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08.04.1982 - 

Brauerei Herrenhausen erzielt schon im Vorfeld der Flukas-lnstallation Rationalisierungsgewinne:

Logistik-Kosten um 40 Prozent gesenkt

KRONBERG - Kosteneinsparungen von 40 Prozent beziehungsweise einer Million Mark jährlich und Vertragsabschlüsse per Handschlag, wenn es um sechsstellige Honorare geht. gibt es auch heute noch. Die Vertreter der beiden Vertragsparteien Brauerei Herrenhausen GmbH, Hannover und K&O Unternehmensberatung Kollrich GmbH. Offenbach, berichteten darüber in Kronberg im Taunus. Dem Auftrag an Kollrich, eine Bestandsaufnahme, Schwachstellenanalyse, Neukonzeptionierung und praktische Neuordnung der Brauerei-Logistik vorzunehmen, war ein Entschluß der Hannoveraner, ihr gesamtes Warenverteilsystem zu reorganisieren, vorausgegangen.

Die Offenbacher nahmen ihre Arbeit vor rund einem Jahr auf; und obwohl Friedrich Holtorf, Chef der Ende 1980 eingerichteten Logistik-Abteilung in Herrenhausen, die bisher erzielten Einspareffekte noch nicht ganz durchgerechnet hat, erwartet er nochmals eine spürbare Kostenentlastung, wenn er seine Logistik jetzt computergestützt fährt und dabei auch ein neuartiges Prämienentlohnungssystem für seine Bierfahrer einsetzen kann. Kollrich-Mitgesellschafter Lothar W. Otto ist derzeit dabei, dieses Prämiensystem auf der /34 in Herrenhausen zu implementieren.

Die Herrenhäuser Brauerei, die auf ihrer /34 eine Dialog-Auftragserfassung samt Ausgabe von Lade- und Lieferscheinen und außerdem eine Leergut-Erfassung mit anschließender Fakturierung realisiert hat, ist seit März der erste Anwender des von Kollrich entwickelten Fuhrpark-Leistungs- und Kosten-Auswertungssystems "Flukas". Holtorf beurteilte auf dem Kronberger Meeting die Entscheidung seines Hauses und die Arbeit der Offenbacher als "eine Maßnahme mit Erfolg".

Firmenchef Karl Kollrich verschwieg rückblickend nicht, es sei nicht leicht gewesen, den ersten Flukas-Auftrag hereinzuholen - trotz der Kostenmisere in vielen Brauereien. Oft, erläuterte er, gebe es keine Logistik-Abteilung, oder in der EDV regierten sogenannte "Lochkarten-DV-Leiter", die sich vor Neuerungen schützten. Eben diese Leute seien es allzu häufig, ergänzte Manfred Münster, Leiter der Softwareentwicklung bei Kollrich und Mitentwickler von Flukas, die von den Geschäftsleistungen in Sondierungsgespräche geschickt würden. Zu einem Gespräch auf höherer Ebene komme es dann erst gar nicht.

Mit der Frage, wer für den "Schlendrian" im Lieferwesen deutscher Brauereien verantworltich zu machen ist, beschäftigte sich auch Holtorf. Nach seinen Beobachtungen sind hier gewisse Unternehmensberater zu nennen, die vorgeben, das Logistikproblem in vier bis sechs Wochen lösen zu können. Holtorf: "Die packen dann ihr Köfferchen -, Jetzt wißt ihr ja Bescheid - und sind weg."

In der Herrenhäuser Brauerei, einem Familienbetrieb in der Größenordnung von 400 000 Hektolitern Bierausstoß pro Jahr, ging man einen anderen Weg. Zunächst, berichtete Holtorf, verabschiedete man sich vom "Hektoliter-Denken" und betrieb das Liefer-, Lager- und Fuhrparkwesen nur noch nach Kosten- und Service-Gesichtspunkten in einer gesonderten Abteilung. Die Lieferfahrzeuge in der Zentrale und den (damals noch) 18 Niederlassungen wurden mit Kienzle-Tachographen ausgerüstet.

Elf Niederlassungen geschlossen

Die Auswertung der von den Tachographen erstellten Diagrammscheiben ergab, daß die zeitliche Auslastung der Fahrzeuge sehr ungünstig war. Dies und die Tatsache, daß die Liefergebiete der Niederlassungen sich vielfach überschnitten, veranlaßte die Herrenhäuser zur völligen Abkehr von ihrem bisherigen Warenverteilsystem. Just in dieser Phase kam den Bierbrauern die Kollrich-Offerte auf den Tisch.

Nach kritischer Prüfung und Abwägung, wie Holtorf betont, wurden die Offenbacher mit der Realisierung eines rechnergestützten Fuhrpark-Steuerungssystems beauftragt. Die Kollrich-Leute gingen dann auch getreu dem Motto ihres Firmenchefs - "Wir realisieren immer mit dem Kunden" - praxisnah zur Sache, besuchten Kunden, richteten einen telefonischen Vorverkauf ein und ließen spezielle Getränkefahrzeuge anschaffen.

Die Ergebnisse der Kollrich-Aktion schildert Holtorf in Kronberg so:

- Elf der 18 Niederlassungen wurden geschlossen (acht davon lagen im 50-Kilometer-Radius von der Zentrale aus).

- Elf Gabelstapler wurden deshalb nicht mehr benötigt.

- Die Umorganisation des Niederlassungsbereichs erbrachte eine Kostensenkung von - auf ein Jahr umgerechnet - 40 Prozent oder mehr als einer Million Mark.

- Eine rationellere Tourenplanung führte zu erheblichen Produktivitätssteigerungen - gemessen in Transporteinheiten pro Leistungsstunde.

- Die Nutzlastkapazität der Brauerei konnte von 336 auf 274 Tonnen reduziert werden.

- Im eigentlichen Brauereibereich wurden Produktivitätssteigerungen erreicht, die derzeit noch nicht quantifizierbar sind.

- Wurden früher 288 000 Kilometer zur Belieferung der Kunden verfahren, so sind es heute 160 000.

Kostentransparenz

Mit Flukas haben die Herrenhäuser ihre Logistik jetzt quasi unter ständiger Beobachtung, nicht nur in Globalgrößen, sondern auch aufgeschlüsselt auf das einzelne Fahrzeug die Einsatzart oder die Kostenstelle. Personal- und Sachkosten pro Tag, Kosten pro Kunde und Kosten pro Auftrag seien ebenfalls beispielhaft genannt.

Flukas ist ein Berichtssystem dessen wichtigste Datenquelle eine Diagrammscheibe (System Kienzle) ist Die die Fahr- und Standzeiten eines Fahrzeugs aufzeichnet und auf einem Kienzle-System IP 1613 auswertbar ist - ein Service, den im Bedarfsfall Kollrich selbst übernimmt. Flukas ist kein Tourenplanungs- oder -optimierungssystem im eigentlichen Sinne. Und dies wollte Holtorf auch so haben: "EDV-unterstützte Tourenplanung würde uns nichts bringen weil sie kurzfristig nicht flexibel genug ist."