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29.01.1999 - 

Lotusphere '99: Notes als Integrationsplattform

Lotusphere '99: Notes als Integrationsplattform Integration stark - Entwicklung noch lückenhaft

ORLANDO (ws) - Der Wandel von "Lotus Notes", das ursprünglich als PC-Groupware konzipiert war, hin zum Enterprise-Tool macht in der Version 5.0 erhebliche Fortschritte. Die IBM-Tochter positioniert dabei den "Domino Server" als Web-Applikations- Server, der sich besonders zur Integration von Alt- und ERP- Anwendungen eignen soll.

Wie auch andere Anbieter von Web-Applikations-Servern sehen die Lotus-Verantwortlichen den Hauptnutzen des Domino Servers darin, neben standardbasierter Neuentwicklung die Integration bestehender Anwendungen in eine Web-Umgebung zu erlauben. Auf diese Weise lassen sich Informationen aus Back-end-Systemen an praktisch alle Arbeitsplätze bringen, während die proprietären Clients von SAP & Co. durchschnittlich nur auf 20 Prozent der Desktops im Unternehmen installiert sind. Im Unterschied zu diesen Front-ends ist Anwendern der Umgang mit Browsern oder Notes- Clients zumeist geläufig und erfordert keinen zusätzlichen Lernaufwand.

Auffällig ist allerdings, daß Notes im Vergleich zu den wichtigsten Repräsentanten dieser relativ neuen Produktkategorie wie "Netdynamics" von Sun, "Application Server" von Inpirse oder "Apptivity" von Progress nicht transaktionsorientiert ist. Dafür eignet sich die Dokumenten-orientierte Lotus-Groupware aber besonders zur Verknüpfung von "weichen" und "harten" Informationen. Typische Funktionen der Groupware lassen sich beispielsweise dazu nutzen, dem festen Workflow eines Enterprise- Resource-Planning-(ERP-)Systems zusätzliche Genehmigungsschritte vorzuschalten. Die Replikationsfunktion von Notes erlaubt es zudem Außendienstmitarbeitern, Daten aus kaufmännischen Anwendungen auf den Client zu replizieren und nach der Anbindung an das Firmennetz zwischenzeitlich eingegebene Informationen zurückzuspielen.

Dreh- und Angelpunkt bei der Einbindung bestehender Anwendungen sind die schon im letzten Jahr ankündigten "Domino Enterprise Connection Services" (DECS) sowie der Nachfolger von Notes Pump, "Lotus Enterprise Connector" (LEI). Gegenüber den bisher dafür genutzten "Lotusscript Extensions" zeichnen sich die DECS durch höhere Leistungsfähigkeit und bessere Integration mit den Back- end-Systemen aus. So erlaubt der R/3-Connector den Mail-Austausch zwischen Domino und SAP-Office ohne Einsatz eines Simple-Mail- Transfer-Protocol-(SMTP-)Gateways. Lotus hat das Ziel, DECS für die verbreitete Standardsoftware sowie Transaktionssysteme anzubieten. Bei letzteren existiert bereits ein Connector für Bea Tuxedo. Bis April möchte die IBM-Tochter zudem acht generische Applikationen zur Verfügung stellen, die den Zugriff auf Back-end- Systeme, unter anderem auf SAPs Human Resources (HR) leisten. Allerdings sollen nur Business-Partner und nicht Endanwender Zugang dazu haben.

Während bei der Integration von bestehenden Anwendungen der Domino Server in erster Linie eine Mittlerrolle spielt und dabei Transaktionen auf den Back-end-Systemen nur auslöst, stellen neue, Browser-basierte Anwendungen unter Umständen Transaktionsanforderungen direkt an den Web-Applikations-Server. Der Domino Server ist für hohes Transaktions-Aufkommen nicht ausgelegt und bekommt daher ab der Version 5 IBMs "Websphere" zur Seite gestellt. Dessen Standardausführung soll künftig zum Lieferumfang von Domino gehören. Während also Notes aufgrund seiner Groupware- und Messaging-Funktionen gegenüber der Konkurrenz bestimmte Vorteile bei der Integration vorhandener Applikationen hat, müssen Anwender bei der Neuentwicklung unter Umständen eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Systemen in Kauf nehmen.

Mit dem Streben nach Enterprise-Klasse und der dort erforderlichen Fähigkeit zur Entwicklung komplexer Anwendungen ließ Lotus seinem Flaggschiff einige Verbesserungen bei der Programmierung angedeihen. So bietet der jetzt aus dem Notes-Client ausgegliederte "Designer" eine Übersichtdarstellung an, so daß der Code nicht mehr bloß in Fragmenten angesehen werden kann. Außerdem lassen sich Java- und Javascript-Programme direkt in die Entwicklungsumgebung eingeben.

Trotz einiger Verbesserungen wartet Notes als Entwicklungsplattform allerdings noch mit einigen Inkonsistenzen und Defiziten auf. So ist das bisher für Client und Server übergreifende Programmierung gedachte Lotusscript für Browser unverständlich und reduziert sich daher faktisch auf die Entwicklung von Server-Agents. Für den Web-Client ist wiederum Javascript erforderlich, das Lotus aber nicht für die Server- Programmierung unterstützt. Im Gegensatz zu Agents werden Servlets nicht in einer Notes-Datenbank gespeichert, sondern im Dateisystem. Sie werden daher nicht repliziert. Ein gravierendes Defizit des Designers sind zudem die weiterhin fehlenden Teamfunktionen.

Wie es sich auf der Hausmesse Lotusphere zeigte, will die Company die Attraktivität von Notes als Entwicklungsplattform zukünftig nicht durch große Anstrengungen beim Designer erhöhen, sondern durch die Öffnung von Domino gegenüber gängigen Programmierwerkzeugen. Angekündigt wurde in Orlando dazu das Tool- Bundle "Domino Application Studio". Es enthält neben dem Designer unter anderem Web-Werkzeuge aus dem Hause Netobjects, IBMs "Visual Age for Java" und das Java-Büropaket "E-Suite". Es soll 695 Dollar kosten, während für den Designer alleine schon 495 Dollar zu zahlen sind.

Öffnen wollen die Softwerker ihr Produkt auch für die beiden verbreiteten Komponentenmodelle Common Object Request Broker Architecture (Corba) und Component Object Model (COM). Bereits Domino 5 macht alle Objekte des Domino Object Model als Corba- Objekte von außen zugänglich, eine entsprechende Distributed-COM- (DCOM-) Unterstützung soll in einem Zwischenrelease folgen.