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02.12.1988 - 

Nach Gewinneinbruch soll Nixdorfs "Unternehmenskultur" erneuert werden:

Luft will gegen Selbstzufriedenheit kämpfen

MÜNCHEN (ujf) - Mit einem Revirement ihrer zweiten Führungsebene will Nixdorf die angespannte Situation überwinden und die "Weichen für die neunziger Jahre stellen". Während vor allem auf Vorstandsvize Arno Bohn harte Arbeit wartet, gucken die Aktionäre in die Röhre: Der Wert der Vorzugsaktie sackte unter den Ausgabekurs, die Dividende wird gekürzt.

Große Verwirrung um das, Paderborner DV-Unternehmen in der Wirtschaftspresse: In einer Meldung der Agentur AP/Dow-Jones vom 14. November aus Boston hatte es zunächst geheißen, weltweit erwarte "Nixdorf nach eigenen Angaben für den kommenden Jahresabschluß einen Umsatzanstieg von rund elf Prozent auf rund 5,6 Milliarden Mark. Der Ertrag werde auf Vorjahresniveau gehalten und damit die versprochene ,Dividendenkontinuität' gesichert". Die Westfalen dementierten allerdings diese verblüffende Nachricht schon am folgenden Tag: "Die bisherige Ertragsentwicklung gewährleistet aus heutiger Sicht nicht die Ausschüttung einer Dividende in Vorjahreshöhe."

In der vorsichtig formulierten Information der Nixdorf-Pressestelle wird indes nicht behauptet, die Agentur habe die "Ente" verschuldet oder das Erwähnte sei nicht gesagt worden. Dies hätte auch bedeutet, entweder den eigenen Vorstandschef öffentlich zu korrigieren oder den renommierten Wirtschaftsdienst falschen Zitierens zu zeihen. AP hatte nämlich - laut "Wall Street Journal" - Aussagen von "Mr. Luft" auf einer Pressekonferenz in Boston wiedergegeben (in der Nähe der Hauptstadt von Massachusetts entsteht das neue US-Hauptquartier von Nixdorf).

Was Klaus Luft auch in Boston gesagt haben mag - die Stimmung in Paderborn ist nicht die beste. Denn ein vor gut zwei Wochen verkündetes Revirement der zweiten Führungsebene warf mehr Fragen auf, als es beantwortete. So werden die neuen "Bereichsvorstände", die aber nicht dem eigentlichen Vorstand angehören sollen (siehe Kasten), "direkt" an Luft-Vize Arno Bohn berichten, dem in der neuen Organisationsstruktur die Oberaufsicht über den in vier Sparten unterteilten weltweiten Vertrieb obliegt.

Daß dem zweiten Mann im Hause diese Schlüsselrolle zugedacht wurde, schuf einen hervorragenden Nährboden für die wildesten Gerüchte, etwa, daß ein Abgang von Vorstandsboß Klaus Luft unter Dach und Fach sei - er übernehme eine führende Position in der Bertelsmann-Gruppe. Derlei Spekulationen weist Pressechef Gert Schukies, selbst ein Ex-"Bertels-Mann", entschieden zurück: "Das ist Blödsinn, ebenso ein Unsinn wie das Gerücht ,Siemens übernimmt Nixdorf'!" Luft selbst habe dies auf einer Betriebsversammlung klargestellt.

Wie die Verantwortung unter der neuen Struktur - einer Grundlage für das zunehmend international orientierte Geschäft der neunziger Jahre - denn nun verteilt werden soll, läßt sich der Unternehmenssprecher nicht entlocken. Die vier Bereichsvorstände sollen von der Definition der zu entwickelnden Produkte bis zu ihrem späteren Vertrieb für alles geradestehen, was mit ihrem Metier zu tun hat: mit Geldinstituten, dem Handel, der mittelständischen Wirtschaft und den Großkunden.

Ob aber beispielsweise Tengelmann unter "Großkunden" oder unter "Handel" geführt würde, bleibt vorerst ebenso ungeklärt wie die Frage, wo die Grenzen der Macht in bezug auf den US-Markt gezogen werden. Dem steht nämlich künftig mit Albert Holler ein Vorstandsmitglied vor. Schukies: "Wir werden zu geeigneter Zeit über diese Themen informieren. Die interne Kommunikation geht vor."

Während sich nun Kronprinz Bohn darum kümmern darf, inwieweit die Bereichsvorstände der Entwicklungsmannschaft ins Handwerk hineinreden dürfen und was aus den Managern der abgeschafften Zwischenschicht "Gesamtvertrieb Deutschland' wird, bemüht sich Luft mit Unterstützung seines Controllers Sven Kado um eine Verbesserung der finanziellen Lage. Eines der Rezepte, die dem von totem Kapital und einer enorm umfangreichen Belegschaft belasteten Konzern verordnet wurden, ist die Liquidierung von Immobilien. An die 300 Millionen Mark soll das Sale-and-Leaseback von Nixdorf-eigenen Bauwerken bringen.

Nicht nur an diesen stillen Reserven will das Paderborner Systemhaus knabbern. Auch auf der Personalseite geht Nixdorf auf Sparkurs. Nachdem noch bis in dieses Jahr hinein kräftig eingestellt worden war, ist jetzt ein Einstellungsstopp angesagt. Ausscheidende Mitarbeiter werden - zumindest in der Produktion - nicht mehr ersetzt. Bei der verbleibenden Mehrheit will Luft ein Umdenken bewirken. "Jeder hat gesagt, wir wären die Besten. Und das ist falsch. Wir müssen unsere Einstellung ändern", vertraute der Vorstandsvorsitzende in kleinem Kreis Vertretern der internationalen Wirtschaftspresse an.

Mit der beklagten Selbstzufriedenheit dürfte es aber ohnehin vorbei sein. Die für viele in ihrer Konsequenz noch nicht abschätzbaren Maßnahmen des Managements schaffen ein Gefühl der Unsicherheit bei den Nixdorfern. Daß dies auch für die Anwender gilt, gab Luft jetzt zu: Drei Großbanken aus der Schweiz und der Bundesrepublik hätten große Investitionen erst einmal auf Eis gelegt. Damit fehlen den Paderbornern heuer mehr als 100 Millionen Mark an eingeplantem Umsatz.