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09.09.1994

LTU setzt auf Speichersysteme von Micro Technology "Stingray II" reduziert die Wartezeit auf etwa die Haelfte Von Fabian Sprengel*

DV-Kunden sind nicht laenger von einem Hersteller abhaengig. Zumindest bei einigen grossen Unternehmen und Konzernen ist die Vorstellung aus der Welt, das alles von einem grossen DV-Hersteller stammen muss. Mehr und mehr kommen kleinere Hersteller und Drittanbieter bei grossen Konzernen zum Zuge. Ein Beispiel hierfuer ist die Entscheidung der LTU-Fluggesellschaft, in ihren Rechenzentren Technologie von Drittanbietern einzusetzen.

Die LTU-Flugzeuge (LTU und LTU Sued) haben allein im Jahr 1993 mehr als 15 Milliarden Passagierkilometer zurueckgelegt. Neben den beiden Gesellschaften gehoeren zur LTU-Gruppe grosse deutsche Reiseveranstalter, die unter dem Dach der LTU-Touristik zusammengefasst sind. Hierzu zaehlen die Transair, die Hotelmanagement- und Beteiligungsgesellschaft LTI International Hotels, das Catering-Unternehmen LTC und die Incoming-Agenturen Go America, Go Caribic, Go Mexico, Go Thailand sowie Hartmann Incoming & Incentives.

Hohes Datenaufkommen

Bei einer deratigen Konzerngroesse fallen naturgemaess viele Daten an, die zum Teil "Just in Time" verarbeitet werden muessen. Allein in der Finanzbuchhaltung (auf die im Folgenden naeher eingegangen wird) entstehen bei dieser Konzerngroesse bis zu 15 000 Buchungen pro Tag.

Um dieses Arbeitspensum zu bewaeltigen, bedient sich die LTU zweier VAX-CI-Cluster (RZ), die ueber 100-Mbit/s-Glasfaserleitungen miteinander verbunden sind.

"Ausgestattet mit einer ehrwuerdigen VAX 8820 und sechs HSC- kontrollierten Shadow-Sets aus schon recht betagten und zudem noch ueber 90 Prozent gefuellten RA8x- beziehungsweise RA9x- Plattensystemen von Digital Equipment (DEC) waren unsere Buchhalter gezwungen, die eine oder andere unfreiwillige Pause einzulegen. Hier musste dringend Abhilfe geschaffen werden, um den sich abzeichnenden Zusammenbruch des Systems zu verhindern", erinnert sich Michael Brauer, Leiter EDV-Produktion und AV bei der LTU in Duesseldorf.

Der Durchsatz ermoeglichte keine kontinuierliche Eingabe von Belegen und das permanente Umschaufeln von Daten hatte manchen Eingriff in den Produktionsablauf zur Folge.

Es musste also dringend eine Loesung fuer die Massenspeicher gefunden werden. Ziel war es, nur die Platteneinheiten auszutauschen und die existierenden DV-Systeme weiter zu nutzen. Am Anfang der Ueberlegungen wurde bei DEC nach einer Loesung gefahndet und die LTU erhielt ein Angebot fuer Storage Works. Das war jedoch bald aus dem Rennen, weil DEC diese Speicherloesung zum gewuenschten Zeitpunkt nicht liefern konnte. Weitere Anfragen bei verschiedenen anderen Herstellern wurden ergebnislos abgebrochen. Eine Umfrage bei grossen DEC-Anwendern (Krupp, Barclays Bank) brachte bei der LTU den amerikanischen Speicherspezialisten Micro Technology (MTI) ins Gespraech. Dieser hatte einen Plattenserver (Produktbezeichnung Stingray II) entwickelt, der die Probleme der LTU zu loesen schien.

Doch fuer die DV-Verantwortlichen bei der LTU war damit die Entscheidung noch nicht gefallen. "Sind wir doch eine Company, die, waeren wir IBM-Kunde, als True-Blue gelten wuerde. Fremdhersteller hatten, ausgenommen bei Druckern, schon immer einen schweren Stand bei uns."

Den Ausschlag gab letztendlich die ueberlegene Technologie und Leistung, die der Stingray II Plattenserver gegenueber den DEC- Systemen bot.

Stingray II bietet mehr SCSI-Kanaele als ein DEC HSJ-40-System. Darueber hinaus lassen sich an einen Stingray II-Server bis zu 49 Geraete an jeden CI-Controller anschliessen. Der HSJ-40 bringt es auf 42 bei nicht redundanten Controllern. Ferner bietet Stingray Funktionen wie Hot Disconnect und Dual Port, die ein HSJ-40-System nicht oder nur eingeschraenkt zur Verfuegung stellen kann.

