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01.06.1990 - 

Unzufrieden mit OS2-Zeitplan

Lotus setzt zunehmend auf die Windows-Strategie

BOSTON/ MÜNCHEN (CW) - Immer lautstärker äußern Schlüsselunternehmen der DV-Branche wie Lotus ihren Unmut über die schleppenden OS/2-Fortschritte. Zunehmend richtet sich deshalb auch das Interesse des Spreadsheet-Entwicklers auf Windows und dessen neueste Version 3.0.

Frank Ingari, Vice-President und General Manager der Lotus PC-Software-Division, führte als Begründung für den Gesinnungswandel das unbefriedigende Tempo an, mit dem OS/2 sich zur Reife entwickelt.

Offensichtlich konzentriert man sich nicht mehr allein auf die Applikationsentwicklung für OS/2. Bei der Beurteilung der Zukunftschancen der miteinander konkurrierenden Microsoft-Produkte erwartet man bei Lotus ab 1992 ein Kopf-an-Kopf-Rennen von OS/2 und Windows im PC-Geschäft. Ingari ließ aber auch keinen Zweifel daran, daß man in Cambridge das Multitasking-Betriebssystem von William H. Gates als die bessere Benutzerumgebung ansieht.

Der Gesinnungswandel bei Lotus deutete sich schon vor Monaten an, als Spekulationen um eine Windows-3.0-Version von 1-2-3 in der Branche kursierten. Anläßlich der Ankündigung von Lotus 1-2-3/3.1 (Vergleiche CW Nr. 19 vom 11. Mai 1990, Seite 12, "Lotus stoppt textverarbeitung...") hatte der Geschäftsführer der Lotus Development GmbH in München, Willi Söhngen, diese Gerüchte dann bestätigt. Nur über den Zeitpunkt, wann die Tabellenkalkulations-Version für Windows 3.0 mit dem Codenamen "1-2-3/W" verfügbar sein werde, wollte Söhngen keine Aussage machen. Firmennahe Kreise rechnen mit einer Verfügbarkeit in der ersten Hälfte des Jahres 1991.

Für den Anwender bietet der Schwenk bei Lotus nicht ausschließlich Grund zur Freude: Der potentielle Lotus-Kunde hat die Qual der Wahl unter vier DOS-Versionen von 1-2-3, von denen wiederum drei im unterschiedlichen Maß OS/2 unterstützen, während immerhin noch zwei von diesen auch dem Windows-Nutzer mehr oder weniger komfortabel unter die Arme greifen.

Neben der Version 3.0 konkurriert vor allem die um Präsentationsmöglichkeiten erweiterte Version 3.1 mit der Windows-Applikation 1-2-3/W und für OS/2-Befürworter stellt Lotus das Presentation-Manager-Paket 1-2-3/G bereit.

Die für September 1990 erwartete Version 3.1 läuft sowohl unter DOS als auch Windows 3.0 und soll dessen Multitasking- und virtuelle Speicherverwaltungs-Möglichkeiten nutzen können. Angesprochen auf die verwirrende Produktvielfalt und insbesondere die sich überschneidenden Leistungsmerkmale von Version 3.1 und der zukünftigen Windows-Applikation gab Ingari zu: "Der einzige Grund, warum wir jetzt schon eine Windows-Version angekündigt haben, liegt an dem Wirbel, der um Windows 3.0 gemacht wird. Wir wollten unseren Kunden jetzt schon versichern, daß wir die aktuelle DOS-Erweiterung unterstützen werden."

1-2-3/W andererseits wird über die Funktionalität der Version 3.1 hinaus laut Ingari eine Benutzerschnittstelle aufweisen, die der des Presentation-Manager-Produkts 1-2-3/G gleicht. Ein Marktbeobachter meinte deshalb auch, 3.1 werde in dem Moment aus dem Markt gedrückt, wo der Anwender auf die Windows-Unterstützung rechnen könne.

Im wesentlichen soll 1-2-3/W durch vergrößerbare Fenster, Microsofts dynamischen Datenaustausch (DDE) und eine Benutzerschnittstelle nach IBMs Common User Access-Konvention (CUA) gekennzeichnet sein. "Anwender können heute unter mehreren Betriebssystemen und Hardwareplattformen wählen. Wir müssen deshalb alle unterschiedlichen Wünsche bedienen können," meinte Ingari zu der von IDC-Analysten kritisierten Produktvielfalt. Die Bedeutung von Windows für die zukünftige Planung bei Lotus unterstrich der Lotus-Manager noch durch die Bemerkung, man habe unbedingt mit einer Windows 3.0 unterstützenden 1-2-3-Version auf den Markt kommen wollen zu einem Zeitpunkt, da auch Microsoft sein neues Produkt vorstellte. +