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16.01.2004 - 

MySQL in heterogener Umgebung

Lufthansa Systems setzt auf Open Source

Seit einiger Zeit setzt Lufthansa Systems verstärkt auf Open-Source-Software. Dazu zählt auch das Datenbank-Management-System "MySQL", das der IT-Dienstleister für zahlreiche Aufgaben nutzt. Von Jan Schulze*

Mittlerweile wenden immer mehr Unternehmen Open-Source-Software an - so auch die Lufthansa Systems. Für den IT-Dienstleister mit über 4000 Mitarbeitern und Standorten in 13 Ländern spielt der Kostenfaktor eine wichtige Rolle für den produktiven Einsatz quelloffener Software: "Wir sparen da eine Menge Lizenzkosten", erklärt Antonio Mastrolorito, bei Lufthansa Systems für den Bereich Engineering Directory Services zuständig. Entsprechend vielseitig werden diese Produkte genutzt: Java, PHP und Perl sind die bevorzugten Programmiersprachen. Als Server-Betriebssystem zählt Linux zu den internen Standards, als Web-Server kommt in der Regel Apache zum Einsatz. Für Web-basierende Datenbanken, wie sie zum Beispiel für Web-Shops benötigt werden, ist MySQL, das Datenbanksystem des schwedischen Anbieters MySQL AB, eine häufig eingesetzte Lösung.

Große Systemvielfalt

Die Kostenfrage stellt jedoch nur einen der wichtigen Faktoren dar. Die Systemlandschaft der Lufthansa Systems ist sehr heterogen: "Es gibt kaum ein Betriebssystem und fast keine Datenbank, die wir nicht im Einsatz haben", beschreibt Mastrolorito den Ist-Zustand. Eine homogene Infrastruktur sei zwar wünschenswert, aber kaum realisierbar. "Unsere IT ist historisch gewachsen. Außerdem setzen wir gerne spezialisierte Produkte für bestimmte Aufgaben ein, um optimale Ergebnisse zu erzielen." So ist für den IT-Profi etwa Novell Netware für File- und Print-Services im weltweit verteilten Lufthansa-Umfeld den Mitbewerbern deutlich überlegen, was Leistungsfähigkeit, kostengünstigen Betrieb und sparsamen Umgang mit Ressourcen angeht.

Schnittstelle zum Frontend

Dass sich aus der Systemvielfalt auch funktionale Einschränkungen ergeben, ist unumgänglich. So etwa bei der selbst entwickelten Anwendung "Faro", einem Abrechnungs- und Stammdatenverwaltungs-Tool für Kunden aus der Luftfahrt. Dieses sollte durch ein Browser-basierendes Erfassungs- und Informations-Frontend namens "eFaro" erweitert werden. Das Problem dabei: Faro fußt auf dem Datenbanksystem DB2, auf dem sich Web-Anwendungen nur schwer aufbauen lassen. Die Applikation auf einer anderen Datenbanklösung neu zu konzipieren wäre zu aufwändig gewesen, zudem läuft das bestehende System sehr stabil und zuverlässig.

Für die Lösung des Problems nutzt Lufthansa Systems MySQL. Das Frontend setzt nun auf der Open-Source-Datenbank auf. Diese wiederum wird mit der im Backend laufenden DB2 synchronisiert, so dass beide Datenbanken denselben Datenbestand aufweisen. Damit kann die Kernanwendung unverändert weiterbetrieben und trotzdem den Mitarbeitern und Kunden ein komfortables Tool angeboten werden. "Aktuell werden beide Datenbanken im Batch-Verfahren täglich auf den gleichen Stand gebracht", erklärt Mastrolorito.

Das Thema Lizenzkosten betrachtet Mastrolorito bei MySQL sehr differenziert: "Im Gegensatz zu den meisten anderen Open-Source-Anbietern gibt es bei MySQL zwei verschiedene Lizenzmodelle." Neben der frei zugänglichen GNU General Public Licence (GPL) bietet der Datenbankhersteller auch eine kommerzielle Lizenz an: Eigene Entwicklungen, die auf einer unter GNU GPL veröffentlichten Software basieren, müssen diesem Lizenzmodell unterworfen werden und frei verfügbar sein. Um Closed-Source-Anwendungen auf MySQL zu entwickeln, können Unternehmen eine "Commercial Licence erwerben, die nicht der GNU GPL unterliegt. "Wir setzen beide Versionen ein, da bei der neuen Version 6.5 von Netware bereits eine kommerzielle MySQL-Lizenz mitgeliefert wird", so Mastrolorito. Wirklich notwendig sei diese jedoch bei Lufthansa Systems nicht, da hier kaum eigene Entwicklungen auf MySQL-Basis vorgenommen würden. "Auf den Servern nutzen wir wegen des guten Zusammenspiels mit Netware die von Novell ausgelieferte Commercial Licence, während die Datenbankentwickler mit der GPL-Version arbeiten", ergänzt der IT-Experte.

Keine Lösung für alle Aufgaben

Insgesamt zieht Mastrolorito eine positive Bilanz: "Wir betreiben inzwischen über 20 MySQL-Server mit teilweise mehreren Instanzen. Die Datenbank ist besonders unter Netware und Linux sehr leistungsfähig und stabil." Für die Administration der Datenbanksysteme setzt Lufthansa Systems das freie Tool "PHP My Admin" ein, mit dem MySQL-Server via Internet-Browser remote verwaltet werden können.

Einige Einschränkungen beim Einsatz im unternehmenskritischen Bereich sieht Mastrolorito jedoch. Er wünscht sich unter anderem ausgefeiltere Funktionen für die Datenbankreplikation und die Transaktionssicherheit. "Wir hoffen hier auf die angekündigten neuen Datenbanken, die MySQL in Zusammenarbeit mit SAP entwickeln möchte."

Eine Ablösung der bestehenden Oracle- und DB2-Datenbanken durch MySQL kann sich Mastrolorito jedenfalls in absehbarer Zeit nicht vorstellen. Neben funktionalen Einschränkungen gebe es zu viele Dialekte der Datenbanksprache SQL, als dass ein Wechsel mit vertretbarem Aufwand machbar wäre. (rg)

*Jan Schulze ist freier Autor in Erding.