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Java-Strategie im Mittelpunkt


06.12.1996 - 

Lotus treibt Notes-Umbau zur Web-Plattform voran

Marktbeobachter machen die Zukunft des führenden Groupware-Produkts Notes besonders davon abhängig, wie schnell Lotus dessen Umbau zu einer offenen Internet-Plattform vollziehen kann. Als strategisches Ziel dieser Umgestaltung erachtet es die IBM-Tochter, Web-Browser als möglichst gleichberechtigte Notes-Clients zuzulassen. Zum Lieferumfang des Lotus-Produkts gehört sowohl Netscapes "Navigator" als auch der "Microsoft Internet Explorer".

Freilich kollidiert die vehement betriebene Öffnung gegenüber Internet-Standards mit bestehenden Interessen. Der Browser als Front-end würde die Einnahmen eliminieren, die derzeit durch den Verkauf der proprietären Client-Software anfallen.

Um dem vorzubeugen, sollen in die eigenen Clients gängige Browser-Eigenschaften integriert werden: Dazu gehören die Darstellung von Hypertext Markup Language (HTML) 3.2, die Unterstützung für Java-Anwendungen sowie Active-X-Controls und die Berücksichtigung zahlreicher Plattformen. Zudem steht fest, daß dem Notes-eigenen Front-end einige Funktionen vorbehalten bleiben, darunter das User-Management.

Der Browser als Front-end setzt voraus, daß Notes-Server Daten im HTML-Format anbieten. Nachdem bereits der "Internotes Publisher" Notes-Dokumente im Batch-Modus nach HTML konvertierte, beherrscht der Nachfolger "Domino" nun die dynamische Generierung von HTML-Seiten.

Domino läuft als Notes-Server- Prozeß und beinhaltet neben der Konvertierungroutine einen Hypertext-Transfer-Protocol- (HTTP-) Server. In der nächstes Jahr erscheinenden Notes-Version, die den Namen "Domino 5.0" tragen soll (Untertitel "powered by Notes"), wird Lotus voraussichtlich den HTTP-Server nicht mehr fest mit der HTML-Konvertierung verbinden. Diese Maßnahme bietet Anwendern die Möglichkeit, Web-Server anderer Hersteller zu benutzen.

Zwar ist Domino schon heute in der Lage, die grafische Dastellung von Informationen weitgehend nach dem Vorbild des proprietären Notes-Clients aufzubereiten, insgesamt ist der Browser jedoch noch weit davon entfernt, ein gleichwertiges Front-end zu sein. Defizite liegen vor allem bei den Replikationsfähigkeiten und dem Zugriff auf Notes-Anwendungen.

Erstere sind besonders für mobile Anwender relevant, die Dokumente offline bearbeiten wollen, um sie später mit dem Server abzugleichen. Lotus kündigte daher für Anfang nächsten Jahres den "Weblicator" an, der gängigen Web-Browsern zu Replikationsfähigkeiten verhelfen soll. Es handelt sich dabei um einen Proxy-Server, der auf der Client-Maschine abläuft. Er beschränkt sich nicht auf das Caching von Web-Seiten, sondern kann HTML-Dokumente inklusive Grafiken und Java-Applets in einer lokalen Datenbank permanent abspeichern. Weblicator soll zuerst für Win- dows 95 und NT, später aber auch für alle Systeme angeboten werden, für die ein Notes-Client existiert.

Weiterhin bestehende Defizite in Sachen Replikation verdankt der Browser vor allem Notes-Anwendungen. Da der Weblicator nur dynamisch erzeugte HTML-Seiten entgegennimmt, nicht aber Notes-Datenbanken inklusive integrierter Agents repliziert, bekommt der Browser Lotusscript gar nicht zu sehen. Solche Routinen werden deshalb nur vom proprietären Notes-Client ausgeführt.

Entwickler müßten ihre Anwendungen anpassen, damit Browser mit Scriptprogrammen überhaupt in Berührung kommen: Es wäre erforderlich, sie in HTML-Dokumente einzubetten. Allerdings besteht weiterhin das Problem, daß keiner der gängigen Browser über einen Interpreter für die Basic-Variante Lotusscript verfügt.

Da Lotus davon ausgeht, daß sich Java und Javascript als Standards etabliert haben, will das Softwarehaus darauf verzichten, Browser um die hauseigene Scriptsprache zu erweitern, beispielsweise über Plug-ins. Statt dessen möchte der Hersteller gleich die Entwicklungssprache für Notes auf Java und Javascript umstellen, Lotusscript aber weiterhin unterstützen.

Diese Entscheidung ist für Anwender nicht unproblematisch. Umsteiger von Notes 3 auf die Version 4 ließen sich vor allem durch die Vorteile der Basic-Sprache gegenüber den alten -Kommandos überzeugen. Die Freude an Lotusscript ist nun allerdings durch die Aussicht getrübt, daß die Lotus-eigene Sprache schon bald hinter Java und Javascript die zweite Geige spielen wird.

