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12.10.1990 - 

Ohne Nachschub geht nichts vorwärts

Logistik beim Heer nach Vorbildern der Wirtschaft

Auf den ersten Blick wirken die logistischen Aufgaben bei der Bundeswehr und im Transportgewerbe fast deckungsgleich. Nach Einschätzung von Herbert Schramm* hört die Ähnlichkeit bei den Forderungen auf, die sich aus dem Zweck der logistischen Dienste bei der Bundeswehr herleiten.

Um diese Forderungen bei knappen Geldmitteln und mit möglichst kleinem Verwaltungspersonal erfüllen zu können, wendet sich die Bundeswehr verstärkt den gleichen Methoden und Techniken wie das Management privatwirtschaftlicher Betriebe zu. Wie das geschieht, demonstrierte das Bundesministerium der Verteidigung auf einer Informationsreise, zu deren Themen die Materialbereithaltung und -versorgung beim Heer gehörte.

Beim Nachschub für die Landstreitkräfte macht die Bundeswehr zunehmend von den Werkzeugen der Informationstechnik Gebrauch. Sie brachte bislang bei den Nachschubbataillonen von sieben Divisionen ein computergestütztes Logistiksystem zum Einsatz, das den sonst gewohnten Zeit- und Arbeitsaufwand für Materialwirtschaft, -erhaltung und -transport abbaut.

63600 Artikelkonten sind zu verwalten

Ein Anwendungsbeispiel gibt das 11. Nachschubbataillon in Delmenhorst, ein Verband der für die Versorgung der 11. Panzerdivision zuständig ist. An ihrem Standort befindet sich ein Hauptlager, das neben den allgemeinen Versorgungsgütern für die Truppe vor allem die Ersatzteile für die Geräte und Waffensysteme enthält. Insgesamt gibt es in der Lagerverwaltung des Bataillons 63 600 Artikelkonten, von denen immerhin rund 28 000 aktiv sind.

Die Bestände reichen, um den Truppenbedarf für 60 Tage zu decken. Sie haben einen Wert von 35 Millionen Mark, und der Jahresumsatz beläuft sich auf 85 Millionen Mark. Die Lagergestaltung entspricht der Forderung, daß die Bestände des Depots im Ernstfall möglichst schnell an die im Feldeinsatz stehenden Verbände herangebracht werden müssen.

Einen relativ hohen Zeitaufwand verlangen noch immer die Bewilligungsvorgänge, die den Bestellungen beim Lager vorgeschaltet sind. Auch sie sind aber Bestandteil des heutigen Datenverarbeitungsverfahrens, und die Logistik-Fachleute aus Bonn gehen von einem "restriktiven Aufwand bei voller Rücksicht auf das verantwortungsbewußte Handeln" aus.

Im Verständigungsprozeß zwischen den Bestellern und der Lagerwirtschaft wirken sich aber schon jetzt die Eigenschaften des Logistiksystems aus, welches das Heeresamt in Bonn in Zusammenarbeit mit NCR für den Einsatz bei allen Divisionen verwirklicht hat. Beim herkömmlichen Verfahren wurde als Arbeitsgrundlage hand- oder maschinenschriftlich ein vielteiliger Standard- Durchschreibsatz im DIN-A2- Format ausgefüllt. Im Lager kamen weitere Riesenformulare hinzu und in jeder Phase mußten die Daten neu zu Papier gebracht werden. Beim neuen Verfahren fällt mit der Paperwork der größte Teil des Erfassungsaufwands weg. Mit Hilfe des computergestützten Systems lassen sich die Daten direkt am Bildschirm aufrufen und bearbeiten. Vormerkungen, Buchungen und Lagerauswertungen erzeugt das Programm.

Die gleiche Technik wird auch in der Erfassung, Verarbeitung und Weitergabe von Geräte Instandsetzungsdaten angewandt. Um die hochgradige Mobilität geht es in Delmenhorst auch in der Transportbereitschaft. Im Einsatzfall kann das gesamte Lager, einschließlich aller Vorbereitungen, innerhalb von 94 Stunden an einen anderen Standort verlegt werden.

Sehr schnell lassen sich bei Verlegungen und Feldeinsätzen die normalerweise stationär betriebenen Computer auf den Weg bringen. Sie werden innerhalb weniger Minuten auf die dafür vorbereiteten Fahrzeuge verladen und sind sofort betriebsbereit. Für die PCs sind Kleinbusse vorgesehen, für die Mehrplatzsysteme Lkw.

