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04.10.1985 - 

ALGA startet bundesweite Fragebogen-Aktion:

LuG-Software soll neu gesichtet werden

KÖLN (CW) - Der Einsatz der Datenverarbeitung im Bereich der Lohn-/Gehaltsabrechnung erfordert heute mehr denn je eine gründliche Kosten-/Nutzenanalyse bei der Entscheidung, ob Standard-Software gekauft oder eine individuelle Programmlösung mit speziellem Zuschnitt aufgrund der besonderen Bedingungen des bei dem jeweiligen Anwender vorhandenen Abrechnungsumfeldes angestrebt werden soll. Um die Situation im Bereich der Standardsoftware für LuG-Systeme zu klären, befragte die ALGA (Arbeitsgemeinschaft Lohn- und Gehaltsabrechnung) in einer Markterhebung Hersteller solcher Programme zu ihren Produkten. Diese Marktübersicht soll nun erneut aufgelegt werden.

Das Ergebnis der ersten Markterhebung wurde im 1. Jahrbuch Lohn- und Gehaltsabrechnung (Datakontext-Verlag, Köln, 1984) veröffentlicht. Mittlerweile haben sich eine Reihe einschneidender Veränderungen für die Abrechnungspraxis ergeben, wie zum Beispiel Einmalzahlungen oder die Märzklausel, und es sind neue Standardpakete hinzugekommen, die eine erneute Markterhebung erforderlich machen, zumal von betrieblicher Seite ein überarbeitetes Pflichtenheft gefordert wird.

Besonderes Augenmerk verdienen dabei die Kosten der Datenverarbeitung, die im Bereich der Bereitstellung von Anwendungssoftware und -wartung/-pflege überproportional gestiegen sind und in der Vergangenheit nur über den Hardware-Kostenverfall teilweise kompensiert wurden.

Als klassische Aufgabenstellung für die Anwendungssoftware gilt der Bereich der Lohn- und Gehaltsabrechnung, an dem sich durchweg alle EDV-Generationen geübt und mehr oder weniger praktikable und sichere DV-gestützte Systemlösungen im Laufe der vergangenen Jahre zum Einsatz gebracht haben.

Laufende Neuregelungen, Änderungs- und Anpassungszwänge, wachsende Datenmengen und Aufgabenstellungen haben eine Komplexität in den Abrechnungsprozessen bewirkt, die dazu geführt haben, daß die heute im Einsatz befindlichen Abrechnungssysteme teilweise nicht mehr den Anforderungen gewachsen oder auch "totgepflegt" sind. Hieraus resultieren steigender Wartungsaufwand, zunehmende Fehleranfälligkeit und erhöhter Pflege- und Kontrollaufwand bei der DV- und den Fachabteilungen: somit Kosten, die als "Fingerzeige" für das Management auf die Notwendigkeit einer Systemablösung hinweisen.

Bei allen länger im Einsatz befindlichen Abrechnungssystemen stellt sich früher oder später für das Management die Frage nach Ablösung, Neukonzeption, Optimierung und Einsatz von Individual- oder Standardsoftwarelösungen, die künftige Neuerungen abdecken und Änderungsaufwand verkraften können, damit ein längerfristiger Systemeinsatz gewährleistet ist.

Individual-Softwarelösungen treten gegenüber Standard-Softwarelösungen immer mehr in den Hintergrund, da sie nicht nur sehr kostenaufwendig sind, sondern auch betriebliche Engpässe, wie geringe Personalkapazität für Neuentwicklungen, Schwierigkeiten bei der Beschaffung von qualifizierten DV-Fachkräften, zu geringes DV-Budget und Terminzwänge Standardsoftwarelösungen von vornherein den Weg ebnen.

Auch Überlegungen im Hinblick auf größere Komplexität der Systeme, nicht unerheblichem Entwicklungsrisiko und ständigem Wartungsaufwand führen zur Auseinandersetzung mit der Alternative Standardsoftware, die langfristig die preiswertere sein dürfte, wenn die richtige Wahl getroffen wurde.

Bei den am Markt angebotenen Standardsoftwarepaketen ist nicht alles "Gold was glänzt", da einige dieses Prädikat nur bedingt verdienen und unter dieser Bezeichnung auch

"aufgebohrte Individuallösungen" zu finden sind. Angeboten werden zur Zeit für Großrechner zirka 40 und für Kleinrechner nochmal 60 Standard-Abrechnungspakete, wovon der überwiegende Teil herstellergebunden ist. Der Ankauf einer Standardsoftwarelösung muß präzise geplant und nach festen Regeln ablaufen, damit er nicht "zum Sprung ins kalte Wasser" wird.

Nicht zu verkennen ist aus Anwendersicht, daß bei Einsatz und Wartung von Anwendungssoftware eine breite Basis an Erfahrungsträgern für die Fehlerbehandlung, Anpassung und Weiterentwicklung zur Verfügung stehen, was ein mitenscheidendes Kriterium für den Einsatz von Standardsoftware ist, zumal die Wartungskosten kalkulierbar sind und die eigene Personalkapazität kaum belasten.

Im Softwaremarkt viel Zufall im Spiel

In verstärktem Umfang wenden sich die Unternehmen an den leider unübersichtlichen Softwaremarkt, wobei viel Zufall im Spiel ist, um die für ihre Zwecke richtige Standardsoftwarelösung herauszufiltern.

Hierzu bietet sich die Erhebung bei den Anbietern mittels eines Fragebogens an, der DV-technische und fachspezifische Fragen und Anforderungen als "Pflichtenheft" enthält.

Aufgrund der erheblichen Systemanpassungen in jüngster Zeit, ausgelöst durch gesetzliche Neuregelungen wie zum Beispiel die Behandlung der Einmalzahlungen nach ° 385, la RVO, wurde der "ALGA-Fragebogen zur Standardsoftwareauswahl" überarbeitet und den Softwareanbietern im Monat September 1985 zugeleitet.

Mit dem Ergebnis dieser Marktumfrage, die pro Softwarepaket rund 150 Einzelfragen umfaßt, ist Ende November 1985 zu rechnen.

Die ALGA-Marktübersicht '85 wird auf der "alga-arbeitstagung-Nord" am 28. und 29. November 1985 in Timmendorf vorgestellt, erläutert und anhand von K.o.-Kriterien gewichtet.

Der alga-Fragebogen '85/86 kann abgerufen werden bei Bernd Hentschel c/o Ford Werke AG, Lohn- und Gehaltsbrechnung, Emdener Straße, 5000 Köln 60, Tel.:

02 21/7 10 32 34.