Auch die Cache-Groesse war von entscheidender Bedeutung. Je Stingray-System lassen sich optional bis zu 896 MB grosse Caches modular (in 64-MB-Schritten) implementieren. Diese Faktoren und der Preis gaben den Ausschlag zugunsten des MTI-Systems.

Bei diesem Server handelt es sich um ein Mitglied der "Universal Storage Architecture" (U.S.A.) von MTI. Mit seiner offenen Massenspeicher-Architektur ist die einfache, problemlose Portierung der Speicherelemente von VMS- oder Unix-Servern bei einem Wachstum der Datenverarbeitung in groessere VAX/VMS- oder Unix-Computer mit anderen Anschlusstechnologien, wie dem DSSI- oder CI-Bus gewaehrleistet. Hierdurch erreicht der DEC-Anwender eine Flexibilitaet, die es bislang nicht gab. Der heterogene Datenserver kann sowohl als DSSI-, CI- (DEC) und FDDI-Server als auch als TCP/IP- und NFS-basierter Server eingesetzt werden.

Dies war bei der LTU von besonderer Bedeutung, da bei diesem Unternehmen beide Bussysteme von DEC seit ihrer Verfuegbarkeit verwendet werden.

Das Wunschsystem der LTU sah dabei wie folgt aus:

- 2 Highboy-Gehaeuse

- 2 Stingray II-Server

- 2 SRCC-Karten pro Server mit 128 MByte Cache pro Karte

- 2 SR 120-Platten

- 4 SR 200-Platten

- 8 SR 210-Platten

Alle Platten mussten aus Sicherheitsgruenden als Host-Based-Shadow- Set konfiguriert werden.

Die relativ kleinen aber sehr schnellen SR 120-Drives wurden fuer Systemkomponenten wie ausfuehrbare Dateien, Batch-Dateien, Bibliotheken und Basisdaten, sowie applikationseigene Autorisierungsdateien, eingeplant. Listen, Logbuchdateien und weniger zeitkritische Daten wurden den beiden SR 200-Platten zugeteilt, waehrend der grosse Rest auf die SR 210-Drives verteilt wurde.

Die Ueberpruefung der Komponenten nach der Lieferung ergab nach Aussagen von Brauer keinerlei Anlass zu Nachbesserungen durch den Hersteller.

Umfangreiche Tests bei der Installation

Eine Woche spaeter wurde das System ohne Unterbrechung des Tagesgeschaeftes installiert und den gaengigen Funktionstests unterzogen. Insgesamt verwendeten die LTU-Techniker vier Tage, um die Platten und das Serversystem bis an ihre Leistungsgrenze zu belasten. Neben der UETP-Utility wurden auch Tests mit kopierten Daten und Applikationskomponenten aus der Buchhaltung benutzt, um so einen realitaetsnahen Testverlauf zu gewaehrleisten. Waehrend dieser Tests traten nach Angaben von Brauer keine Fehler beziehungsweise Fehlermeldungen auf. Wiederum eine Woche spaeter wurden bei der LTU Teile der Applikation auf die neue Umgebung geladen und in Betrieb genommen.

Neben der Installation der Plattenserver wurde auch die CPU des Computersystems in zwei Schritten ausgebaut. Zunaechst tauschte man die VAX 8820 gegen eine 6510-Anlage. Grund hierfuer war, dass das 8820-System bedingt durch die aeltere Technik im CI bereits mit den existierenden Platten seine Leistungsgrenze erreicht hatte und keine Vorteile in der Performance mehr liefern konnte. Wie von den Systemverantwortlichen der LTU schon erwartet, kam es jedoch nach kurzer Zeit zu Problemen mit der CPU-Leistung, die jedoch durch einen erneuten Ausbau des Systems auf eine VAX 6610 behoben werden konnte.

Bereits nach kurzer Zeit konnten bei der LTU drastische Verbesserungen bei den Zugriffen der einzelnen Platten beobachtet werden. Werte von 300 bis zu 616 Ein- und Ausgaben (E/A) pro Sekunde sind heute keine Seltenheit mehr. Im Vergleich zu den Erfahrungswerten der alten Konfiguration (RA8x- und RA9x-Platten), die den Angaben zufolge eine maximale E/A-Rate von 70 bis 75 Operationen pro Sekunde hervorbrachte, ergibt sich durch den Einsatz von Stingray II im LTU-Rechenzentrum eine Leistungssteigerung von rechnerisch 300 Prozent. Laufende Prozesse koennen nun mit bis zu 250 Ein- und Ausgabeoperationen pro Sekunde vom Serversystem bedient werden. Der Vergleichswert mit der alten Konfiguration betrug hingegen nur 55-60 Ein- und Ausgaben. Dazu Brauer:

"Die vom Monitoring-System ermittelten Werte der E/A- Warteschlangen lagen bei der alten Konfiguration zwischen 2 und 3. Laut heutiger Disk-Monitor-Statistik liegen diese Werte nun weit unter 0,5."

