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15.05.1987 - 

1-2-3-Anbieter fordert mit IBM-Pakt den Wettbewerb im amerikanischen PC-Software-Markt:

Lotus fordert Microsoft und Ashton-Tate

CAMBRIDGE (CWN) - Für Unruhe in der amerikanischen PC-Software-Szene hat die Ankündigung der Lotus Development Corp. gesorgt. Im Rahmen eines Zehn-Jahres-Abkommens mit EBM zusammen verstärkt Produkte für den PC- und Mainframe-Bereich zu entwickeln und zu vertreiben (siehe auch COMPUTERWOCHE 19/87, Seite 12, vom 8. Mal 1987). Vor allem die wichtigsten Lotus-Kontrahenten Microsoft und Ashton-Tate fühlen sich herausgefordert.

IBMs bisherigem "Hoflieferanten" Microsoft scheinen die Felle davonzuschwimmen. Hatte sich der übermächtige PC-Betriebssystemanbieter noch 1986 einen Fünf-Jahres-Vertrag ergattern können, der ihm das Vorrecht gab, Single-User-Betriebssysteme für IBM-PCs und Kompatible zu liefern, so wurde der Stellenwert Microsofts nun durch den Lotus/IBM-Pakt relativiert. Betont Fred M. Zickers, Manager für Personal Computers bei der Eaton Corp., Cleveland: "Das neue Agreement hat Lotus und Microsoft auf eine Stufe gestellt, aber Microsoft hat dabei an Bodenverloren."

Der Betriebssystem-Gigant will jedoch keineswegs kampflos das (IBM-) Feld räumen. Immerhin konnte Microsoft im letzten Geschäftsquartal mehr Umsatz als das Lotus-Team einfahren. Geplant ist ferner, den Marktanteil bei Software-Applikationen im PC-Geschäft zu erweitern. Noch in diesem Jahr soll deshalb das integrierte Tabellenkalkulationsprogramm "PC Excel" auf den Markt kommen.

Lotus hingegen will nicht nur Microsoft von dem Umsatzspitzenplatz wieder verdrängen, sondern auch Ashton-Tate die Vorherrschaft im Bereich der PC-Datenbank-Software streitigmachen. So bewerten denn auch amerikanische Marktforscher Lotus' Ankündigung eines multiuserfähigen Management-Datenbank-Produktes, das in einer LAN-Umgebung zum Einsatz kommen und mit Unterstützung der Abfragesprache SQL arbeiten soll, als einen kühnen, aber nicht aussichtslosen Versuch, Ashton-Tate Marktanteile abzujagen. Zwar hält der DB-Produzent nach wie vor mit seinen DBase-Produkten den Löwenanteil bei Datenbanken für PCs, doch setzt IBMs neues Betriebssystems OS/2 auch bei anderen Herstellern neue Wettbewerbskräfte frei. Demzufolge, so Richard Finkelstein, Vice-President einer Chicagoer Beratungsgruppe, stünde Ashton-Tate derzeit unter großem Druck.

Roy Folk, Executive Vice-President und General Manager der Software Products Division des Unternehmen, erklärte, Ashton-Tate werde sich von Lotus nicht so einfach den Rang ablaufen lassen. "Wir haben die User auf unserer Seite, und in diesem Bereich werden die Standards den Ausschlag geben. Da wird Lotus noch eine Menge Arbeit haben." Lotus-Chairman Jim P. Manzi hingegen glaubt, daß andere Stärken das Unternehmen in die Lage versetzen, den Wettbewerb mit allen Datenbank-Anbietern aufnehmen zu können. "Ausschlaggebend ist zum einen die Technologie, zum anderen die Substanz der Company; hinzu kommt letztendlich die Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinen Kunden. In allen diesen Bereichen gebe ich uns die besten Chancen."

Beide Unternehmen setzen in ihrer künftigen Datenbank-Strategie auf die Abfragesprache SQL, die inzwischen zu einem Standard für DB-Anbieter im PC-Bereich geworden ist. Allerdings ist diese Sprache, die unter anderem den Zugriff von Mikros auf Mainframe-Datenbanken ermöglicht, schwer zu erlernen und nur wenig benutzerfreundlich. Aus diesem Grund wollen Lotus und Ashton-Tate ihren Benutzern auch ersparen, sich mit der SQL-Syntax herumschlagen zu müssen. Über das "Wie" schweigt sich zumindest Lotus aus. Von Unternehmenssprechern war nur zu erfahren, daß Lotus-Anwender nicht zu wissen brauchten, wie man die Sprache benutzen müsse. Mehr verriet Ashton-Tate - und glaubt deshalb die Nase vom zu haben. Der Datenbank-Experte setzt laut Folk auf die OS/2-Komponente "Communications Manager", die in der Extended-Edition des IBM-Betriebssystems unterstützt werden soll. "Wir können Kommandos von DBase III Plus in das Communication-Paket von IBM umsetzen, die sich wiederum in SQL-Kommandos umwandeln lassen", behauptet Folk.

Auch so manch Insider glaubt, daß Ashton-Tate die besseren Karten besitzt. Dazu Arthur Boyajian aus New York: Die DBase-Anwender mögen diese Datenbank. Deshalb wird es für Lotus nicht leicht sein, Ashton-Tate zu übertrumpfen."