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09.05.1997 - 

IT in der Touristik/40 000 Mark monatlich an Telefongebühren gespart

LTU: Ein durchsatzstarkes Corporate Network macht es möglich

Bis 1994 wurde die Kommunikation zwischen der LTU-Zentrale in Düsseldorf, der LTU Süd sowie der hundertprozentigen LTU-Tochter Jahn Reisen GmbH, beide in München, über bandbreitenschwache 64-Kbit/s-Mietleitungen abgewickelt. An den Weitverkehrsschnittstellen übernahmen Brücken vom Typ Translan des Herstellers Vitalink die Vermittlung des Datenverkehrs. Der Backup zwischen den einzelnen Standorten erfolgte über 64-Kbit/s-Datex-L-Verbindungen, wobei bei Ausfall der Festverbindung die Zweitstrecke jeweils manuell zu schalten war. Eine in der Vergangenheit ausreichende Konstellation, zumal an den einzelnen Standorten lediglich mehrere DEC-Terminal-Server das Kommunikationsbild bestimmten und dort jeweils rund hundert asynchrone Terminals und Drucker Verarbeitungsintelligenz vorhielt.

Am Standort LTU Süd kamen zusätzlich zwei DEC/VAX-Workstations in einem DEC-Net-LAN zum Einsatz, über die neben dem Datenaustausch auch zahlreiche Anwendungen in den Bereichen Flugbetrieb, Ersatzteillagerhaltung, technische Koordination der Flugzeugwartung erfolgten. Der Telefonverkehr wurde auf herkömmliche Weise über analoge Verbindungen der Deutschen Telekom abgewickelt.

Bis 1995 liefen bei LTU immerhin unternehmensweit monatlich etwa 200000 Mark an Telefongebühren ein. "Weil fortan eine lückenlose 24-Stunden-Verfügbarkeit der Leitungsverbindungen zu garantieren war", so Netzadministrator Klaus Oost, "sollten zudem durchsatzstarke und automatische Backup-Verbindungen zum Einsatz kommen." Für die künftig hohe Verfüg- barkeit gab es gute Gründe: Bei der LTU in Düsseldorf und der LTU Süd in München werden Flugzeuge vom Typ Airbus A 330-300, Boeing 757, Boeing 767 und 4 MD-11 Tri Jet - insgesamt 25 Maschinen sind derzeit im Einsatz - rund um die Uhr gewartet. Und jede Stunde, die ein Flugzeug am Boden verweilt, verursacht Kosten in beträchtlicher Höhe. Aber auch zwischen der LTU in Düsseldorf und der Unternehmenstochter Jahn Reisen war eine hohe Netzverfügbarkeit gefordert. Denn die Reisebuchungen in München werden zur Weiterverarbeitung zum DEC- und Tandem-Host in Düsseldorf geschickt. Fällt die Verbindung aus, gehen auch keine Buchungen ein.

Im Juli 1994 erfolgte die Projektausschreibung, an der die Anbieter Siemens, Digital Equipment, Motorola sowie Datus teilnahmen und die Datus GmbH in Aachen das Rennen machte. "Ausschlaggebend für den Zuschlag war, daß Datus mit seinen WAN-Switch-Systemen als einziger Anbieter mit einer Backup-Lösung aufwarten konnte, die keinen gesonderten Einsatz von Extrakomponenten - immer zusätzliche potentielle Fehlerquellen - erforderte", bringt Rechenzentrumsleiter Horst Riecken- brauk den wichtigsten Entscheidungsgrund auf den Punkt.

Bereits im Dezember 1994 ging das Projekt an den Start. Datus wurde mit der kompletten Installation und Konfiguration des künftigen Corporate Networks betraut. Netzwerkadministrator Oost beschreibt, wie die Weitverkehrsnetz-Architektur künftig aussehen sollte: "Zwischen allen drei Standorten sollten 2-Mbit/s-Standleitungen geschaltet und der Sprach-/Daten-Verkehr dabei über einen Transitknoten bei Jahn Reisen geführt werden. Durch die Anbindung von LTU Süd über den Standort Jahn Reisen an die LTU in Düsseldorf konnten wir so auf die Anmietung einer zweiten 2-Mbit/s-Strecke von München nach Düsseldorf verzichten und damit die monatlichen Leitungskosten erheblich reduzieren. ISDN (S2M) sollte als Übertragungstechnik zum Einsatz kommen.

Erst die Sprache, dann die Daten

Als Backup-Verbindungen waren S2M-Wählverbindungen vorgesehen. Über die WAN-Switch-Systeme sollte sowohl der TCP/ IP- als auch der Netware-IPX- und DECnet-Verkehr integriert werden." Datus-Knoten sollten künftig die Vermittlung des Sprach- und Daten-Verkehrs im WAN inklusive der automatischen Backup-Schaltung übernehmen.

