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15.09.2000 - 

Vor der Verfügbarkeit von Exchange 2000

Lotus treibt die Office-Integration voran

Kannst du deine Feinde nicht schlagen, verbünde dich mit ihnen: Frei nach diesem Motto strebt Lotus eine noch engere Integration von Microsoft-Produkten in "Notes-Domino" an. Anwender sollen "MS-Office" am Arbeitsplatz nutzen können, ohne auf Domino verzichten zu müssen, so das Ziel der Initiative, die noch vor der offiziellen Verfügbarkeit von "Exchange 2000" Microsoft den Wind aus den Segeln nehmen soll. Michael Wagner* beschreibt die Produktstrategie.

Die Integration von Microsoft-Technik in Lotus-Produkte hat eine lange Tradition. Version 3 von Notes war Anfang der 90er Jahre eine der ersten Anwendungen, die Object Linking and Embedding (OLE) unterstützte. Notes galt lange Zeit als Referenzimplementierung für die Einbettung von OLE-Dokumenten. Neben dem einfachen Cut and Paste gab es aber nur wenige Makrofunktionen, die über Dynamic Data Exchange (DDE) sehr beschränkte programmiertechnische Integrationsmöglichkeiten in die Windows-Welt boten.

Ein Meilenstein war OLE-AutomationMit der Version 4 von Lotus Notes änderte sich das schlagartig. Das als überfällige Ergänzung zur Makrosprache entwickelte "Lotusscript" bot auch die Nutzung von OLE-Automation und damit die Steuerung von Windows-Anwendungen wie Microsoft Office. Die damit verbundenen Möglichkeiten manifestierte Lotus in der "MS Office Dokumentenbibliothek". Dabei handelt es sich um eine Domino-Anwendung, die neben der automatisierten Erzeugung und Speicherung von Office-Dokumenten auch Workflow-Funktionen sowie eine Internet-Schnittstelle enthielt.

Weitere Integrationsmerkmale, die seit Version 4 von Domino genutzt werden können, sind die Wahl von Microsofts Word für die Bearbeitung von E-Mail-Nachrichten, die Einbindung von Windows-Anwendungen in die Notes-FX-Workflow-Funktionen sowie die Unterstützung der ODBC- und MAPI-Schnittstellen. Auch die Administration der Domino-Server aus der Windows-Umgebung heraus wurde durch die Verzeichnissynchronisation und den Single Logon Service entscheidend verbessert.

Weitere Schritte in Version 5Version 5 von Domino bescherte bislang eine optionale Integration des "Internet Information Servers" für Web-Anwendungen und die Unterstützung der COM-Schnittstelle. Letztere erleichtert deutlich die programmiertechnische Einbindung von Windows-Funktionen in Domino-Applikationen und als erfreulichen Nebeneffekt auch die Entwicklung von Lotus-Anwendungen durch den Einsatz von Visual-Basic-Werkzeugen.

Diese ohnehin schon gut ausgebaute Integrationsbasis erweitert Lotus nun um ein Bündel weiterer Produkte. Dazu zählen "Domino Netstore", die "Domino Collaboration Objects", "OLE DB Connectors" sowie die "I-Notes"-Erweiterung für Microsoft Outlook und Internet Explorer. Unter Netstore wird ein Dateisystemzugang zu Domino-Datenbanken verstanden. Als eigener Laufwerksbuchstabe und Verzeichnisbaum präsentiert sich Netstore im Windows Explorer und in den entsprechenden Dialogen von Windows-Anwendungen. Dateien können damit aus der jeweiligen Anwendung oder per Drag and Drop in Domino gespeichert werden. Der bisher notwendige und umständliche Weg über Cut and Paste entfällt. Entscheidender Vorteil dabei ist, dass für die Nutzung von Domino als Dateisystem keine zusätzliche Client-Software notwendig ist. Es kommt direkt der Windows-Standard des Server-Message-Block-Protokolls zum Einsatz. Gleichzeitig können aber das Sicherheitsmodell und die Replikationsfähigkeit von Domino genutzt werden.

