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01.07.1977 - 

DV-Berater-Auswahl:

Lotterie mit niedrigen Gewinnchancen?

Wenn ich mich recht erinnere, hat Vater Diebold gerade festgestellt, daß in der Bundesrepublik mehr als 100 000 Computer installiert sind. Kleine, mittlere und große. Ich weiß nicht, in wie vielen Rechenzentren sie stehen, in kleineren, mittleren und großen. Aber keines dieser Rechenzentren und keiner der Computer- Anwender, vermute ich, ist bisher noch völlig ohne Berater ausgekommen - daher:

These 1: Es geht nicht ohne DV-Berater

oder, wie CHRISTIAN THOMASIUS schon 1710 schreibt:

"Wenn du siehest, daß du aus einer Sache oder Handlung, deren du genugsam kundig bist, Nutzen schöpfen kanst, du verstehest aber die Mittel nicht vollkömmlich, wodurch du dazu gelangen mögest; oder du bedarfst einer Sache, deren Güte und Art dir nicht bekandt ist, so erhole dich Raths bey erfahrnen und unparteyischen Leuten."

Aufgrund eigener Erfahrungen, aus Gesprächen mit Kollegen, aus Seminaren und aus der Literatur weiß ich, daß die Spanne der Urteile über die Arbeit mit DV-Beratern- gelegentlich handelt es sich sogar um die gleichen -von "unbrauchbar" bis "vorzüglich" reicht - deshalb:

These 2: Es gibt gute und weniger gute DV-Berater

oder, mit JESUS SIRACH (Apokryphen Kap. 37, Vers 8 und 9):

"Ein jeglicher Ratgeber will raten, aber etliche raten auf ihren eigenen Nutz. Darum hüte dich vor den Ratgebern. Bedenke zuvor, was sein Vorteil sei, denn er gedenket vielleicht, ihm selbst zu raten und will dich's wagen lassen."

Aus eben diesen Quellen, das heißt aus eigener Erfahrung, Gesprächen mit Kollegen, aus Seminaren und aus der Literatur kenne ich auch die Urteile von DV-Beratern über ihre Auftraggeber. Auch hier reicht die Spanisch von "unmöglich" bis "sehr gut"- ergo:

These 3: Es gibt gute und weniger gute Auftraggeber

oder, wie CHRISTIAN THOMASIUS schreibt:

"Wer bei andern Raths erholen will, der muß vor allen Dingen sich prüfen, ob er auff dem Wege der Weisheit oder der Thorheit stehe. Denen Thoren sind die Rathschläge und Maximen der Weisen nichts nütze, die Arglistigen missbrauchen dieselben die Albernen aber können sich deren gar nicht bedienen. Hingegen wer nach Weisheit strebet. . . der thut wohl, wenn er andere zu Rathe ziehet."

Natürlich haben, wie meistens im Leben, beide, Auftraggeber und DV-Berater, zugleich recht und unrecht.

Sagt schon Eugen Roth:

"Was man auch redet, schreibt und funkt, unheilbar bleibt der wunde Punkt."

Nun, ganz unheilbar ist der wunde Punkt, d. h. die Auswahl des richtigen DV-Beraters für die jeweils anstehende besondere Aufgabenstellung nicht - darum:

These 4: Ohne sorgfältige Analyse und Definition der Aufgabenstellung durch den Auftraggeber läßt sich kein nützlicher DV-Berater finden

oder, mit CHRISTIAN THOMASIUS:

"Wer guten Rath suchet, muß sich befleißigen die Sache darinnen er einen guten Rath braucht. . . mit allen Umständen deutlich zu erzehlen, denn der Unterschied des geringsten Umstandes ändert wohl die Regeln der Klugheit selbst, geschweige denn die Application derselbigen."

