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07.08.1992 - 

Copyright-Verletzung bestätigt

Lotus wehrt sich erfolgreich gegen den Erzrivalen Borland

BOSTON/MÜNCHEN (CW) - Einen Prestige-Erfolg gegen die Borland International Inc. hat der größte Wettbewerber, die Lotus Development Corp., errungen. Borland ist von einem Bostoner Richter aufgefordert worden, das Menü der Spreadsheets - Quattro und Quattro Pro zu verändern, weil einzelne Bestandteile offensichtlich illegal vom Konkurrenzprodukt Lotus 1-2-3 kopiert worden seien.

"Borland hat Elemente von 1-2-3 übernommen, die dem Copyright-Schutz unterliegen und einen substantiellen Teil des Programms ausmachen", schrieb Richter Robert E. Keeton nach einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" in der Begründung seiner Verfügung: "Daraufhin hat Lotus Anklage erhoben, und nun ist Borland haftbar", heißt es dort lapidar.

Borland kritisiert das Gerichtsurteil

In einem Gerichtsverfahren, das für Anfang November dieses Jahres anberaumt wurde, sollen weitere Punkte geklärt werden - darunter die Frage, ob und in welcher Höhe Lotus Anspruch auf Schadenersatz erheben kann. Außerdem, so teilt Lotus mit, sei man an einer Unterlassungserklärung von Borland interessiert, um so das Problem endgültig aus der Welt zu schaffen.

Borland hält das Urteil für "schlecht für den Kunden und fatal für die Innovation allgemein". Das Unternehmen hatte die Lotus-Kompatibilität von Quattro und Quattro-Pro nie verheimlicht. Es wurde für selbstverständlich erachtet, daß die Menüs und Menü-Kommandostrukturen in 1-2-3 nicht unter die Copyright-Bestimmungen fallen.

Vice-President Spencer Leyton betont, daß der Fortschritt in Frage gestellt werde, wenn Software-Entwickler bei jedem Produkt das Rad aufs Neue erfinden und mit jeder Entwicklung vom Scratch aus beginnen müßten. Dennoch hat sich Borland bereit erklärt, den strittigen Programmbereich - die Menükommandos und deren Hierarchie - abzuändern beziehungsweise aus dem Programm zu nehmen.

Der deutsche Geschäftsführer Wolfgang Schröder hält diese Maßnahme für unumgänglich, denn nur so könnten weitere rechtliche Konsequenzen vermieden werden. Da es sich aber im Grunde nur um einen einzigen strittigen Menüpunkt handle, auf den die meisten Borland-Anwender ohnehin verzichten könnten, entstünden dem Unternehmen, keine allzu großen Schwierigkeiten.

Schröder betont, sein Unternehmen habe auf eine schnelle Beendigung des Verfahrens gedrängt, weil man in dem Rechtsstreit zwischen Computer Associates und Altai einen Präzedenzfall gesehen und sich daher auf der sicheren Seite gewähnt habe (siehe auch CW Nummer 29 vom 17. Juli 1992, Seite 14: "US-Gericht schützt den Code...").

Um so überraschender sei dann die Urteilsverkündigung verlaufen, gegen die sein Unternehmen mit Sicherheit Berufung einlegen werde. Bei Borland hegt man nun Mißtrauen gegen den US-Richter Keeton, der auch im Copyright-Streit zwischen Lotus und der Paperback Software International für den 1-2-3-Anbieter entschieden hatte.

In den Vereinigten Staaten hat dieses verfahren einigen Staub aufgewirbelt. So wird vermutet, daß Lotus - ermutigt durch diesen Erfolg - auch gegen den Softwareprimus Microsoft gerichtlich vorgehen könnte. Geschäftsführer Jim Manzi könne geltend machen, daß einige Features der Tabellenkalkulation Excel von Microsoft ebenfalls eine auffallende Ähnlichkeit zum eigenen Spreadsheet aufwiesen.

Insider gehen davon aus, daß sich schon bald das oberste Bundesgericht oder sogar der Kongreß mit dem Thema beschäftigen muß. "Wenn Gerichte in dieser Frage unterschiedliche Standpunkte einnehmen", so der Bostoner Rechtsanwalt Lee Gesmer gegenüber dem "Wall Street Journal", dann wird es Zeit, daß der Kongreß ein neues Gesetz festschreibt oder daß das oberste Bundesgericht einen Präzedenzfall akzeptiert, damit geklärt ist, wie das Recht in solchen Fällen aussieht."