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18.06.1999 - 

Abnabelung von Konzernmutter dürfte aber schwierig werden

Lufthansa Systems sieht sich als Komplettanbieter

FRANKFURT/M. (gh) - Den Anspruch, mittelfristig zu einer festen Größe im IT-Servicemarkt zu avancieren, hat die Lufthansa Systems GmbH mit ihrer Bilanz 1998 untermauert. Die IT-Dienstleistungstochter der Kranich-Airline konnte Umsatz und Gewinn gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern und legte auch beim Geschäft mit externen Kunden zu. Doch der Weg zum Big Player ist noch weit.

Geschäftsführer Peter Franke gab sich auf der Bilanzpressekonferenz selbstbewußt. Die "strategische Neuausrichtung" der Gruppe habe sich im Ergebnis deutlich niedergeschlagen. So verbesserte sich der Gesamtumsatz der Lufthansa Systems GmbH und ihrer sechs Tochtergesellschaften im Vorjahresvergleich um 23,5 Prozent auf 815 Millionen Mark. Davon entfielen 183 Millionen Mark, also 22,4 Prozent der Einnahmen, auf das Geschäft mit Kunden außerhalb des Lufthansa-Konzerns (siehe Grafik "Umsatzentwicklung"). Lufthansa Systems ohne Töchter konnte dabei mit konzernfremden Erlösen in Höhe von 92,3 Millionen Mark (15 Prozent des Umsatzes) aufwarten. Hier sei man, so Franke, im Vergleich zu 1997 mit 42,9 Prozent "sogar überdurchschnittlich gewachsen". Der Gesamtumsatz der GmbH belief sich auf 647,7 Millionen Mark, 15,3 Prozent mehr als im Geschäftsjahr 1997. Als Ergebnis vor Steuern wurden 45,9 Millionen Mark ausgewiesen.

Die eingangs erwähnte strategische Neuausrichtung bezog Franke vor allem auf das "erweiterte Portfolio" der Gruppe. So wurde unter anderem (mit Wirkung zum 1. Januar 1999) der Anteil an der Lufthansa Systems Network GmbH auf 75 Prozent erhöht. Die aus einer früheren Mehrheitsbeteiligung (51 Prozent) an der Hamburger POB Gesellschaft für Organisationsentwicklung und Beteiligungen mbH entstandene Tochter ist innerhalb der Gruppe als Vertriebsgesellschaft für alle IT-Infrastruktur-Services zuständig, bietet also den Betrieb von Client-Server-Lösungen oder Dienstleistungen im Bereich Network Engineering und Business Consulting an. Besagte Aktivitäten schlugen 1998 mit einem Umsatz von 32,4 Millionen und einem Ergebnis vor Steuern von 5,8 Millionen Mark zu Buche.

Neu hinzugekommen in den Lufthansa-Systems-Verbund ist im vergangenen Jahr die Cargo Future Communications GmbH, ein auf Call-Center-Services spezialisiertes Gemeinschaftsunternehmen mit der Future-Com GmbH, die wiederum ein Tochterunternehmen des weltweit agierenden US-Konzerns Young & Rubicam ist. Bereits in seinem Gründungsjahr habe das Joint-venture bei einem Umsatz von 1,8 Millionen Mark mit einem Gewinn von gut 100000 Mark schwarze Zahlen geschrieben, hieß es.

Größter Wachstumsträger unter den Lufthansa-Systems-Töchtern war 1998 aber der Consulting-Zweig Lufthansa Systems AS, deren Leistungsangebot von der strategischen und branchenspezifischen IT-Beratung über die Anwendungsentwicklung und Systemimplementierung bis hin zur Wartung reicht. 50 (1997: elf) Millionen Mark steuerte dieser Ableger 1998 zum Konzernumsatz bei, bei einem Gewinn vor Steuern von sechs Millionen Mark.