Die logistischen Aufgaben werden bei der Bundeswehr im starken Maße von einem Riesenvolumen an Materialarten und beständen mitgeprägt, das nicht allein aus Versorgungsgütern für die Soldaten besteht, sondern sich zum großen Teil durch die Typenvielfalt und Komplexität von insgesamt 24 000 Geräten und Waffensystemen erklärt. Hinzu kommt das Nebeneinander von jüngsten Ausrüstungen und von Geräten, die schon bis zu dreißig Jahre lang benutzt werden.

In den Lagerdepots der Bundeswehr werden heute insgesamt 1,9 Millionen Artikel bereitgehalten. Zum Vergleich: Das führende deutsche Großversandhaus hat 45 000 Artikel am Lager, eine große Automobilfabrik rund 450 000 Ersatzteilarten. Die verfügbaren Geldmittel halten nicht mit dem Anstieg der Material-, Ersatzteile- und Personalkosten Schritt.

Um dennoch eine sorgfältige Lagerbewirtschaftung und sparsame Verwendung der Vorräte sicherzustellen, befaßte sich das Heeresamt im Verteidigungsministerium mit der Entwicklung eines einheitlichen Datenverarbeitungsverfahrens für die Gesamtlogistik im Bereich der Divisionsversorgung. Hauptziele dieses Automatisierungsprojekts waren:

- die Freisetzung von Verwaltungspersonal durch den drastischen Abbau des Zeitbedarfs je Tätigkeit,

- die Verringerung der Lagerumfänge ohne Senkung der Einsatzbereitschaft durch schnelleren Informationsfluß ("Mehr Steuerung, weniger Lagerung"),

- die Bereinigung von Fehlerquellen, die für manuell geführte Verfahren typisch sind.

In der Verwirklichung des Projektes ging man von den gleichen Grundideen wie bei den meisten privatwirtschaftlichen Logistiksystemen aus. Weil auf die Materialabwicklungen sowohl die Verbraucher als auch die Depots Einfluß nehmen, wurde eine durchgängige Lösung angestrebt - ein Gesamtsystem, das die "Materialinformationen wie das Material selbst" behandelt.

Bei jeder Materialdisposition oder -bewegung werden alle davon berührten Datenbestände aktualisiert, so daß auch die beteiligten Stellen schritthaltend den gleichen Informationsstatus verzeichnen. Das ermöglicht hohe Einsparungen. Die Daten müssen im gesamten Verfahren nur einmal erfaßt und später nur noch ergänzt oder fortgeschrieben werden. Weil die Bestelldaten der Verbraucher und die Lieferdaten der Depots jederzeit übereinstimmen, gehen auch die zeitraubenden nachträglichen Klärungen, Zurückweisungen und Fehler auf ein Minimum zurück.

Das Hauptmerkmal des nach diesen Prämissen konzipierten Logistiksystems ist die starke Ausrichtung auf den Austausch direkt verarbeitungsfähiger Daten. An den NCR-Computerarbeitsplätzen erzeugen die Materialbesteller und -lieferanten Aufzeichnungen auf 3,5-Zoll-Disketten. Bei den Abwicklungen dienen diese Medien im Wechselspiel zur gegenseitigen Aktualisierung der Datenbestände.

In der Software-Gestaltung wurde berücksichtigt, daß die Bearbeitung der Materialbestellungen und -auslieferungen zum großen Teil in den Händen junger Wehrpflichtiger liegt. Die Programmlösungen sind einfach zu handhaben, sie schließen viele Benutzerhilfen ein, und sie knüpfen an die vom Vorgängerverfahren her vertrauten Datendarstellungen an.

Die gerätetechnischen Ausrüstungen wurden während der Vorbereitung auf die Systemauswahl unter den harten Belastungen im Feldeinsatz geprüft. Weil hierbei keinerlei Ausfälle auftraten, konnte im vollen Umfang auf handelsübliche Computer und Peripheriegeräte zurückgegriffen werden, die lediglich durch netzunabhängige Stromversorgungen ergänzt wurden .

Die Materialverbraucher arbeiten in der Regel mit Einplatz-Personal-Computern, die Depots mit Mehrplatzsystemen. Insgesamt werden in Verbindung mit dem Logistiksystem zur Zeit rund 140 Tower-Systeme (UNIX-Rechner) und 250 PC-Workstations von NCR eingesetzt.

*Herbert F.W. Schramm ist freier Journalist, Hamburg

Der Anwenderbericht wurde dem NCR Magazin, Februar 1990, mit freundlicher Genehmigung des Unternehmens entnommen. Er beruht nicht auf Recherchen der CW-Redaktion.