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20.04.1990 - 

Weitere Zusammenschlüsse nicht ausgeschlossen

Lotus-Novell-Fusion wird den PC-Software-Markt verändern

SAN FRANZISKO/ MÜNCHEN (jm) - Der geplante Zusammenschluß der Lotus Development Corp. mit der Novell Inc. hat am Markt vor allem die Erwartung geweckt, daß sich der gesamte PC-Softwaremarkt dadurch verändern könnte. Dabei besteht Grund, diesen Deal nicht als letzten Fusionsschritt zu sehen.

Vor der Presse in San Franzisko beschworen Jim Manzi, alter wie neuer President und CEO sowohl von Lotus als auch der Fusionsfirma, und Ray Noorda, Novells CEO und zukünftiger Vice Chairman des neuen Unternehmens, noch einmal die zu erwartenden symbiotischen Effekte. "In unseren Überlegungen steht der Anwender an erster Stelle, dann kommen unsere Angestellten und am Schluß denken wir auch an unsere Aktieneigner", versuchte Noorda die Fusion mit dem Bemühen um Anwendernähe zu deklarieren.

Auf die Frage, ob es denn mit der am 6. April unterzeichneten Absichtserklärung zur Fusion sein Bewenden habe, ergingen sich die beiden Firmenchefs in mehrdeutigen Aussagen. Diese ließen durchaus die Interpretation zu, daß mit dem Vollzug des Zusammenschlusses zum Marktführer bei PC-Software avancierende Unternehmen bei seiner Zukunftsplanung weitere Fusi- onen ins Auge fassen könnte (Vgl. auch CW Nr. 15, Seite 1 "Der PC-Markt wächst zusammen...").

Enge zusammenarbeit mit Sybase

O-Ton Manzi: "Wir sind sehr daran interessiert, mit Firmen zusammenzuarbeiten, die die gleiche Auffassung von der zukünftigen Gestaltung des Marktes vertreten wie wir. Wordperfect und Sybase sind sehr gute Beispiele hierfür". Später unterstrich der Lotus-Chef, daß man mit Sybase sehr eng zusammenarbeite. Mit Wordperfect gibt es darüber hinaus ein TechnologietransferAbkommen, das --so Andreas Zeitler, Marketing Manager bei der Lotus Development GmbH - schon zu einer Zeit ab- geschlossen wurde, da Gespräche mit Novell noch nicht stattgefunden hatten.

So baute Lotus in die Presentation - Manager-Version seiner Tabellenkalkulation 1-2-3 Funktionen wie die shrinkingdialog-boxes ein, die den PM unterstützen. Diese wurden von Wordperfect für deren Textverarbeitungsprogramm übernommen.

Bernd Buchholz, Geschäftsführer der Novell GmbH, Düsseldorf, hatte die Frage zu möglichen weiteren Zusammenschlüssen ebenfalls abwägend beurteilt. Firmen, die mit einer am Markt starken Textverarbeitung und Datenbank-Software aufwarten können, seien potentielle Kandidaten.

Option auf weitere zehn Prozent

In das Konzept von Lotus paßt auch, das Spektrum von Applikationen über Tabellenkalkulationen hinaus auszudehnen. Im Hinblick auf die im Entstehen begriffenen Client-Server-Modelle scheint es deshalb sinnvoll, sich mit Sybase den Entwickler eines SQL-Servers zu verpflichten. Lotus sicherte sich bereits einen 15prozentigen Sybase-Aktienanteil mit der Option auf weitere zehn Prozent.

Frank King, Senior Vice President für Produktentwicklung bei Lotus und zuvor verantwortlich bei der IBM für die Entwicklung von DB2, PS/2 und OS/2, sitzt ebenso folgerichtig im Board of Directors von Sybase, um dort entscheidend die Entwicklung des SQL-Servers voranzutreiben.

Erklärtes Ziel von Lotus ist die Entwicklung von Front-end-Tools, mit denen der Anwender auf verteilte Daten zugreifen kann und für die der SQl-Server von grundlegender Bedeutung ist. Nochmals Manzi zu den strategischen Plänen des Unternehmens: "Wir machen die auch von den Kundenwünschenabhängig und von den Vorstellungen des Kunden, welche Datenbankmaschine er bevorzugt". Je homogener das Paket aus Software, Support und Service sei, das ein Unternehmen dem Anwender in Zukunft bieten könne, desto erfolgreicher werde es auch am Markt agieren.

Das Marktforschungsunternehmen IDC sieht in der geplanten Fusion von Lotus und Novell vor allem Vorteile für Novell vor allem Vorteile für die beiden Unternehmen: Novell würde es im Markt derverteilten Datenverarbeitung ein machtvollers Entree verschaffen. Obwohl Microsofts LAN-Manager hier bislang nur einen kleinen Marktanteil erobern konnte, mußte Novell auf sich allein gestellt gegen die LAN-Manager-Protagonisten IBM, DEC, HP und Microsoftselber bei Unternehmen um die Akzeptanz der Netzwerkbetriebssystem-Software "Netware" kämpfen. LeeDoyle, Netzwerkanalyst bei IDC, hierzu: "Die Fusion heißt, daß Novell den Einfluß dieser vier Unter-nehmen bei der Frage zukünftiger verteilter Datenstrukturen in Unternehmen eindämmen kann.

" Für die Lotus Corp. selber bedeutet der Zusammenschluß, daß sie aus ihrer Rolle als Ein-Produkt-Hersteller herauswächst und ein ernstzunehmender Wettbewerber im Bereich verteilter Systemewird. Sie kann jetzt IS-Manager mit kompletten Lösungen für unternehmensweite DV versorgen. Gleichzeitig erwächst nun Microsoft durch die Fusion von Lotus und Novell ein gleichwertiger Konkurrent.

Gleichwertige Konkurrenz für Microsoft

Sollten sich Gerüchte über weitere Zusammenschlüsse bewahrheiten, entstünde so ein PC-Software-Unternehmen, das die Strukturen des weltweiten Marktes in erheblichem Maße beeinflussen könnte. Wie antwortete doch Lotus-Manager Zeitler auf die Frage, ob eine Fusion der neuen Firmamit einem Textverarbeitungs- oder Datenbankentwicklungs-Unternehmen möglich sei?: "Hätten Sie mich vor einem Monat gefragt, ob ein Zusammenschluß mit Novell möglich ist, hätte ich gesagt: Nein."