Auch die übrigen Konzerntöchter - Lufthansa Systems Berlin (IT-Dienstleistungen für die Reise- und Transportbranche), Lufthansa Systems Hungaria (Software für Flugplanung, -steuerung und Bodenservice) sowie Derdata (Systemhaus für die Touristik-branche) - entwickelten sich laut Franke positiv und wuchsen zum Teil schneller als der Markt. Insgesamt könne sich Lufthansa Systems jetzt seinen Kunden als "professioneller Partner mit umfassenden und nahtlosen Komplettlösungen für nahezu alle denkbaren Aufgaben präsentieren".

Mutterkonzern Lufthansa soll Hauptkunde bleiben

Ob dieser Anspruch mit der Realität in Einklang gebracht werden kann, muß allerdings noch abgewartet werden - jedenfalls im externen Geschäft. Denn obwohl der Lufthansa-Systems-Chef im Geschäft mit konzernfremden Kunden für die kommenden Jahre durchschnittliche Wachstumsraten von 25 Prozent und mehr in Aussicht stellte, ist die Abhängigkeit von der Mutter Lufthansa AG noch immer groß. Franke machte aus dieser Not eine Tugend und stellte klar, daß die Kranich-Airline auf absehbare Zeit auch der "Hauptkunde" seiner Company bleiben werde. Im Markt für auf Luftfahrtgesellschaften zugeschnittene IT-Services wolle man aber die eigene Position unter den Top-Five der Welt "nach Möglichkeit ausbauen". Mit neuen Produkten wie der Internet-Vertriebslösung "Web-Fly", die künftig auch im Lufthansa-Portal "Infoflyway" zum Einsatz kommt, habe man das eigene Innovationspotential "unter Beweis gestellt".

Weitaus schwieriger dürfte es indes, wie schon erwähnt, bei den branchenfremden Kunden sein, ein nennenswertes Wachstum hinzulegen - also überall dort, wo man nicht im Windschatten der großen Mutter segeln kann. Zwar lassen mittlerweile Firmen wie Karstadt, DHL oder Commerzbank einen Großteil ihrer Transaktionen über das Rechenzentrum von Lufhansa Systems abwickeln. Doch sowohl im klassischen Rechenzentrums- beziehungsweise Outsourcing-Geschäft, das nach wie vor die Cash-cow der Frankfurter ist, als auch bei anwendungs- und branchenspezifischen IT-Dienstleistungen bewegt man sich - erst recht außerhalb der Carrier-Szene - in einem harten Wettbewerbsumfeld; milliardenschwere Servicegiganten wie IBM und EDS sowie ein Heer sogenannter Midrange-Dienstleister wie CSC Ploenzke, Atos oder TDS lassen grüßen.

Hinzu kommt, daß das eigene Erscheinungsbild durch die immer zahlreicheren Konzerngesellschaften mit zum Teil sich überschneidenden Service- und Produktportfolios selbst für Experten kaum mehr überschaubar ist. Auffallend zurückhaltend ging der Lufthansa-Systems-Chef deshalb vermutlich auch auf die zu Jahresbeginn ins Leben gerufene und auf der CeBIT mit großem Pomp vorgestellte Holding Lufthansa IT Services ein. Für diesen Verbund, der alle übrigen Lufthansa-Töchter beziehungsweise -Beteiligungen im IT-Umfeld, also beispielsweise Start Amadeus, Star Ticket sowie Lufthansa Consulting, Lufthansa Process Management und Lufthansa Airplus unter einem Dach integrieren soll, konnte und wollte Franke, der auch als Chef der Holding fungiert, gegenüber den Journalisten "heute nicht sprechen". Mit der Gründung von Lufthansa IT Services wolle man, so Franke, in erster Linie für "mehr Gleichschritt in den IT-Aktivitäten des Konzerns sorgen". Konsolidierte Zahlen der Holding seien aber "nicht Gegenstand einer Pressekonferenz von Lufthansa Systems".