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19.12.1997 - 

Ausschließlich für Warp 4

Lotus stellt OS/2-Variante von Smartsuite fertig

Beim ersten Start der Smartsuite 97 für OS/2 Warp 4 macht sich Verblüffung breit: Wären da nicht die OS/2-typischen Symbole für die Fenstersteuerung, könnte man, was man sieht, ebensogut für die bekannte Windows-Version des Office-Pakets halten - dieselben Symbole, dieselben Statusleisten, dieselben Menüs, dieselben Dialogboxen. Der Grund ist einfach: Im Gegensatz zu ihren Vorgängern ist die Smartsuite für Warp 4 keine echte OS/2-Entwicklung mehr, sondern wurde mit Hilfe der "Open-32"-Schnittstelle auf dieses Betriebssystem portiert. Sie erweitert das OS/2-API um die meisten Funktionen sowie Nachrichten der Win-32-Programmier-Schnittstelle und wurde mit der Version Warp 4 eingeführt. Die Smartsuite für OS/2 unterscheidet sich von ihrem Windows-Gegenstück lediglich durch die Hilfefunktionen und Standarddialoge, beispielsweise für das Öffnen und Speichern von Dateien. Diese entsprechen dem OS/2-Standard.

Wer also die Smartsuite für Windows kennt, findet sich auch unter OS/2 auf Anhieb zurecht und wird alle Funktionen an der erwarteten Stelle entdecken. Auch die "Infobox" ist vorhanden, die alle Eigenschaften eines Objektes zusammenfaßt und so eine schnelle Änderung aller Parameter erlaubt. Ironischerweise ist die Smartsuite gerade durch die Ähnlichkeit mit Windows besser an OS/2 Warp 4 angepaßt als ältere native OS/2-Programme, weil IBM das System zuletzt optisch an Windows anglich. So weisen Dialoge Reiter am oberen Rand auf und präsentieren sich nicht mehr im bekannten Notizbuch-Format.

Der Funktionsumfang der Smartsuite 97 entspricht erwartungsgemäß der Windows-Version. Es fehlen lediglich das "Smartcenter", eine Art Kommandozentrale für die Anwendungen des Office-Pakets, und "Screencam", mit dem sich Bildschirmaktivitäten aufzeichnen und als Animation wiedergeben lassen. Das ist aber kein großer Verlust, da die OS/2-Kontrolleiste "Warp Center" ohnehin auf dem Lotus-Tool beruht. Screencam ist für eine Portierung wohl zu systemnah. Das gilt übrigens nicht nur für OS/2: Auch unter Windows NT ist Screencam nicht voll einsatzfähig.

Die fünf Smartsuite-Hauptapplikationen sind dagegen vollständig vorhanden: die Tabellenkalkulation "1-2-3", die Textverarbeitung "Word Pro", das Präsentationsprogramm "Freelance", die Datenbank "Approach" und der Personal Information Manager "Organizer". Wie in der Windows-Version teilen sich die Programme gemeinsame Funktionen wie Rechtschreibprüfung oder Thesaurus. Trotzdem benötigt das ganze Paket bei voller Installation mehr als 150 MB auf der Festplatte. Damit entspricht der Platzbedarf jenem der Windows-Ausführung. Ähnliches gilt für die Geschwindigkeit: Sowohl das Laden als auch das Arbeitstempo ist auf beiden Plattformen zufriedenstellend, sofern genügend Arbeitsspeicher vorhanden ist. 16 MB sind als Minimum anzusehen.

Die Betaversion lief in unserem Test sehr stabil, obwohl sie einige spezielle Anpassungen des Betriebssystems benötigte, die laut Begleittext zur Inkompatibilität mit anderen Anwendungen führen können. Die Endversion der Smartsuite soll dagegen mit einem regulären Fixpack ausgeliefert werden, das die Kompatibilität nicht beeinträchtigt.

Keine Probleme mit der Kompatibilität gibt es dagegen beim Dateiaustausch mit den Win- dows-Versionen. "Word Pro 97" unter NT bemängelt beim Laden der OS/2-Datei lediglich den fehlenden Druckertreiber und nicht vorhandene Schriftarten. Wegen der hohen Kompatibilität kann die Smartsuite als erste Wahl in gemischten Umgebungen angesehen werden.

Neben der erheblichen Verspätung ist vor allem die Beschränkung auf Warp 4 ein Wermutstropfen, viele Anwender in Banken und Versicherungen nutzen nämlich noch ältere Versionen. Für diese schaffte es IBM in den fünf Jahren seit der Einführung des 32-Bit-Systems nicht, Büroanwendungen der ersten Garnitur anzubieten. Aufgrund dieses Versagens werden zahlreiche Kunden das Warten wohl schon aufgegeben und Migrationspläne in Richtung Windows NT ausgearbeitet haben.

*Thomas Markgraf arbeitet als freier Autor in MÜnchen.