Netstore vereinfacht nicht nur die Speicherung von Office-Dokumenten, sondern bietet Organisationen auch neue Gestaltungs- und Steuerungsmöglichkeiten. So können etwa durch den Einsatz der Replikation die Dateisysteminhalte verschiedener Standorte automatisch miteinander abgeglichen werden. Dazu ist lediglich ein Domino-Server pro Standort, nicht jedoch der Einsatz von Notes-Clients für jeden Benutzer notwendig. Pikanterweise hat Microsoft vor einiger Zeit eine ähnliche Funktion für Exchange 2000 angekündigt. Lotus ist Microsoft hier nicht nur zeitlich zuvorgekommen, sondern bietet insbesondere in Verbindung mit der Intranet-Technologie von Domino weiterführende Möglichkeiten wie Volltextsuche und Workflow-Unterstützung.

Die Collaboration Objects kommen all den Windows-Entwicklern zugute, die auf Domino-Funktionen zugreifen wollen, dazu aber bislang aufwändig programmieren mussten. Mit den Objekten bietet Lotus erstmals COM-Komponenten für Mail, Kalender, allgemeine Ansichten, Verzeichnisdienste, Workflow-Funktionen und für die Administration. Über die entsprechenden Werkzeuge lassen sie sich einfach per Drag and Drop in Anwendungen einfügen. Die Entwicklung von Windows-Anwendungen mit Domino-Funktionen wird durch diese Integration erheblich vereinfacht. Waren bislang mehrere hundert Zeilen Programmcode notwendig, um zum Beispiel eine Domino-Datenbank aus einer Windows-Anwendung heraus anzusprechen, genügt nun die Einbettung und entsprechende Parametrisierung einer Ansichtenkomponente. Auf diesem Weg wurde auch die Integration von Werkzeugen wie Visual Basic, Visual C++ oder Active Server Pages deutlich intensiviert.

Eine ebenfalls leichter zu integrierende Alternative zu den bestehenden Datenbank-Interfaces der Lotus-Produkte stellen der neue OLE DB Connector und der Lotus Enterprise Integrator (LEI) dar. Dadurch entfällt die bisher umfangreiche Programmierung, wenn SQL Server 7 und Access-2000-Datenbanken in Domino-Anwendungen eingebunden werden sollen.

I-Notes erweitert Outlook und Internet ExplorerEine weitere Attacke in Richtung Redmond stellt der I-Notes-Client für Outlook und den Internet Explorer dar. Die Inhalte der Mailbox, des Kalenders, der To-do-Listen sowie des Adressbuches können mit I-Notes nun auch lokal gespeichert und für die Volltextsuche indexiert werden. Insbesondere die Nutzung von I-Notes für Web-Anwendungen eröffnet neue Möglichkeiten, da Datenbestände in Verbindung mit Web-Browsern systematisch verwaltet und mit zentralen Informationen abgeglichen werden können. Auf Basis der Domino-Offline-Services (Dols) lassen sich Domino-Web-Anwendungen über den Browser auch ohne Verbindung zum Internet nutzen. Mobilen Anwendern kommt dabei zugute, dass sie eine Information unabhängig von der Online-Verbindung mit der gleichen Benutzer-Schnittstelle bearbeiten können wie in der gewohnten Intranet-Umgebung. Dafür ist nun kein Notes-Client mehr notwendig, sondern lediglich die Installation und Konfiguration der I-Notes-Zusatzsoftware für den Internet Explorer oder Netscape Navigator.

Als weitere Schritte innerhalb der Domino-Welt plant Lotus eine engere Anbindung an die System Management Console von Windows 2000, die alternative Authentifizierung des Web-Zugriffs über das Active Directory sowie die Unterstützung von COM+, DCOM und des Terminal-Servers.

*Michael Wagner arbeitet als Berater und Publizist in München.

Halbes "Mobile Notes"Bis Anfang 2001 will Lotus zwar ein WAP-kompatibles Notes auf den Markt bringen, ob dann aber auch Palm-PDAs unterstützt werden, die immerhin 70 Prozent des amerikanischen Handheld-Markts ausmachen, steht nach wie vor in den Sternen. Derzeit liefert Lotus so genannte Mobile Services für Domino (MSD) aus: Ein Server, der die Endgeräte mit Notes-Content versorgt, dafür aber einen Micro-Browser voraussetzt, den PDAs üblicherweise nicht integriert haben.

Auch bei den WAP-Telefonen gibt es derzeit noch Probleme. MSD unterstützt die Handheld Markup Device Language (HDML), die bei vielen WAP-Handys jedoch nicht zu gebrauchen ist. Ein Support der für solche Geräte benötigten Wireless Markup Language (WML) soll allerdings beim nächstgrößeren Release-Wechsel von MSD nachgerüstet werden.