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Lokales Logon und Lotus-Notes-Client OS/2-Perspektiven: Mit neuen Funktionen gegen Windows 95

03.11.1995

MUENCHEN (ws) - Mit Hilfe eines Microkernels fuer OS/2 will die IBM Microsoft auf CISC- und RISC-Plattformen technologisch in der Schatten stellen. Die fuer kommendes Jahr versprochene Intel- Version (Codename "Merlin") besitzt zwar noch keinen Microkernel, wartet aber dennoch mit einigen Verbesserungen gegenueber OS/2 Warp auf.

Der Fahrplan fuer die OS/2-Entwicklung sieht vor, dass die Variante fuer den Power-PC im ersten Quartal 1996 erscheint. Kurz darauf soll auch ein Update fuer die Intel-Plattform fertig sein. Ziel von IBM ist es, beide OS/2-Versionen nach dem Erscheinen von Merlin auf der Basis einer Microkernel-Architektur zu vereinheitlichen. Es ist schon jetzt ziemlich klar, welche Funktionen die RISC- Variante erhalten wird. Ob allerdings die Intel-Ausfuehrung schon beim naechsten Update in jedem Punkt gleichziehen wird, macht IBM vom Fortschritt der Entwicklungsarbeit abhaengig.

Inoffiziell liess IBM verlauten, dass die OS/2-Programmierer einigen Aufwand auf die Verbesserung des HPFS-Dateisystems verwenden. Zum einen wird OS/2 auch auf Intel-Rechnern mit einem 32-Bit-HPFS- Treiber ausgestattet, zum anderen soll die Fehlertoleranz erhoeht werden. Dazu integrieren die IBM-Entwickler die Funktionen eines "journaling file system", so dass nach einem Rechnerausfall unvollstaendig durchgefuehrte Dateioperationen per Rollback zurueckgenommen werden koennen. Ausserdem plant IBM nach dem Vorbild von Unix-Dateisystemen die Unterstuetzung von Soft-Links. Die Moeglichkeit von symbolischen Verweisen kennt OS/2 schon seit der Version 2.0, sie ist bisher aber eine Funktion der Workplace Shell und soll nun ins Dateisystem verlagert werden.

IBM will zudem dafuer sorgen, dass DOS-Anwendungen Dateien mit langen HPFS-Namen angezeigt bekommen. In welcher Form die Uebersetzung von langen Dateinamen in das FAT-kompatible 8+3-Format erfolgen wird, steht noch nicht fest. Zudem soll OS/2 zukuenftig auch in der Lage sein, mit langen VFAT-Namen auf Windows-95- Partitionen umzugehen.

Verbesserungen des Dateisystems

Unklar ist noch, in welcher Form IBM den Anachronismus der Laufwerksbuchstaben beseitigen will: Wahrscheinlich wird das sogenannte Volume Spanning (Volumes koennen sich ueber mehrere Laufwerke erstrecken) einen ersten Beitrag dafuer leisten. Die Verbesserung von HPFS zielt auch auf mehr Schutz vor unbefugten Zugriffen: Lokales Logon nach dem Vorbild von Unix soll den derzeitigen Zustand der "offenen Tueren" beenden.

Umfangreiche Aenderungen kommen auch auf die grafische Benutzeroberflaeche von OS/2 zu. Sicher ist, dass die Power-PC- Version mit der Grafikbibliothek Open GL ausgestattet wird - fuer die Intel-Ausfuehrung will sich IBM diesbezueglich noch nicht festlegen.

Schon laenger auf der Wunschliste von OS/2-Anwendern befindet sich eine "Multiple Input Message Queue": Die gemeinsame Nachrichten- Warteschlange fuer alle aktiven Programme, die unter dem Presentation Manager laufen, erwies sich bisher als Schwachstelle von OS/2. Ein abgestuerztes Programm, das die ihm zugedachten Messages nicht aus der Queue abholt, kann das gesamte System blockieren. IBM bleibt fuer beide Plattformen bei der "Single Input Message Queue", verspricht aber Verbesserungen, die verhindern, dass eine stoerrische Anwendung das System reaktionsunfaehig macht. Ein Patch soll fuer die Intel-Version noch vor dem Erscheinen von Merlin per Service-Pack verfuegbar gemacht werden.

Anwenderklagen ueber schwierige Installation und Wartung von OS/2 will IBM mit Unterstuetzung von Plug and play begegnen. Ausserdem soll die DOS-Altlast Config.sys einer Registry weichen. Auch die Skriptmoeglichkeiten von OS/2 werden sich verbessern, da IBM mit Object Rexx eine objektorientierte Sprache integriert. Orexx verfuegt ueber eine Bibliothek von systemnahen Funktionen und kann via Vererbung direkt vom System Object Model (SOM) profitieren.

Bei Online-Aktivitaeten will sich IBM auf das Internet konzentrieren. Alle Internet-Dienste sollen daher einfach ueber ein Programm, den Web-Explorer, erreichbar sein. Bis zur Fertigstellung von Merlin wird dieses Tool auch fuer Gopher-Dienste und den Empfang von Internet-Mails geeignet sein. Zudem passen die OS/2-Programmierer den eingebauten Newsreader fuer die Offline- Benutzung an und kuemmern sich um die Unterstuetzung fuer Suns Hot Java. Verschiedene Kommunikationsarten (wie Compuserve, Faxe, E- Mail inklusive Internet-Mail) will IBM nach dem Vorbild von Microsofts "Exchange Client" zentral ueber einen integrierten Lotus-Notes-Client (eventuell eine Light-Version) abwickeln.