Der Projektablauf sah vor, erst die Sprachverbindungen zwischen den Siemens-Hicom-Tk-Anlagen in der LTU-Zentrale und LTU Süd herzustellen und genauestens zu prüfen. Erst dann folgte die Integration des Datenverkehrs. Riekenbrauk: "Dieser Weg schien uns der bessere zu sein, nachdem wir uns mit einem anderen Datus-Anwender, der Gothaer-Versicherung in Köln, beratschlagt hatten. Dort war es bei der gleichzeitigen Integration beider Kommunikationsformen zu Startproblemen gekommen."

Bereits Ende Januar wurden die vorkonfektionierten Knoten an den drei Standorten angeliefert. "Am 10. Februar hatte sie Datus installiert", erinnert sich Riekenbrauk, "und wir konnten über das Weitverkehrsnetz telefonieren und faxen." Für die Sprachübertragung hatte man auf den Festverbindungen jeweils 4 x 64 Kbit/s fest zugeordnet.

Aber ganz so zufriedenstellend verlief die Realisierungsphase dann doch nicht. Der Klang beim Telefonieren war anfangs dumpf. Außerdem traten wiederholt störende Quietschgeräusche auf. Gravierender waren die Probleme zwischen Düsseldorf und Jahn Reisen in München. Hier fehlte manchmal das Freizeichen, um den ankommenden Anruf entgegennehmen zu können. Außerdem kam es zeitweise zu einer Vermischung von Telefonaten. "Nach dem Austausch eines defekten Moduls, einigen Konfigurationsänderungen und einer Feinabstimmung bei der Sprachkomprimierung waren die Störungen jedoch behoben", betont Oost. "Bereits Mitte März 1995 konnten wir fehlerfrei und in guter Qualität zwischen allen Niederlassungen telefonieren und faxen."

Zur Komprimierung der Sprachdaten hatte man sich für LD-CELP (Low Delay - Code Exited Linear Prediction Coding) entschieden, um den Durchsatzbedarf auf ein Minimum zu reduzieren, ohne Qualitätseinbußen bei der Ausgabe hinnehmen zu müssen. LD-CELP entspricht der ITU-T-Empfehlung (International Telecommunication Union) G.728 und ermöglicht auf der ITU-T-Bewertungsskala MOS (Mean Option Score), die von eins (schlecht) bis fünf (exzellent) reicht, bei Komprimierung um Faktor vier einen Wert über vier zu erreichen.

Entsprechend wird auch bei der LTU der Bandbreitenhunger der Sprachübertragung auf ein Viertel reduziert. Weil man im Weitverkehrsnetz über das D-Signalisierungs-Protokoll Cornet-N von Siemens kommuniziert, kann man beim Telefonieren zudem auf die komplette Funktionspalette der Leistungsmerkmale zurückgreifen. Der Grund: Cornet-N wird von den Datus-Knoten vollständig unterstützt, "vor allem aber die Leistungsmerkmale Rückruf, Rufumleitung und Konferenzschaltung", so Oost.

Parallel mußten die WAN- Switch-Systeme ihre Multiprotokoll-Fähigkeit unter Beweis stellen, denn neben den Hicom-Anlagen in Düsseldorf und bei LTU Süd war zusätzlich eine Tk-Anlage von Bosch-Telenorma bei Jahn Reisen mit dem Signalisierungsprotokoll 1TR6 ins Corporate Network zu integrieren. Eine Prüfung, die die Knoten auf Anhieb bestanden. Sie unterstützen parallel eine Vielzahl an Signalisierungsprotokollen, neben Cornet-N und 1TR6 unter anderem TNET, DPNSS, DSS1 und QSIG.

Ende März hatten dann die Datus-Spezialisten auch die Datenübertragung im Weitverkehrsnetz umgesetzt und die unterschiedlichen LAN-Verkehre - TCP/IP, DECnet und IPX - auf dem Weitverkehrs-Backbone integriert. Zwölfmal 64 Kbit/s wurden auf den 2-Mbit/s-Festverbindungen für den Datenverkehr reserviert. Für den Fall, daß die Bandbreiten, sowohl bei der Daten- als auch bei der Sprachübertragung knapp werden sollten, können die Sprach- beziehungsweise Datenkanäle in kurzer Zeit umkonfiguriert und vom Datus-Knoten dynamisch zugewiesen werden. Da aber auf absehbare Zeit im Corporate Network der LTU mit durchgehend 2 Mbit/s ausreichend Bandbreite für die Sprach- und Datenübertragung vorhanden ist, wird diese Funktionalität vorerst nicht benötigt. Auch das Zusammenspiel zwischen den WAN-Switch-Systemen und den DEC-Routern vom Typ Brouter 90, die man Ende 1994 direkt von Digital Equipment bezogen hatte, klappte problemlos.

