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14.05.1999 - 

Die drei wichtigsten Herausforderungen

Logistikmodule sind in vielen PPS-Systemen lediglich Worthülsen

MÜNCHEN (CW) - PPS- und ERP-Anbieter wollen den global agierenden Mittelstand mit Systemen ködern, die ein integriertes Supply-Chain-Management aufweisen. Für Marktbeobachter Gernot Schäfer handelt es sich dabei jedoch in den meisten Fällen um Worthülsen.

Die Globalisierungswelle hat inzwischen auch die mittelständische Industrie erfaßt. Zum einen ist eine Internationalisierung eigenständiger Betriebe zu beobachten, da der Kostendruck vermehrt zu Kooperationen in Niedriglohnländern führt. Andererseits werden internationale Großunternehmen in global verteilte Mittelstandsstrukturen zerschlagen. Dieser Trend mischt den PPS-Anbietermarkt auf, so Gernot Schäfer vom Verlag Managementwissen Zukunft (vmwz), der in Kooperation mit Uwe Geitner von der Universität Kassel alljährlich eine PPS-Marktübersicht herausgibt.

Wer beispielsweise von den im Mittelstand etablierten PPS-Herstellern auf "fette Beute" hofft, nur weil SAP, Baan und Co. in diesem Segment noch nicht so richtig Fuß fassen konnten, hat sich unter Umständen geirrt: Laut Schäfer stellt das Marktsegment neue Anforderungen, die mit einem reinen PPS-System ohne Rechnungswesen und mit Ausrichtung auf nur einen Standort pro Anwender nicht mehr abzudecken sind. Da die Zukunftsfähigkeit einer Lösung längst die Integration aller betriebswirtschaftlichen Kernfunktionen verlangt, besteht die große Herausforderung nun in der Umsetzung diverser Länderspezifika - von der Mehrsprachigkeit einmal ganz abgesehen.

Keine Chance gibt es im Ausland, so der PPS-Experte, wenn ein hierzulande entwickeltes Rechnungswesen nur in Fremdsprachen übersetzt wird, ohne dabei etwa US-Besonderheiten in der Steuerabwicklung oder Anlagenbewertung zu berücksichtigen. Problematisch sei diese Anforderung deshalb, weil eine Steuerabwicklung nicht nur die Module des Rechnungswesens betrifft, sondern bis weit in die Prozeßkette der klassischen PPS-Funktionen wie die Kundenauftragsverwaltung hineinreicht.

Darüber hinaus sei auch die Abbildung verteilter PPS- und Logistikszenarien eine neue Aufgabe der Systeme aus der MRP-2-Ära. Es gebe großen Bedarf, schon im Planungsstadium die Abwicklung einer werks- und firmenübergreifenden Wertschöpfungskette zu simulieren. Ziel dabei ist es, Alternativen zu entwickeln, bevor die Logistik aufgrund von Engpässen gestört wird. Eine wirkliche Verbesserung läßt sich laut Schäfer jedoch nur dann erreichen, wenn eine PPS-Lösung auch auf operativer Ebene in der Lage ist, auf unvorhersehbare Ereignisse kurzfristig zu reagieren.

Hier macht das Forschungsinstitut der Universität Kassel eine deutliche Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung vieler PPS-Anbieter und der Funktionalität der Produkte aus. Während viele Hersteller für ihre Lösung eine Supply-Chain-Management-(SCM-)Komponente angekündigt haben, sei in nur wenigen Systemen tatsächlich etwas entscheidendes passiert. Unter den in Deutschland rund 100 von der Marktpräsenz her ernstzunehmenden PPS-Produkten bieten:

- weniger als 30 Prozent werksübergreifende Logistikketten,

- weniger als 20 Prozent erledigen dies über Unternehmensgrenzen hinweg,

- weniger als 30 Prozent bieten eine Prozeßmodellierung und -analyse sowie

- weniger als zehn Prozent ermöglichen alle drei genannten Punkte.

Als dritten Trend- und auch Problembereich nennt Schäfer die Dezentralisierung einer PPS-Lösung auf der Architekturebene. Client-Server-Konzepte hätten sich zwar in den letzten Jahren durchgesetzt, mit der Nutzung des Internet seien die Hersteller jedoch nicht weit gekommen.

Die Kasseler PPS-Marktübersicht ist in Zusammenarbeit mit dem Verlag Managementwissen Zukunft GmbH, Remseck, um die Herstellerangaben zur vergangenen CeBIT aktualisiert worden. Sie umfaßt derzeit die Daten von über 90 PPS-Systemen. Die Auswahlsoftware auf CD-ROM ist für 1500 Mark erhältlich (http://www.vmwz.de).