Bei Javascript kann Lotus im Moment eine Alpha-Version des Interpreters vorweisen. Er soll nächstes Jahr fertiggestellt werden und läßt sich dann nachträglich auf bestehenden Notes-Servern installieren. Er soll zum Lieferumfang von Domino 5 gehören.

Ehrgeizig sind die Java-Pläne der IBM-Tochter, die ihr Flaggschiff zu einer Plattform für verteilte, plattformunabhängige Anwendungen machen möchte. Schon Domino 4.5 wird sowohl Client- als auch Server-seitig eine virtuelle Maschine für Java beinhalten. Die nächstes Jahr erscheinende Folgeversion 5 wird zusätzlich beim Client einen Javabeans-Container umfassen. Der Domino-Server soll seinerseits zum Javabeans-Publisher werden. Hinzu kommen die Unterstützung für das Internet Inter-ORB-Protocol (IIOP) sowie Java-Klassen, mit denen Entwickler auf die Notes-APIs zugreifen können. Damit bietet Lotus die Basis für Java-Anwendungen, die über das Internet Messaging- oder Sicherheitsdienste von Notes in Anspruch nehmen können.

Lotus positioniert Notes für den elektronischen HandelDie umfassende Java-Strategie zielt auch darauf ab, Browser mit Hilfe von herunterladbaren Applets mit Funktionen aufzuwerten, die über HTML oder Scripts nicht zu implementieren sind. Lotus will deshalb nicht nur die Java-Infrastruktur anbieten, sondern darüber hinaus mit Suns Programmiersprache eine Reihe von Business-Anwendungen, die "Lotus Components for the Internet", entwickeln.

Einen Beitrag zur Umstellung des Intranet-Informationsflusses von einem Pull- zu einem Push-Modell soll "Domino Broadcast" leisten. Es verbindet den Domino-Server mit Pointcasts "I-Server", der ausgesuchte Informationen, beispielsweise von Nachrichtenagenturen oder Börsendiensten, an die Pointcast-Client-Software weitergibt. Letztere wurde als Bildschirmschoner für Windows realisiert und hat inzwischen weite Verbreitung gefunden. Eine solche kombinierte Lösung hat den Vorteil, daß einkommende Nachrichten über Notes direkt in den Workflow eines Unternehmens eingespeist werden können.

Lotus unternimmt nicht nur erhebliche Anstrengungen, Notes für die Intranet-Herausforderung zu rüsten, sondern will die Groupware auch als Plattform für den elektronischen Handel im Internet positionieren.

Ein Eckpfeiler dafür wird "Domino Merchant" sein. Dieses Notes-Add-on umfaßt Funktionen für die verschiedenen Stufen eines Kundenkontaktes: Das Blättern in elektronischen Katalogen, Aufgabe von Bestellungen, Überprüfung von Kreditkarten, Verfolgung des Bestellprozesses, nachfolgende Werbung und Verkaufsanalyse. Zur Erstellung von Web-Sites, besonders aber von Online-Katalogen beinhaltet es das Authoring- und Site-Management-Werkzeug "Domino Action". Domino Merchant soll Anfang 1997 auf den Markt kommen und weniger als 5000 Dollar kosten.

R/3 und Peoplesoft als Notes-Alternativen

Durch die Integration mit Notes bietet diese Software für elektronischen Handel eine durchgängige Entwicklungsumgebung zur Verwaltung von Bestellungen: Sie können zu ihrer Weiterverarbeitung beispielsweise in den firmeninternen Workflow eingebunden werden. Wollen Anwender die Abwicklung von Aufträgen nicht in Notes realisieren, so bietet ihnen Lotus über Lotusscript-Extensionen die Möglichkeit, auf SAPs R/3-Business-API zuzugreifen. Eine ähnliche Unterstützung wird Lotus bis Ende des Jahres für "Peoplesoft 6.0" anbieten.

Was die Bearbeitung von Bestellungen anbelangt, kann Notes im Vergleich zu anderen Lösungen als Vorteil verbuchen, daß es über Schnittstellen zu IBMs CICS und MQ Series eine gute Anbindung an Unternehmensdaten auf Mainframes besitzt. Diese soll zusätzlich durch die eben fertiggestellte Version 2.0 von "Notespump" verbessert werden, die eine erweiterte Unterstützung für IBMs DB2-Datenbank enthält.

Ebenfalls auf Internet-Installationen zielt der "Notes Global Designer", der momentan in einer Betaversion vorliegt, die von http://www.lotus.com heruntergeladen werden kann. Es handelt sich dabei um ein Tool, das die Entwicklung mehrsprachiger Anwendungen beschleunigen soll. So lassen sich mit seiner Hilfe länderspezifische Glossare erstellen.

Außerdem für Internet-Anbieter und große Anwender von Interesse sind die eben angekündigten "Domino Advanced Services", die Clustering und Partionierung von Domino-Servern erlauben. Diese Zusatzdienste, die etwa 1000 Dollar kosten sollen, unterstützen zudem mehrere Web-Sites auf einer Domino-Installation.