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13.03.2009

Lotus wird zum Türöffner

Stefan Höchbauer, Chef der Software Group von IBM Deutschland, sprach mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann über Project Liberate, IBMs SaaS-Pläne und über die derzeitige SOA-Akzeptanz der Anwender.

CW: Mit Project Liberate bieten Sie Unternehmen eine kostenlose Beratung, wie sie Microsoft-Lizenzkosten sparen können. Was hat IBM davon, wenn die Dienste kostenfrei sind?

HÖCHBAUER: Bei Project Liberate geht es nicht primär darum, Kunden davon zu überzeugen, weniger Microsoft-Lizenzen einzusetzen. Zunächst handelt es sich um eine umfassende Beratung, bei der dem Kunden aufgezeigt wird, wie er unter Beibehaltung vorhandener Microsoft-Software Lizenzkosten einsparen kann. In einem zweiten Schritt zeigen wir ihm, wenn er möchte, auch kostengünstige Alternativen aus unserem eigenen Produkt-Set auf.

CW: Welche Produkte?

HÖCHBAUER: Wir denken in erster Linie an die Collaboration-Produkte unserer Lotus-Notes-Familie. Hier können wir preislich interessante Alternativen bieten, die sich hervorragend in die Microsoft-Welt integrieren lassen. Project Liberate als solches dreht sich aber ausschließlich um die Lizenz- und Vertragsberatung. Wir erheben damit nicht automatisch den Anspruch, Migrationsprojekte beim Kunden einzuleiten. Wenn dieser allerdings Interesse zeigt, offerieren wir beispielsweise auch weiterführende Migrationsservices und entsprechende Lösungen unserer Software Group.

CW: Mit Lotus Live offeriert IBM jetzt auch Collaboration-Anwendungen über ein SaaS-Modell und eröffnet damit eine weitere Front gegen Microsoft. Welche SaaS-Angebote planen Sie in diesem Kontext?

HÖCHBAUER: Unsere Angebote im Bereich SaaS positionieren wir im Rahmen unserer Cloud-Strategie. Weil SaaS sich derzeit primär um Applikationen dreht, sehen wir hier zunächst unsere Collaboration-Suite Lotus Live. Wir diskutieren aber auch, ob es Sinn ergibt, klassische Infrastrukturprodukte über ein SaaS-Modell anzubieten, beispielsweise Tivoli oder Software aus dem Bereich Information-Management. Im ersten Schritt geht es uns vorrangig darum, ISVs unsere Produkte anzubieten, damit sie auf dieser Basis eigene SaaS-Modelle entwickeln können, die dann auf einer IBM-Cloud-Infrastruktur oder auch in Cloud-Umgebungen von Anbietern wie Amazon laufen.

CW: Welche Auswirkungen hat das Trendthema Cloud Computing auf das klassische Software-Lizenzgeschäft der IBM?

HÖCHBAUER: Ich glaube nicht, dass sich das Geschäftsmodell dadurch grundlegend verändert. Natürlich wird es noch weitere SaaS-Angebote geben. Doch das klassische Lizenzmodell behält seine Berechtigung. Es wird durch Cloud Computing nicht ersetzt, sondern ergänzt.

CW: IBM gehört seit Jahren zu den großen Protagonisten der Service-orientierten Architektur (SOA). Die amerikanische Analystin Anne Thomas Manes hat SOA für tot erklärt und damit eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Wie reagiert IBM darauf?

HÖCHBAUER: Es gibt sicher Kunden, bei denen wir im Moment mit dem Thema SOA keine offenen Türen einrennen. Der Begriff ist ohne Zweifel ein Stück weit abgegriffen. Wenn wir das Thema aber konkretisieren und darstellen, was SOA etwa im Sinne von Business-Process-Management bedeutet, können wir sehr wohl den Mehrwert deutlich machen. Das zeigen unsere Erfahrungen mit Kunden. Vor diesem Hintergrund sehe ich nicht, dass SOA tot sein soll. Ganz im Gegenteil. SOA beschreibt auch eine Strategie der Standardisierung und Kapselung von Daten und Funktionen. Und komponentenbasierende Architekturen, Anwendungen, Mashups bis hin zu Desktop-Gadgets und Widgets sind heute allgegenwärtig.

CW: Aber stehen SOA-Projekte angesichts der Wirtschaftskrise nicht verstärkt auf dem Prüfstand?

HÖCHBAUER: Die Anforderung, Geschäftsprozesse effizienter zu verwalten, hat jedes Unternehmen. Im Moment stehen deshalb grundsätzlich alle IT-Investitionen unserer Kunden auf dem Prüfstand. Die Kriterien, die für SOA-Projekte gelten, also beispielsweise Fragen nach der Produktivität oder dem Beitrag zur Wertschöpfung in den Unternehmen, gelten auch für alle anderen IT-Vorhaben. Ich sehe nicht, dass es gerade im Bereich SOA heute schwieriger ist, Budgets für neue Projekte zu bekommen.