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23.01.1976

Logische Identifizierung oder laufende Numerierung von Bändern?

Mit Heinz Kettner, Bereichsleiter EDV der Kaufhof AG sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Sie sind stolz darauf, daß auf Ihrer Anlage relativ wenig Wiederholungsläufe gefahren werden und führen das auf die Kaufhof-spezifische Organisation im Bereich Operating und Arbeitsvorbereitung zurück. Aus welchen Erfahrungen haben Sie gelernt?

Die Arbeitsvorbereitung wurde bei Anlagen der Vierten Generation mit Multiprogramming, Multiprocessing und so weiter immer wichtiger. Bei den früheren Mono-Maschinen der Zweiten Generation war die Aufgabe der Arbeitsvorbereitung im Operating integriert. Mit der Einführung der Multi-Programming-Maschinen der Dritten Generation begann man die AV zu verselbständigen und vom Operating zu trennen. Und dann traten allmählich die großen Probleme auf, die teilweise auch durch die Presse gingen - etwa mit Schlagzeilen wie "EDV nur zu 54 Prozent produktiv". Dergleichen hörte man auch in vielen Seminaren - vornehmlich, daß zu viel Maschinenzeit durch unproduktive Wiederholungsläufe verlorenginge.

- Sie machen die Trennung von Operating und Arbeitsvorbereitung dafür verantwortlich?

Zum größten Teil, ja. Früher war bei enger Zusammenarbeit die Möglichkeit einer Gegenkontrolle der AV-Anweisungen durch das Operating gegeben. Die Vorgabe der Bandnummer ergab sich aus der Logik der Programme, und gleiche Dateien hatten immer die gleiche Nummer, unterschieden nur durch eine Zusatzzahl für die Generation. Der Operator hatte zu kontrollieren, ob die von der Arbeitsvorbereitung getroffene Anweisung hinsichtlich der Banddateien zutreffend war. Der Einsatz anderer Dateisysteme und der Einsatz der Großanlagen erforderte dann angeblich, daß die Anweisungen ausschließlich von der AV kamen und daß das Operating darauf beschränkt wurde, diese Anweisungen strikt auszuführen.

- Sie sind diesen Weg also auch gegangen?

Ja. Wir hatten zunächst ständig gleiche Bänder für gleiche Dateien. Dann aber kam die laufende Numerierung. Diese Beschränkung auf ein physisches, in der Logik nicht transparentes Erkennungssystem nahm dem Operating die Möglichkeit der Gegenkontrolle. Die Erfahrungen, die wir dann mit diesem System einseitiger Verantwortung der Arbeitsvorbereitung machten, deckten sich mit den Presseberichten über unbefriedigende Ergebnisse anderer EDV-Anwender. Auch bei uns gab es eine erhebliche Zunahme der Wiederholungsläufe.

- Können Sie dafür Zahlen nennen?

Als wir im Januar 1975 unsere neue Großanlage Honeywell Bull 66/40 voll eingesetzt hatten, kamen wir mit dem neuen System der Dateiverwaltung auch auf einen Prozentsatz von 25-30 Prozent Wiederholungsläufen. Die Gründe hierfür: Unser Arbeitsablauf muß von der Arbeitsvorbereitung größtenteils sehr kurzfristig aus dem Tagesgeschehen entschieden werden. Bei der einseitigen Verantwortung der Arbeitsvorbereitung liegen hier zu viele Fehler im menschlichen Bereich. Ein klassischer Fall wäre ein Irrtum bei den AV-Angaben für eine Ausgabedatei: Das Operating geht davon aus, daß die Anweisung der AV stimmt und geht mit einem "Ignore" über die Fehlermeldung hinweg. Die Datei ist überschrieben und kann nur mit einem erheblichen Aufwand wieder rekonstruiert werden.

- Sie sind dann nach einem halben Jahr wieder zurückgegangen auf das alte Verfahren, auf bestimmte Bänder immer nur bestimmte, nämlich die gleichen Dateien, zu speichern. Wie läuft das im einzelnen?

Die Kontrolle durch den Operator sieht heute wie folgt aus: Er kontrolliert einmal, ob vom logischen Generationsablauf die eingesetzten Bänder überhaupt richtig sind, indem er auf die Protokolle der Vortagesläufe zurückgreift. Er kontrolliert weiter, daß die als richtig erkannten Bänder auch tatsächlich aufgelegt sind, durch eine Kontrolle des Mount-Displays.

- Wieviel Bänder haben Sie im Archiv ?

Ihre Frage zielt ganz richtig auf die Schwachstelle dieses Systems. Natürlich ist so der Bandbedarf größer. Wir haben zur Zeit etwa 6000 Bänder archiviert. Um Ihre nächste Frage gleich vorwegzunehmen: Man könnte bei einem laufenden Numerierungs-System wahrscheinlich den Bandbestand um etwa 30 Prozent verringern. Wenn man demgegenüber jedoch sieht, wieviel Manpower man in der Arbeitsvorbereitung einsparen kann und wieviel Maschinenzeit wegen fortgefallener Wiederholungsläufe entfällt, ergibt das wesentlich höhere Ersparnisse.