Die Auswirkungen dieser Verbesserungen lassen sich am Beispiel einiger Zahlen aus den LTU-Applikationen besonders deutlich machen.

Eine nicht optimal implementierte, aber haeufig genutzte Teilfunktion benoetigte bei der alten Loesung zur Aktivierung zirka 38 Sekunden. Durch den Einsatz von Stingray II liegt der Wert nun bei der gleichen, nicht optimal implementierten Applikation zwischen 2,2 und 5,5 Sekunden. Die relativ hohe Differenz zwischen diesen beiden Werten ist mit dem Fuellgrad der Cache-Module zu erklaeren.

Ein weiteres Beispiel fuer den Leistungszuwachs ist die Zeitreduktion beim monatlichen Provisionslaufs von sechs auf zwei Stunden. Bei den von der LTU durchgefuehrten Provisionslaeufen werden die Vermittlungsgebuehren ermittelt (Provisionen), die die Reisebueros fuer ihre Aktivitaeten bekommen. Bei diesem Vorgang werden Forderungen gegen Gutschriften aufgerechnet und die Differenz in Form eines automatisch erstellten Schecks bezahlt. Hierzu sind die Datensaetze aus den einzelnen Reiseverkaeufen pro Agentur (Reisebuero) zusammengefasst. Fuer jeden Datensatz werden offene Posten gebildet, ausgeglichen und so weiter. Der Zugriff auf die gespeicherten Daten ist sehr haeufig.

Kaum noch Wartezeiten

Nach Aussagen der Buchhaltung der LTU entstehen waehrend der normalen Buchungsvorgaenge nur noch in Einzelfaellen Wartezeiten. Generell erklaeren die Benutzer, dass eine Verbesserung der Reaktionszeit um 50 Prozent bei der taeglichen Arbeit festzustellen sei. Es ist somit gewaehrleistet, dass nach der Ablage eines Beleges die Eingabe des naechsten ohne die bisher notwendige Wartezeit vonstatten gehen kann. Ein aufwendiger und zeitraubender Vorgang war bei Buchhaltung auch das Bearbeiten von Verteilungsbuchungen. Bei dieser Art von Buchungsvorgaengen wird der Wert anteilig gebucht. Dies bedeutet: Von einem Betrag X werden 5 Prozent auf eine Tochtergesellschaft, 12 Prozent auf eine andere, 30 wiederum auf eine andere Tochtergesellschaft verteilt und dort als Kosten verbucht. Hier arbeitet die LTU unternehmensuebergreifend, was natur-

gemaess eine Menge EDV-technischer Konsistenzpruefungen, sprich Ein- und Ausgaben, zur Folge hat. Unter acht Minuten konnte eine solche Aktion unter den alten Konfigurationsparametern nicht durchgefuehrt werden. Seit der Umstellung auf Stingray II nimmt dieser Vorgang in der Regel nur noch knapp eine Minute in Anspruch.

Aehnliche Verbesserungen lassen sich nach Aussagen von Brauer auch bei den Reorganisationen feststellen. Die RMS-Indexed-Dateien werden zunaechst mit ANALYSE/RMS/FDL-Funktion analysiert, ueber EDI/FDL/NOINTER optimiert, zum Teil in sequentielle Dateien ausgegeben und mit der CONVERT Utility wieder aufgebaut. Die betroffenen Dateien bestehen aus bis zu 400 000 Bloekken auf der Festplatte und koennen durchaus eine Million Saetze enthalten. Heute benoetigt die Reorganisation nur noch eine anstatt der sonst ueblichen drei Stunden fuer eine Einzelverarbeitung.

Der monatliche Gesamtlauf, der nach dem oben erwaehnten Muster durchgefuehrt wurde, hatte in der Vergangenheit ein komplettes Wochenende in Anspruch genommen. Seit der Umstellung auf die MTI- Systeme muss der gleiche Lauf erst ab Samstag Nachmittag durchgefuehrt werden. Dies bringt erhebliche Vorteile bei der Batch-Verarbeitung, die vorher bei rechen- und speicherintensiven Applikationen nicht mehr moeglich war.

Ein Korrekturlauf fuer vier abgelaufene und drei verbuchte Monate benoetigte zirka zwei Stunden. Diese Zeit wurde bisher fuer einen abgelaufenen Monat eingeplant. Bei diesem Vorgang werden alle vorhandenen Buchungen auf ihre technische Korrektheit ueberprueft. Das heisst, Verzweigungen von der Rechnung zum Journal, zum offenen Posten und gegebenenfalls zurueck.

Brauer sagt stolz: "Verspaetungen in der Produktionsausgabe hat es seit der Installation von Stingray II nicht mehr gegeben."