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Prototyp soll Möglichkeiten und Grenzen im Kl-Bereich klarstellen:

Luftfrachtagent setzt auf Expertensystem

08.08.1986

KOBLENZ (pi) - Eine Untersuchung über Einsatzmöglichkeiten und Einsatzgrenzen von Expertensystemen in Disposition und Planung führen derzeit Mitarbeiter der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz durch. Die Studien sind gekoppelt mit der Entwicklung eines prototypischen Expertensystems im Bereich der Luftfrachtdisposition.

Den Mitarbeitern am Lehrstuhl für Informatik stehen als Kooperationspartner für das Forschungsprojekt auf der Anwendungsseite die im Luftfrachtmarkt tätige Firma Aeroconsolidation für die fachliche Beratung zur Verfügung; die Hardware stellt die Firma Symbolics.

Erstes Ziel des Projekts ist, die Entscheidung eines Luftfrachtagenten bezüglich der Annahme oder Ablehnung eines Frachtantrags "nachzubauen". Parallel sind die Untersuchung des Erstellungsprozesses und die Abschätzung der Folgen beim Einsatz von Expertensystemen begleitende Projektziele.

Die Erkenntnis, daß die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft in hohem Maße von der Informationsverarbeitung abhängig sein wird, hat zu verstärkten Anstrengungen von Wissenschaftlern und Herstellern bei der Entwicklung von intelligenten Computersystemen geführt. Das Fernziel dieser Bemühungen hat für diese Forschungsrichtung den Namen "Künstliche Intelligenz" (KI) geprägt. Ein Teilgebiet von KI ist die Erforschung von Systemen (im folgenden Expertensysteme, XPS genannt). Ziel bei dieser Entwicklung von XPS ist, Inhalts- und Organisationswissen in maschinell verarbeitbarer Form darzustellen. Man geht dabei von der These aus, daß Wissen von menschlichen Entscheidungsträgern (Experten) formalisierbar und damit abbildbar ist. Durch ein effizientes XPS soll eine Unterstützung der knappen und somit teuren Experten gewährleistet werden.

Bislang sind erste einsatzfähige XPS vorwiegend in Bereichen mit überwiegend technischem Wissen realisiert. Es handelt sich meist um Fehlersuch- beziehungsweise Diagnosesysteme. Betriebswirtschaftliche Dispositions- und Planungssysteme sind derzeit am Markt verfügbar. Anhand der Modellierung des Prototypen sollen im Vorfeld einer zu erwartenden breiten Systemeinführung von XPS wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse (zum Beispiel zu Erstellungstechniken, Wissensakquisition und Einsatzauswirkungen) erarbeitet werden.

Als ein Bereich mit zum Teil sehr komplexen Strukturen kann der Luftfahrtbereich angesehen werden. Marktteilnehmer sind auf Anwenderseite ausnahmslos Dienstleistungsbetriebe mit einem hohen Anteil an Experten. Der Luftfrachtmarkt ist ein expandierendes Marktsegment mit wachsender Bedeutung. In einer Zeit schrumpfender Märkte und zunehmend kürzeren Transportzeiten kommt der Disposition hier immer größere Bedeutung zu. In diesem Bereich werden Experten eingesetzt, welche durch Deregulationstendenzen (zum Beispiel IATA-Ausstieg der US-Fluggesellschaften, EGH-Urteil) und verschärfter Konkurrenzsituation hohen Anforderungen an Flexibilität und Kundenorientierung ausgesetzt sind. Die Bewältigung der veränderten Situation fordert eine stärkere Zuwendung der Unternehmen zu Beratungs- und Marketingmaßnahmen. Dies bindet Kapazität der ohnehin knappen Experten und wird dadurch die strategische Bedeutung der DV als Unterstützungsmittel verstärken.

Derzeit findet eine Unterstützung durch die DV nur für administrativoperationale Aufgaben im Rahmen softwaretechnischer Ansätz der 60er und 70er Jahre statt (zum Beispiel Dateiverwaltung und Datenbanksysteme). Darüber hinaus erfolgt kaum eine qualitative Entscheidungsunterstützung.

Einen ersten Überblick über den zu realisierenden Prototyp gibt Abbildung 1.

Die Modellierung erfolgte in einem ersten Ansatz auf Basis klassischer Verfahren des Operations Research. Erste Ergebnisse über die funktionalen Abhängigkeiten der Frachtannahmeentscheidung je Luftfrachtbrief (AWB) im Zeitablauf ( t) veranschaulicht Abbildung 2.

Die methodisch bedingten Einschränkungen und mangelnde Effizient der OR-Methoden machte in Teilbereichen ein Ausweichen auf Heuristiken und wissensbasierte Systeme mit effizienten Produktionswerkzeugen notwendig.

Ergebnis einer konzeptionellen Strukturierung war die Entscheidung der Kooperationspartner, einen ersten Prototyp bis zum Oktober 1986 zu realisieren. Nach der praktischen Erprobung ist die Ausweitung des Projekts auf andere Anwendungsprobleme im Logistik-Bereich geplant. Sollte auch diese Phase erfolgreich verlaufen, so ist eine abermalige Verallgemeinerung auf die Unterstützung von Führungsaufgaben vorgesehen, die durch eine Vielzahl mehr qualitativer Entscheidungsparameter geprägt sind.