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26.06.1998 - 

Interessenkonflikte prägen deutsche Notes-User-Konferenz

Lotus verunsichert Anwender und Partner

Um die LSA entzündete sich ein Konflikt zwischen Lotus und den Business-Partnern, der aufgrund zunehmender Konkurrenz zwischen den beiden Parteien schon länger schwelt. Die IBM-Tochter beschränkt sich mit ihrem Consulting- und Schulungsgeschäft nämlich nicht mehr, wie ursprünglich geplant, auf Großkunden, sondern macht sich auch im Mittelstand, der Domäne der Business-Partner, breit. Für Christian Becker, Geschäftsführer des Düsseldorfer Systemhauses Infobest, ist die Konkurrenz durch den Notes-Hersteller unübersehbar. "Wir machen sehr viel Direktakquise und rufen jedes Jahr Hunderte Firmen an. Fast alle größeren mittelständischen Anwender berichten uns, daß sie bereits mit Lotus Consulting oder einer anderen IBM-Tochter in Kontakt stehen." Auch am lukrativen Schulungsbetrieb möchte Lotus lieber selbst verdienen. "Wenn Lotus Consulting in einem Unternehmen tätig ist, dann schicken sie Anwender für Schulungen nicht zu einem Partner, sondern zu Lotus Education oder IBM", moniert Ulrich Schöll, Inhaber eines Trainingszentrums in Darmstadt.

Mit der LSA unternimmt die deutsche Lotus-Niederlassung den Versuch, einen Anwendungskern vorzugeben und diesen für die Applikationsentwicklung verbindlich zu machen. Die darin enthaltenen Module decken allerdings Funktionen ab, die viele Partner schon selbst anbieten können.

Überzogene Preisvorstellungen von seiten der IBM-Tochter und die Aussicht auf zusätzliche Komplexität, mit der die LSA gerade bei kleineren Anwendungen schaden könnte, ließen die Wogen hochschlagen (mehr zur LSA in der nächsten Ausgabe).

Vor allem die Großanwender begrüßten aber die Aussicht auf Standardisierung in der Notes-Entwicklung, auch wenn die meisten nicht an ihr Gelingen glauben wollten. Ihnen bereitet nicht nur die mangelnde Kompatibilität zwischen den zahlreichen Anwendungen verschiedener Hersteller Probleme. Die IBM positioniert Notes gerade bei Banken und Versicherungen immer stärker für das operative Geschäft. Ein Applikationskern sollte die Entwicklung der dafür nötigen, komplexen Programme unter Einbindung von Legacy-Anwendungen beschleunigen. Freilich zeigten Teilnehmer in ihren Wortmeldungen nur wenig Bereitschaft, für diese Zusatzfunktionen extra zu bezahlen, und forderten, daß die LSA Bestandteil des Systems werden müsse.

Im Gegensatz zu anderen Anwendervereinigungen sind in der DNUG sowohl Anwender als auch Hersteller in Form der Business-Partner organisiert. Die widersprüchlichen Interessen der beiden Gruppen beschränken die Handlungsmöglichkeiten des Vereins. Während andere User-Gruppen die Anwenderinteressen gegenüber Herstellern offensiv vortragen, fährt die DNUG aufgrund ihrer Konstellation gegenüber Lotus einen Schmusekurs. Für letzteren verantwortlich sind vor allem die Business-Partner, die in den DNUG-Konferenzen in erster Linie ein Forum zur Kundenakquisition sehen und dabei nicht durch Kritik an Notes gestört werden wollen.

Im Fall der LSA hätten einige von ihnen die DNUG wohl gerne als Anwalt für ihre Sache gesehen, aber Business-Partner, die noch keinen eigenen Anwendungskern haben, begrüßen die LSA, weil sie damit ihren Entwicklungsrückstand aufholen können. Aufgrund dieser strukturellen Unfähigkeit zur Interessenvertretung fand die DNUG einen Kompromiß und definiert sich als "Kommunikationsdrehscheibe".