- Können Sie diese Einsparungen präzisieren?

Die Mehrausgaben für 2000 zusätzliche Bänder belaufen sich auf rund 67 000 Mark - und zwar als Einzel-Ausgabe. Bei Vergleich mit den Einsparungen müssen wir hinzusetzen, daß ein Arbeitsvorbereiter jährlich 40 000 Mark kostet und daß 100 Maschinenstunden 60 000 Mark kosten. Das sind nicht Einmal-Ausgaben, sondern laufende Kosten.

- Wieviel sparen Sie so bei der Arbeitsvorbereitung?

Beim laufenden Numerierungs-System war eine Vergabe oder eine Zuordnung von Dateien nur möglich durch manuelle Einsicht in verschiedene Karteien über die geführten Dateien. Das kostete viel Zeit. Nach dem jetzigen System der logischen Identifizierung ist die Vergabe der Dateien durch Einsicht der Vortages- oder Vorwochen-Protokolle möglich, die nach Sachgebieten bei uns abgeheftet werden. Das geht dann sehr schnell, weil das ohnehin jeweils geschehen muß.

- Sie würden also uneingeschränkt den Kollegen empfehlen, reumütig zum alten Verfahren zurückzukehren, sofern sie sich für die laufende Numerierung entschieden haben.

Die Erfahrungen, die wir selbst mit der Rückkehr zu dem System der logischen Zuordnung gemacht haben, rechtfertigen eine solche Empfehlung. Insbesondere wo es Realtime-Anwendungen gibt, wo also eine falsche Zuordnung einer Datei zu einem Zusammenbruch des gesamten Systems führen kann.

- Sie wollen aber das neue alte Verfahren jetzt noch verbessern, indem Sie die Maschine selbst mehr für die Arbeitsvorbereitung einsetzen?

Wir wollen in einer ersten Stufe die Gegenkontrolle, die heute durch das Operating gemacht wird, auf die Anlage verlagern. Das heißt, die Arbeitsvorbereitung wird die logische Indentifikation der Banddateien oder Plattendateien nach wie vor dem Operating vorgeben, die Kontrolle wird aber durch eine in der Maschine residente Software durchgeführt.

- Woher kommt das Programm?

Die Programmierung dieser Systemsoftware wird durch unsere Systemprogrammierung durchgeführt. Diese Kontrolle durch die Anlage selbst wird etwa vier Mannmonate erfordern. Am Hauptspeicher werden etwa zwei bis drei K Honeywell Bull-Worte erforderlich sein, das entspricht etwa 10 K Bytes. Die Daten, die zur Kontrolle der Label benutzt werden, sollen auf Platte gespeichert werden.

- Also müssen Sie für jeden Job ein Job-Profil speichern und eines über die jeweils benötigten Dateien. Ferner sind alle vorhandenen Dateien für die Maschine zu identifizieren.

Das ist richtig, aber der Aufwand ist minimal. Wir speichern anhand der logischen Identifikation, welche Dateien bei den einzelnen Jobs benötigt werden, von welcher Nummer bis zu welcher Nummer die Generationen gehen und welche Nummer dem derzeitigen Stand zugeordnet ist.

- Später soll ein zweiter Schritt der Automatisierung folgen?

Ja, dieser zweite Schritt wird eine wirklich relevante Einsparung bringen. Ziel ist, daß von der AV überhaupt keine Dateien den Jobs mehr zugeordnet werden, sondern daß als Vorgabe nur noch der Ablauf der Jobs erfolgt. Die Anlage selbst ermittelt dann auf Grund der gespeicherten Daten, welche Dateien und welche Bandnummern für diesen Lauf zu verwenden sind. Dadurch wird erstens ein nicht unerheblicher Aufwand bei der Arbeitsvorbereitung eingespart, zum anderen wird dann mit hundertprozentiger Sicherheit vermieden, daß durch falsche Zuordnung von Dateien, Wiederholungsabläufe überhaupt stattfinden.

- Haben Sie sich ausgerechnet, welche Einsparungen das in Mark und Pfennig bringen wird?

Die zweite Stufe zu programmieren erfordert ebenfalls einen Aufwand von vier Mannmonaten. Das ergibt einen Insgesamt-Aufwand von acht Mannmonaten, der aber nur einmal anfällt. Wenn es uns dadurch jedoch gelingt, in der Arbeitsvorbereitung bei jeder Schicht zwei, zusammen also sechs Mitarbeiter einzusparen, dann würde das eine erhebliche Einsparung von 250 000 Mark bedeuten. Wenn es ferner gelingt, dadurch im Monat 20 Stunden Wiederholungsabläufe zu vermeiden, dann sind das pro Monat noch einmal 12 000 Mark oder, aufs Jahr bezogen, 144 000 Mark, wobei ich die Stundenzahl der vermeidbaren Wiederholungsabläufe noch recht niedrig angesetzt habe.