Oost: "Die Verbindungen wurden getrennt und einfach auf die neuen WAN-Switch-Systeme aufgesetzt. Die Kommunikation lief auf Anhieb."

Dennoch kam es auch bei der Integration des Datentransfers in der Testphase zu kleinen Problemen, diesmal mit der Backup-Schaltung. So wurde nach dem Wiederaufbau der Primärverbindung nicht automatisch die Ersatzstrecke abgebaut. Nach einigen Umkonfigurationen war aber auch dieser Fehler schnell behoben. Alles in allem äußern sich Rieckenbrauk und Oost zufrieden über das Projektergebnis. Sie bezeichnen die mittlerweile ausgiebigen Erfahrungen mit dem Corporate Network als gut - auch wenn es zwischenzeitlich im zweiten Halbjahr 1995 vereinzelt zu Problemen beim Backup-Aufbau im Netz kam, ausgelöst durch den WAN-Switch am Standort Jahn Reisen. "Nach Einspielen verschiedener Softwareversionen in den WAN-Switch-Systemen und umfangreichen Tests läuft die Sprach- und Datenkommunikation seit Januar 1996 jedoch ohne Beanstandungen", so Oost.

Die hohe Verfügbarkeit ist nicht nur ein Produkt leistungsstarker Backups. Um eine hohe Verarbeitungs- und Kommunikationssicherheit zu garantieren, wurden zudem die Stromversorgungseinheiten und die Supervisor-Module in den Systemen doppelt ausgelegt. Auch für Zugriffssicherheit ist gesorgt. Anrufe sind über Rufnummerntabellen im Knoten auf ihre Zulässigkeit hin prüfbar und eingehende Kommunikationsströme über Filter in den DEC-Routern steuerbar. Potentielle Fehlerquellen werden über das Netz-Management-System XNM5 ausgemacht, über das auch das Konfigurations-Management erfolgt. "Zur Zufriedenheit", wie Oost versichert.

Auch das Verhältnis von Investitionen, Leistungszuwachs und Kosteneinsparungen erscheint ausgeglichen: 900000 Mark hat die LTU in das neue Corporate Network investiert und dabei unternehmensweit durchsatzstarke 2-Mbit/s-Verbindungen und -Backups etabliert sowie eine nahezu hundertprozentige Netzverfügbarkeit erreicht. "Eine Kommunikationsbasis auch für die Zukunft", wie Riekenbrauk herausstellt. "Gleichzeitig sparen wir Monat für Monat rund 40000 Mark an Telefongebühren." Garanten dafür sind nicht nur die kombinierte Übertragung von Sprache und Daten über die Datenleitungen und die Anwendung einer leistungsfähigen Komprimiertechnik.

Über die WAN-Switch-Systeme setzt man darüber hinaus auf Least Cost Routing, um jedes Telefonat und Fax jeweils auf dem kostengünstigsten Weg durchs kombinierte LTU/Jahn-Reisen-Netz zu schicken. Auch bei der Kommunikation mit externen Teilnehmern wird via Least Cost Routing gespart: Eine in den Hicom-Tk-Anlagen gespeicherte Tarifzonentabelle der Deutschen Telekom ermöglicht für jedes Telefonat und Fax die Anwahl des kostengünstigsten Wegs zu Teilnehmern außerhalb des Corporate Networks, in dem automatisch der tarifgünstigste Austrittsknoten angewählt wird. Als Break-out-Punkte ins öffentliche Netz dienen in diesem Fall alternativ die Austrittsknoten in der Düsseldorfer LTU-Zentrale und bei LTU Süd.

Angeklickt

Die LTU verfügte über eine System- und Verbindungslandschaft, die allmählich ans Ende ihrer Kapazitäten stieß. Grund genug, daß 1995 die Terminals gegen PCs eingetauscht wurden und in allen drei Standorten unter TCP/IP Client-Server-Architekturen mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf den lokalen und Weitverkehrsverbindungen Einzug hielten. Als koordinative "Gewalt" ist das Netzwerkbetriebssystem Netware 4.10 im Einsatz. Um Gebühren einzusparen, übertrug man im Rahmen eines Corporate Networks parallel auch den Telefon- und Fax-Verkehr auf die Datenverbindungen.

* Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.