Hat man die Aufgabenstellung eindeutig analysiert und definiert - am besten formuliert man sie schriftlich -, sucht man sich unter den anerkannten Beratungsfirmen zwei oder drei aus, von denen man aus eigener oder fremder (Vorsicht!) Kenntnis weiß oder auch aus dem Leistungsangebot der Beraterfirmen ersehen kann, daß sie für eben diese besondere Aufgabenstellung kompetent ist, und wählt daraus im persönlichen Gespräch mit den Beratern denjenigen aus, bei dem die größte Chance für einen Haupttreffer besteht - summa:

These 5: Nur nach sorgfältigem Marktstudium läßt sich ein nützlicher DV-Berater für eine präzise definierte Aufgabenstellung finden

oder, mit unserem Freunde THOMASIUS:

"Wen man um Rath fraget, der muss nicht nur klug, sondern auch in der vorhabenden Sache erfahren und unpartheyisch sein. Erfahrne und unerfahrne kan man leicht von einander unterscheiden, wenn man nur selbst in der vorhabenden Sache Erfahrung hat. Wem es daran mangelt, der nehme sich wohl in Acht, dass er diejenigen nicht erfahren zu sein gläube, die man insgemein darvor hält. Die Stimme des gemeinen Volcks kan zwar zuweilen vor Gottes Stimme passieren, sie ist aber öffters ein Kennzeichen der Unerfahrnheit. Und ist das Beste, wenn sichs thun lässet, dass man erst in einer geringen Sache dergleichen Meynungen prüfet. Ob aber einer partheyisch oder unpartheyisch sey, müssen diejenigen, die ihn um Rath fragen soviel behutsamer untersuchen, je mehr und schlauere Arten sind, die Partheyligkeit zu verbergen als die Unerfahrenheit."

Dabei wird der ungeübte Auftraggeber, wenn er sich nur ausreichend Mühe macht, vor der Erteilung eines Beratungsauftrags den DV-Beratermarkt genau zu studieren, bald feststellen, was der alte Fuhrmann in leichter Abwandlung eines Verses von Eugen Roth eh' schon weiß:

"Ein Mensch sieht bald wie selten ist ein grundgescheiter Spezialist. Ja. schlaue Nörgler, dumme Hoffer- mit denen füllt man ganze Koffer."

In jedem Falle, ob der auszuwählende Berater nun Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) ist oder nicht, ist es nützlich, sich bei der Selbstprüfung und auch im Beratergespräch die "Grundsätze für die Berufsausübung der Unternehmensberater im BDU" als Kontrollfragen zur Qualitäts- Beurteilung vorzulegen in bezug auf:

- Fachliche Kompetenz

- Seriosität und Effektivität

- Objektivität und Neutralität

- Vertraulichkeit

- Unterlassen von Abwertung

- Fairen Wettbewerb

- Angemessene Preisbildung und

- Seriöse Werbung

Was andererseits der Berater vom Auftraggeber erwartet, sind insbesonders:

- Präzise Aufgabenstellung

- Rückhaltlose Informationsbereitschaft

- Faire Unterstützung

- Diskussionsbereftschaft auch bei unbequemen Vorschlägen.

Hält man sich an diese Grundsätze und Regeln und benutzt dazu noch den im folgenden skizzierten Fragebogen als Kontroll-Liste, sollte es möglich sein, einen brauchbaren Berater für nahezu jede Aufgabenstellung im DV-Bereich zu finden, ohne die Katze im Sack zu kaufen und das Risiko einzugehen, eine Niete zu ziehen.

Merke jedoch (mit Eugen Roth):

"Geduld hat leider keinen Sinn, wenn sie uns abreißt, mittendrin!"

Lit. CHRISTIAN THOMASIUS

"Kurtzer Entwurff der Politischen Klugheit sich selbst und andern in allen Menschlicher; Gesellschaften wohl zu rathen und zu einer gescheiden Conduite zu gelangen etc."

Frankfurt und Leipzig

Im Verlag Johann Grossens Erben 1710

Dipl.-Vwt. Heinz W. Bernhardt ist Direktor der Goetzewerke, Friedrich Goetze AG, Burscheid.