots anstrebt, ist allerdings unwahrscheinlich. "Bei diesem Merger geht es nicht um die Ausweitung des Serviceportfolios, sondern darum, die Marktposition zu konsolidieren", urteilt etwa der Londoner IDC-Analyst Jamie Snowdon. Sein Kollege Ned May aus der IDC-Zentrale in Framingham, Massachusetts, bewertet die Motive des Logica-Managements ähnlich: "In unsicheren Zeiten wollen Unternehmen mit Partnern zusammenarbeiten, die sie als stabil betrachten." Schon seit längerem sei im IT-Servicemarkt eine Abkehr von kleineren Anbietern zu beobachten. Die Dienstleister kämpfen zudem mit Überkapazitäten und sinkenden Preisen.

Ob das Zusammengehen mit dem Konkurrenten Logica zur erforderlichen Größe verhilft, darf allerdings bezweifelt werden. Zwar würde die Belegschaft von derzeit gut 10000 auf etwa 23000 Mitarbeiter wachsen. Doch gemessen an den Branchenschwergewichten, wäre auch das fusionierte Unternehmen nur ein kleines Licht. IBM Global Services etwa erwirtschaftete schon vor dem PWCC-Deal mit rund 150000 Angestellten einen Jahresumsatz von 35 Milliarden Dollar, EDS rund 21,5 Milliarden Dollar. Logica und CMG kämen zusammen auf rund 3,14 Milliarden Dollar.

Vieles deutet darauf hin, dass die englischen Firmenlenker in erster Linie Synergieeffekte im Auge haben. Es sei davon auszugehen, "dass sich durch einen Unternehmenszusammenschluss bei den Betriebskosten Einsparungen größeren Umfangs ergeben werden", teilte die deutsche Logica-Gesellschaft mit. Was das heißt, erfahren derzeit etliche Kollegen von IBM Global Services, die nach dem Zukauf von PWCC ihren Job verlieren. Unternehmensnahe Kreise gehen davon aus, dass auch Logica nach einem Merger bis zu 5000 Stellen streichen könnte.

Was die Fusionspartner von anderen IT-Dienstleistern unterscheidet, ist die Spezialisierung auf Mobile-Messaging-Systeme. Beide Anbieter entwickeln und vermarkten dafür Software und Komplettlösungen - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg: Während etwa CMG mit seiner Division Wireless Data Solutions überraschend wieder einen operativen Gewinn von 1,1 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 2002 verbuchte, musste Logicas Sparte Mobile Networks im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 stark rückläufige Einnahmen und Gewinnmargen hinnehmen.

Klamme TK-Anbieter sind Hauptkunden

PR-Manager Will Cameron sprach von einem der schwierigsten Halbjahre in diesem Segment. Mobile Networks sei vom Ausgabenstopp der Netzbetreiber besonders betroffen, der Markt bleibe auf absehbare Zeit unter Druck. Bereits im Mai hatte Logica deshalb ein Restrukturierungsprogramm angekündigt, das auch das Jahresergebnis belastete: Bei einem um drei Prozent gesunkenen Umsatz fiel ein Vorsteuerverlust von 359,2 Millionen Dollar an. Im Vorjahr wies das Unternehmen noch einen Gewinn von 208,4 Millionen Dollar aus.

Sowohl CMG als auch Logica setzen weiter große Hoffnungen in das Multimedia-Messaging. Ein Merger könnte dabei helfen: Auf CMGs Kundenliste stehen prominente Namen wie T-Mobile, France Télécom, Telefonica, Sonera und Vodafone. Logica zählt zu seinen Abnehmern unter anderem British Telecom, Orange/FT Group, KPN Telecoms und NEC Corp. Inzwischen droht aber auch hier Konkurrenz, insbesondere von den Handy-Herstellern Nokia und Ericsson, die bereits einige große Softwareverträge für mobile Services gewinnen konnten. Hinzu kommt, dass etliche Marktforscher ihre optimistischen Prognosen für die Multimedia-SMS (MMS) nach unten korrigieren mussten.

Die voraussichtlich lange Durststrecke in diesem Markt will Logica mit verstärkten Anstrengungen im Outsourcing-Geschäft kompensieren. Im vergangenen Jahr habe man mit der IT-Auslagerung ein Umsatzwachstum von 43 Prozent erzielt, so Cameron, der Outsourcing-Anteil von derzeit 16 Prozent am Umsatz soll weiter steigen (siehe Grafik).

Als Risiko für den Merger werten Beobachter noch die unterschiedlichen Unternehmenskulturen. So pflege etwa Logicas Chief Executive Martin Read, der auch das Gemeinschaftsunternehmen leiten soll, einen harten und autoritären Management-Stil. CMGs Executive Chairman Cor Stutterheim wird dagegen ein konsensorientiertes Führungsverhalten nachgesagt. Ob der Deal tatsächlich zustande kommt, wird sich laut Cameron eher in Wochen- als in Monatsfrist entscheiden. Bis dahin wolle man keine weiteren Angaben machen. Fest stehe lediglich, dass eine Fusion im Wege eines Aktientausches vollzogen würde, wobei Logica-Gesellschafter 60 Prozent und CMG-Aktionäre 40 Prozent der Anteile hielten. (wh)

Abb.1: Europas größte IT-Servicefirmen 2001

Nach dem Zusammenschluss würde Logica/CMG in die von dem Marktforschungshaus Pierre Audoin Consultants (PAC) erstellte Top-Ten-Liste der europäischen IT-Dienstleister einziehen. Quelle: Pierre Audoin Consultants

Abb.2: Logica: Die Umsatzstruktur

Logica will beim zuletzt rückläufigen Mobil-geschäft und beim Outsourcing zulegen. Quelle: Logica